Das Obertsroter Schwimmbad wird nach der Saison für 800000 Euro saniert. Eine Schließung des Bads wendete der Gemeinderat am Montag ab.
Das Obertsroter Schwimmbad wird nach der Saison für 800000 Euro saniert. Eine Schließung des Bads wendete der Gemeinderat am Montag ab. | Foto: pr

Schwimmbad Obertsrot

Räte fürchten Nachteil für die Stadt

Die Entscheidung hätte knapper nicht ausfallen können: Mit 16 zu 15 Stimmen sprach sich eine knappe Mehrheit der Gemeinderäte für die Sanierung des Obertsroter Freibads aus. Sie torpedierten damit einmal mehr den Wunsch der Verwaltung, keine Kosten mehr in das Bad zu stecken und es somit letztlich nach der Saison zu schließen. Zünglein an der Waage war Eckehard Hilf, der kurz vor der Sitzung als Vorsitzender des Schwimmbadfördervereins bewusst zurückgetreten war, um stimmberechtigt zu sein. Als Vereinsvorsitzender wäre er nämlich wie berichtet befangen gewesen und hätte bei der Abstimmung auf den Zuhörerstühlen Platz nehmen müssen. „Die Rechnung ist aufgegangen“, sagt er nun suffisant gegenüber den BNN. Ohne seine Stimme hätte Gleichstand geherrscht und das Votum des Bürgermeisters den Ausschlag gegeben.
Während die zahlreichen Bürger, die teils direkt aus dem Schwimmbad ins Rathaus gestürmt waren, in Jubel ausbrachen, als die Entscheidung feststand, sehen viele Gemeinderäte jetzt schwierige Zeiten auf die Stadt zukommen. „Den Schwarzen Peter haben jetzt wir im Gemeinderat“, sagte gestern die SPD-Fraktionssprecherin Irene Schneid-Horn. „Wir müssen jetzt schauen, wie wir das finanzieren und was auf der Strecke bleibt.“

„Egoistisches Verhalten“

Die CDU-Fraktionsvorsitzende Frauke Jung sagte nach der Entscheidung: „Ich bin enttäuscht, dass sich so ein egoistisches Verhalten einer Minderheit durchsetzen konnte“ – auch mit Blick auf den von vielen Bürgern ausugeübten Druck auf die Gemeinderäte. Sie respektiere jedoch die Entscheidung im Sinne der Demokratie. „Schlimm finde ich, dass dieser kleine Kreis in Kauf nimmt, dass wir nun zur Erfüllung unserer Pflichtaufgaben Kredite aufnehmen müssen. Zu Lasten der Jungen.“ Dabei hatten schon in der Sitzung am Montagabend viele Ratsmitglieder betont, dass die Stadt eine Fülle von Pflichtaufgaben und wichtige Investitionen zu bewältigen habe, wie die Sanierung der Zehntscheuern oder des Rathauses, die Erweiterung der Realschule, Fahrzeuganschaffungen für die Feuerwehr sowie Kinderbetreuung und Klimaschutz.
Thomas Hentschel (Grüne) räumte ein, dass er das Bad durchaus als Kleinod entdeckt habe, das seinesgleichen suche. Ihm sei auch bewusst, dass viele Menschen Erinnerungen mit dem Bad verbinden und im Falle einer Schließung zutiefst verletzt seien, dennoch fühle er sich dem Gemeinwohl der Stadt verpflichtet. Und da stünden dringlichere Aufgaben auf der Agenda.

Domino-Effekt befürchtet

Der Obertsroter Ortsvorsteher Walter Schmeiser hatte dagegen die Frage in den Raum gestellt, wo denn die rund 600 Badegäste allein aus der vergangenen Woche unterkommen sollten, wo doch das Igelbachbad bereits öfter an seine Kapazitätsgrenze gelangt sei. Er befürchtete auch einen Dominoeffekt: So hätte das Aus des Obertsroter Schwimmbads langfristig auch das Ende für die übrigen Stadtteilbäder bedeutet. Auch hätte er durch die Schließung das Ehrenamt in Gefahr gesehen: „Wenn man das Ehrenamt so behandelt, frage ich mich, wer sich morgen noch freiwillig engagiert.“

Die Obertsroter Ortschaftsrätin Christine Winkelhorst (CDU) zeigte sich verwundert, dass die Bäderdiskussion wieder von vorn beginne, wo längst ein Grundsatzbeschluss für den Erhalt gefallen sei. „Man kann wichtige Projekte bei Mehrkosten nicht gleich in Frage stellen“, sagte sie und forderte die Verwaltung auf, weitere Zuschussmöglichkeiten von Landes- und Bundesseite (Stichwort Tourismusförderung) zu prüfen.