UU-Strab-Baustelle Berliner Platz
Vom Bau der U-Strab ist der Berliner Platz wieder völlig in Beschlag genommen. | Foto: jodo

Stadtumbau braucht mehr Zeit

Die U-Strab wird erst nach 2020 rollen

Die Kombilösung geht wegen der Finanzierungsprobleme beim Autotunnel zumindest vorerst überhaupt nicht auf. „Wann wird denn dann wenigstens die U-Strab fertig“, fragen da die Karlsruher. Selbst der U-Strab-Bauherr, Kasig-Chef Uwe Konrath versichert, er könne dies heute nicht „seriös“ sagen. So lange der Rohbau der unterirdischen Haltestellen und des Südtunnels nicht in Beton gegossen ist, können Probleme auftreten, die bestenfalls nur zu Baustopps zwingen und neue Verzögerungen verursachen.

Kein fester Termin vor Abschluss des Rohbaus

Große Hürden müssen die U-Strategen noch nehmen, dann ist das Entscheidende geschafft: Der U-Strab-Bau kann nicht mehr wegen Instabilität den Karlsruher Untergrund in Aufruhr bringen. Erst dann ist die Gefahr gebannt, dass ein Wassereinbruch an der Sohle die Wände der provisorischen Bauschachteln ins Rutschen und zum Einstürzen bringen könnte. Aber wohl erst gegen Ende 2017 ist dieser Stand erreicht.

Noch  fehlen Bodenplatten

Noch fehlen nämlich an fünf Stellen der City in 15 bis 20 Metern Tiefe die rund zwei Meter dicken Bodenplatten für die U-Strab-Stationen. Nur die riesigen Hallen unter dem Marktplatz und dem Durlacher Tor besitzen bereits diese gewaltigen Stabilisatoren. Unter dem „Europaplatz“ bereitet die laut Kasig „mit Mängeln behaftete Sohle“ Sohle, die dort vor sechs Jahren von oben eingedüst wurde, den U-Strab-Bauern große Probleme (die BNN berichten). Ohne zusätzliche Sicherung des Baugrunds traut man sich deshalb nun nicht weiter auszubaggern. Würde eine zu schwache Sohle, auf der durch das Ausbaggern keine Erdlast mehr aufliegt, dem Wasserdruck nicht standhalten, können die Verantwortlichen eine Katastrophe durch das Einbrechen der Wände nicht ausschließen. Folglich versuchen sie der Gefahr eines Einsturzes bald durch eine Stabilisierung der Südwand mit Querstreben oder Anker vorzubeugen.

Planungen für Sicherheitskonzept laufen

Noch aber laufen die Planungen für „das zusätzliche Sicherungskonzept“, erklärt die Kasig zum Stand der Kombilösung. „Deshalb kann unterm „Euro“ die Bodenplatte wohl erst 2017 fertig werden. Ähnliches gilt für das Betonieren der stabilen U-Strab-Röhre in dem nur langsam per bergmännischem Vortrieb unter Überdruck vorangetriebenen Tunnel unter der Karl-Friedrich-Straße. Jetzt sind nach sieben Monaten erst 155 von 250 Metern beim Vortrieb der oberen Tunnelhälfte geschafft. Zur Komplettierung des Rohbaus fehlen dann noch die massiven Wände der U-Strab-Stationen. Sie können erst eingezogen werden, wenn die Bodenplatten liegen. Die akuten Probleme unter dem „Euro“ und das nur sehr langsame Wachstum des Tunnels unter der Karl-Friedrich-Straße machen also klar, dass der U-Strab-Rohbau frühestens im Laufe des Jahres 2018 komplett ist. Gehört dazu doch auch noch der Einbau von breiten Zwischengeschossbrücken in den Haltestellen.

Testphase nach 2020?

Bei der Fülle der anschließenden Aufgaben beim Innenausbau ist kaum anzunehmen, dass dies nicht mindestens zwei Jahre Zeit braucht. Bei von nun an optimalem Bauverlauf könnte also Mitte 2020 der U-Strab-Betrieb langsam in Sicht kommen. Dann aber sind mindestens ein halbes Jahr Testphase sowie das Genehmigungsverfahren für den Betrieb nötig. Ursprünglich sollte die U-Strab nach sieben Jahren Bauzeit in diesen Monaten in Betrieb gehen. Dass 2016 als Fertigstellung der U-Strab, der ersten Kombi-Komponente, nicht zu halten ist, wurde schon vor drei Jahren klar. Zunächst wurde dann 2018 und seit einem Jahr 2019 als neue Zielvorgabe genannt. Dies ist auch heute noch die offizielle Sprachregelung im Rathaus und bei der Kasig. Beobachter des unterirdischen Baugeschehens gehen indessen davon aus, dass daraus in diesem Jahrzehnt nichts mehr wird. Viel mehr können sich die Karlsruher darauf einstellen, dass auch 2020 noch an der U-Strab gebaut wird und dass frühestens 2021 beziehungsweise wahrscheinlicher 2022 die Bahnen unter der Kaiserstraße rollen.

Am Kombibauwerk wird der Deckel für die U-Strab eingezogen. Auf ihm sollen die Autos durch den Tunnel Kriegsstraße rollen. Foto: jodo

Wann die ganze Kombilösung, also auch ihre zweite Komponente „Umbau Kriegsstraße“, verwirklicht ist, steht dagegen heute in den Sternen. Mit dem Autotunnel ist wegen der Bedenken des Bundesrechnungshofs noch gar nicht begonnen worden. Früher meinte man, damit 2014 loszulegen und 2019 fertig zu sein. Wohl frühestens 2017 oder eher 2018 kann man aber jetzt erst in der Kriegsstraße baggern, falls die Bundespolitik dazu überhaupt die Ampel wieder auf Grün stellt. Unter für Karlsruhe günstigen Umständen ist also mit der ersten Fahrt durch den Autotunnel irgendwann ab 2022 zu rechnen.

