ZUM MITSCHREIBEN: Das Yoga Book wird bei Bedarf zum Notiz- oder Skizzenblock.
ZUM MITSCHREIBEN: Das Yoga Book wird bei Bedarf zum Notiz- oder Skizzenblock. | Foto: Gabbert

Ausprobiert: Lenovo Yoga Book

Die Quadratur des Kreises?

Komisch fühlt es sich an, dieses Halo-Keyboard. Blindes Schreiben ist auf der glatten Oberfläche nahezu unmöglich. Das gewohnte Zehnfingersystem funktioniert ohne richtige Tasten nur schlecht. Da ist die große Löschen-Taste geradezu ein Eingeständnis. Nein, auf dem Yoga Book schreibt niemand Romane, höchstens Kurzgedichte – und auch die mit wenig Vergnügen.

Zum Themendienst-Bericht «Die versuchte Quadratur des Kreises - Das Lenovo Yoga Book im Test» von Till Simon Nagel vom 22. November 2016: Das berührungsempfindliche Halo-Keyboard kann anfangs frustrierend sein. Blindes Schreiben ist schwierig, die Rückmeldung für den Nutzer fällt trotz Vibrationsmotor nur gering aus. Auch das Trackpad zum Mausersatz ist sehr unpräzise. (Archivbild vom 10.11.2016/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) Foto: Franziska Gabbert
FRUSTRIEREND: Das berührungsempfindliche Halo-Keyboard gibt beim Tippen kaum Rückmeldung; blindes Schreiben ist schwierig, die Fehlerquote hoch. Foto: Gabbert

Aber Lenovos Yoga Book will ja eigentlich auch gar kein Notebook sein. Das Hybridgerät im DIN-A5-Format ist Tablet und digitales Zeichenbrett zugleich. Und dann ist da noch diese Touch-Tastatur namens Halo Keyboard, die so ungewöhnlich und innovativ wie frustrierend ist. Umklappen und aufstellen lässt sich das Yoga Book auch noch. Doch der Reihe nach.

Wandelbares Mischwesen

Nach einem Tablet mit mobilem Projektor trauen sich die Lenovo-Entwickler beim Yoga Book an ein neues Mischwesen: Ein Tablet, das durch ein 180-Grad-Scharnier mit einer berührungsempfindlichen Eingabefläche verbunden ist. Sie ist Spielfeld für einen mitgelieferten Stylus und dient zum Zeichnen, Schreiben oder für die Stiftbedienung. Oder sie wird zum Halo-Keyboard mit leuchtenden Zahlen- und Buchstabentasten.

YOGA IST NICHT NUR DER NAME: Die beiden Teile des Geräts werden in der Mitte von einem um 180 Grad klappbaren Scharnier verbunden. Foto: Gabbert
YOGA IST NICHT NUR DER NAME: Die beiden Teile des höchst beweglichen Geräts werden von einem um 180 Grad klappbaren Scharnier verbunden. Foto: Gabbert

Das 10,1 Zoll große Display bietet etwas mehr als Full-HD-Auflösung (1920 zu 1200 Pixel), im Inneren des 690 Gramm leichten Verrenkungskünstler stecken ein Intel-Atom-Chip, 4 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 64 GB Speicher (erweiterbar um bis zu 128 GB) – solide Smartphone-Oberklasse also, nur mit riesigem Display und Tasten.

Yoga Book findet schwer Anschluss

Geladen wird das Yoga Book irritierenderweise über einen USB-2.0-Anschluss im Micro-Format. Andere Geräte und USB-Sticks lassen sich deshalb meist nur per Adapter verbinden. Gleiches gilt für den kleinen HDMI-Ausgang: Ohne den passenden Adapter werden das Yoga Book, Monitore und Beamer keine Freunde.

Doch genug der Klage: Mit dem Gerät kann man durchaus schöne Momente erleben. Zum Beispiel beim Serienschauen im Bett: Das Display ist hell, der Klang für ein so kleines Gerät erstaunlich gut. Durch die flexible Form steht das Yoga Book immer stabil und mit einer voller Akkuladung kommt man locker durch einige Serienfolgen oder Filme.

GUTES DISPLAY: Der Bildschirm des Yoga Books hat etwas mehr als Full-HD-Auflösung mit 1920 zu 1200 Pixeln. Foto: Gabbert
GUTES DISPLAY: Der Bildschirm des Yoga Books hat etwas mehr als Full-HD-Auflösung mit 1920 zu 1200 Pixeln. Foto: Gabbert

Auch wer gern zeichnet oder Notizen per Handschrift anlegt, kommt auf seine Kosten. Zwar kann das Yoga Book als digitales Zeichengerät nicht mit Grafiktablets für Profis mithalten. Für Skizzen mit dem Stylus reicht es aber allemal. Besonders clever: Der mitgelieferte Zeichenblock haftet magnetisch auf der Eingabefläche. Schreibt man nun auf den Block, werden Text und Zeichnungen auf Wunsch direkt digital zum Beispiel im Notizprogramm OneNote abgelegt.

Unpräzises Touchpad

Deutlich weniger Spaß macht das Verfassen langer Texte. Das Keyboard lädt geradezu zum Vertippen ein. Ein kleiner Vibrationsmotor versucht tapfer, den fehlenden Tastenhub zu ersetzen – wahres Tippgefühl kommt aber nicht auf. Auch ist das Touchpad nur selten richtig präzise. Doch nach zwei Wochen mit diversen Tippfehlern und regelmäßigen Zornesausbrüchen gewöhnt man sich an das seltsame Halo-Keyboard – echte Liebe wird es aber nicht.

Fazit

Was ist es nun, dieses Yoga Book? Zunächst einmal ein brauchbares Tablet mit vollwertigem PC-Betriebssystem, ein digitales Zeichenbrett und eine ausdauernde Videomaschine. Mit etwas Eingewöhnung ist es sogar ein Reiseschreibgerät. Notebookmaßstäbe sollte man bei aller optischen Ähnlichkeit aber nicht anlegen. Denn da ist das Yoga Book ein vergleichsweise lahmes Gerät, das mit seinem Prozessorchen schon bei etwas aufwendigeren Webseiten deutlich in die Knie geht – noch dazu mit höchst unpraktischen Anschlüssen. Dennoch gelingt dem Leichtgewicht der Spagat zwischen den Geräteklassen recht gut. Letztlich ist es ein solider Allrounder mit breitem Einsatzspektrum und vielen neuen Ideen. Till Simon Nagel

Das Yoga Book gibt es mit Windows 10 ab rund 600 Euro und als Android-Gerät mit Android 6 ab rund 500 Euro. Beide Geräte sind bereits im Handel verfügbar. Wer nicht auf Windows angewiesen ist, kann beruhigt zur Android-Variante greifen. Dann spart man nicht nur 100 Euro, sondern kommt auch nicht in die Verlegenheit, dem kleinen Tablet Dinge zuzumuten, für die es nicht gemacht wurde.