Trupp der Kommando Spezialkräfte (KSK) beim Marsch in der Wüste.
Trupp der Kommando Spezialkräfte (KSK) beim Marsch in der Wüste. | Foto: dpa

KSK feiert Geburtstag

Die härtesten Männer der Bundeswehr

Von Michael Fischer

Ludwigsburg.  So nah hat sich das Kommando Spezialkräfte noch nie in einer solchen Truppenstärke an die deutsche Öffentlichkeit herangewagt. 700 der insgesamt 1000 Soldaten der Elitetruppe traten am Dienstagabend im Innenhof des Barockschlosses Ludwigsburg bei Stuttgart zum Appell an – alle ganz ungewohnt in grauen Ausgeh-Uniformen des Heeres. Keine Hightech-Kampfmontur. Keine Nachtsichtbrillen, schwarzen Kampfhauben oder Präzisionsgewehre. Nichts von dem, was man sich unter Spezialkräften so vorstellt. Der Grund für den ungewöhnlichen Truppenaufmarsch der besten Bundeswehr-Kämpfer: Das sagenumwobene KSK wird demnächst 20 Jahre alt. Den Ort habe man ganz bewusst gewählt, sagt Kommandeur Dag Baehr. „Nicht, weil es hier besonders schön ist, sondern weil es eben nicht in der Kaserne ist.“ Viel mehr Offenheit ist aber nicht drin. Ort und Zeit der Feier wurden bis zuletzt geheimgehalten.

Soldaten des Kommandos Spezialkräfte Marine in Eckernförde
Soldaten des Kommandos Spezialkräfte Marine in Eckernförde | Foto: dpa

Feldjäger schotten die Feier ab

Ein Großaufgebot von Feldjägern schottet die Feier streng ab. Ein paar Journalisten dürfen dabei sein, filmen und fotografieren ist aber strengstens untersagt. Handys aus, heißt es zu Beginn der Veranstaltung. Der Schutz der Identität ist den Spezialkräften heilig. Und er kann lebenswichtig sein – auch für die Familien der Soldaten, die vor Racheakten geschützt werden sollen. Das Kommando Spezialkräfte wurde am 20. September 1996 vor allem gegründet, um deutsche Staatsbürger in Krisengebieten zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Auslöser waren schlechte Erfahrungen während des Völkermords in Ruanda, als in der Hauptstadt Kigali eingeschlossene Deutsche nicht ohne belgische Hilfe befreit und außer Landes gebracht werden konnten. Stationiert wurde die Truppe im baden-württembergischen Calw, nicht weit von Stuttgart entfernt. Schon 1998 ging es in den ersten Einsatz: Festnahme von mutmaßlichen Kriegsverbrechern auf dem Balkan. 2001 folgte Afghanistan.

Auszeichnung für die Soldaten

Für die Unterstützung der US-Truppen im Kampf gegen die Taliban wurde das KSK bei der Geburtstagsfeier nachträglich ausgezeichnet. Die Truppe geriet am Hindukusch aber auch ins Zwielicht. 2006 warf der von den USA viele Jahre in Guantanamo festgehaltene Deutsch-Türke Murat Kurnaz KSK-Soldaten vor, ihn im afghanischen Kandahar misshandelt zu haben. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss brachte keine eindeutige Klärung. Vier Jahre später spielte das KSK erneut eine Rolle in einem Untersuchungsausschuss. Diesmal ging es um das von einem Bundeswehroberst befohlene Bombardement zweier Tanklaster in der Provinz Kundus, bei dem etwa 100 Menschen starben. Was die Elitesoldaten alles in Afghanistan gemacht haben und noch tun, ist nur in kleinen Bruchstücken an die Öffentlichkeit gelangt.

Späte Information des Bundestags

Auch der Bundestag erfährt nur von abgeschlossenen Operationen. Einzelne Parlamentarier der Ausschüsse für Verteidigung und Auswärtiges werden regelmäßig darüber unterrichtet, dürfen die Informationen aber nur an ihre Fraktionsvorsitzenden weitergeben. Die Opposition würde die Geheimhaltungspraxis gerne lockern. „Mehr Offenheit wäre auch im Sinne der Soldaten, denn um das KSK ranken sich immer wieder zahlreiche Gerüchte und Spekulationen“, sagt die Grünen-Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger. Sie fordert, den kompletten Bundestag über zurückliegende Einsätze zu informieren und soweit es geht auch die Öffentlichkeit einzubeziehen. Ausgenommen bleiben sollten aber Angaben über die Identität der Soldaten. Der Linke-Abgeordnete Alexander Neu meint sogar, dass für das KSK dieselben Regeln wie für andere Truppenteile gelten müssten. Kommandeur Baehr hält dagegen wenig davon, die derzeitige Praxis aufzugeben. Allerdings räumt er ein, dass zu viel Geheimhaltung für die Truppe auch nicht gut sei. Früher sei alles so geheim gewesen, dass das KSK seine eigenen Einsatzerfahrungen nicht mehr nutzen konnte, erzählt er. „Geheimhaltung wurde zum Evangelium.“