Umbau der Kaiserstraße will man direkt folgen lassen

Im Nachklapp zur bezuschussten „Kombilösung“ will die Stadt, wenn die Gleise aus der Kaiserstraße entfernt werden können, die Fußgängerzone Kaiserstraße samt Marktplatz für 25 plus X Millionen Euro neu gestalten. Dafür sind noch einmal einige Jahre anzusetzen. Somit ist es heute denkbar, dass der Stadtumbau irgendwann um 2025 – also nach mehr als 15 Jahren – ein Ende hat.

Sieben Jahre und kein Ende

Bald sieben Jahre wird schon an der U-Strab gebaut. Eigentlich sollten die Karlsruher in den nächsten Wochen die Tunnelfahrt unter dem Fächer kennenlernen. Doch es ist immer noch so viel zu tun, dass nicht einmal mehr Ende 2019 als Termin für die Inbetriebnahme der U-Strab realistisch erscheint. Eher wird es 2021 oder 2022 werden, bis die Fahrt durch die Röhre zum Karlsruher Alltag wird.

Wo muss noch ausgebaggert werden?

Jeweils knapp die untere Hälfte der injizierten Schachteln für den Bau der Haltestellen unter dem Europaplatz, unter der Kaiserstraße für die Station „Lammstraße“ sowie unter dem Berliner Platz für den U-Strab-Halt „Kronenplatz“ steckt noch voll mit Erde. Dazu kommt der Mittelkopf der Station „Ettlinger Tor“. Das ist der unterste Teil des Kombibauwerks, der Kreuzung von U-Strab und Autotunnel Kriegsstraße. Es geht dabei um das Erdreich, das sich unter dem gerade in Bau befindlichen U-Strab-Deckel befindet, über den irgendwann einmal die Autos rollen sollen.

War’s das?

Nein, da fehlt doch noch über die Hälfte des Aushubs, der beim Vortrieb des U-Strab-Südtunnels zwischen Ettlinger Tor und Marktplatz gefördert wird. Die Kasig geht davon aus, dass sie alle Aushubarbeiten im Verlauf von 2017 hinter sich hat.

Wo steht der U-Strab-Rohbau sonst?

Bei dem zwei Kilometer langen Zentralabschnitt des Haupttunnels unter der Kaiserstraße, den die gigantische Vortriebsmaschine „Giulia“ 2015 in neun Monaten vollendet hat, sowie bei den Rampen in der Kaiserallee und in der Durlacher Allee ist der Betonguss fast komplett. Dort fehlt lediglich der Einbau des 1,5 Meter dicken Sockels, auf dem später die Gleise in der Röhre liegen. Ähnlich weit ist inzwischen auch die Station „Durlacher Tor“. Dort werden die letzten Wandteile betoniert. Gleiches gilt für das Westende des Tunnels am Mühlburger Tor.

Wie sieht es am Marktplatz aus?

Unter dem Marktplatz ist die Bodenplatte betoniert, jetzt geht es bei der Riesenstation an die Wände. In der Station „Kongresszentrum“ haben gerade erst die Arbeiten für die Eisenbewehrung der Bodenplatte begonnen. Bei der Station „Ettlinger Tor“ ist der Nordkopf im Rohbau fertig, im Südkopf ist man bei den Wänden, und das Kombibauteil in der Mitte bekommt erst bald den ersten Deckel verpasst.

Was macht der Südabzweig?

In verschiedenen Phasen des Betonierens von Boden und Wänden stecken die Rohbauten des Südabzweigs südlich des Ettlinger Tors. Da sie in offener Grube entstehen, fehlt ihnen auch – abgesehen von der Rampe an der Augartenstraße – noch der Deckel. Weiter hinken noch im Stadium des Ausbaggerns – momentan noch gleich auf – die Stationen Europaplatz, Lammstraße und Kronenplatz hinterher. Gleiches gilt für das unterirdische Gleisdreieck Marktplatz-Nord. Und dann fehlen da noch die Zwischenebenen in allen Haltestellen und der Betonsockel für das Doppelgleis im ganzen Tunnel. Also insgesamt noch ein gewaltiges Betonprogramm, für dessen Umsetzung leicht mindestens das Jahr 2017 verstreicht.

Was kommt nach dem Rohbau?

Der riesige Katalog der Installationen kann hier nur angeblättert werden: Zunächst müssen 3,5 Kilometer Doppelgleis verlegt werden. Dann geht es um die Oberleitung und die Signale. Überhaupt benötigt die U-Strab eine Menge technischer Installationen – etwa für den Brandschutz, für das Informationssystem oder die ganz spezielle Beleuchtung der Haltestellen. Zudem müssen die Bahnsteige gebaut und die Stationswände verkleidet werden. Gleiches gilt für die Treppen. Zudem gibt es Fahrstühle und Rolltreppen.

Wie läuft die Andienung beim Innenausbau?

Die Kasig strebt an, dass die Transporte dann durch die Tunnelportale an den Rampen abgewickelt werden. Die Luken auf den Plätzen, durch die derzeit die Langarmbagger den Erdaushub zu Tage fördern, sollen dann geschlossen sein.

Kann nach dem Innenausbau die U-Strab-Fahrt beginnen?

So schnell geht das nicht. Dann muss das Fahren im Straba-Tunnel ausgiebig getestet werden. Außerdem ist die behördliche Freigabe zu erlangen.