Pia Zimmermann
Die IT-Expertin und Autorin Pia Zimmermann hat sich dafür entschieden, kein Smartphone mehr zu benutzen. | Foto: pr

Neues Buch einer IT-Expertin

„Generation Smartphone“ im Fokus

Die Tatsache, dass die gebürtige Rastatterin Pia Zimmermann kein Smartphone mehr besitzt, macht sie in den Augen vieler zur Exotin. Dabei ist die Mutter zweier Kinder eigentlich ziemlich technikaffin: Sie studierte Maschinenbau, war mehr als 15 Jahre bei namhaften IT-Unternehmen tätig und forschte und lehrte zu Digitalem Lernen und Game Design in Deutschland, der Schweiz und in den USA. Jetzt hat sie ein Buch geschrieben: „Generation Smartphone“ heißt es, eine Art Wegweiser durch die digitale Welt. Im Gespräch mit BNN-Redakteurin Susanne Garcia Beier erklärte Zimmermann, warum sich eine IT-Expertin wieder ein Mobiltelefon mit richtigen Tasten zulegt, und wie sie persönlich mit der digitalen Welt versucht, zurecht zu kommen.

Frau Zimmermann, Sie benutzen wirklich kein Smartphone mehr?! Warum das denn?

Zimmermann: Weil ich für mich selbst erkannt habe, dass ich da in eine Art Sog hineingerate. Ich kann mich von der Vielfalt der digitalen Möglichkeiten nicht abgrenzen – und das verursacht für mich Stress.

Aber wie geht das denn zusammen – eine Frau wie Sie, die ja auch beruflich in der digitalen Welt Zuhause ist?

Zimmermann: Das geht sehr gut zusammen. Im Job geht es darum, dass ich eben zu bestimmten Zeiten zuverlässig erreichbar bin. Das kann ich auch ohne Smartphone gewährleisten.

Sie haben zwei Kinder – Teenager. Kann man sich heutzutage als Mutter von Halbwüchsigen wirklich hinstellen und sagen: Smartphone mag ich nicht?

Zimmermann: Kann man. Mal ein Vergleich: Nur, weil meine kleinen Kinder mit Lego spielen, muss ich nicht auch mit Lego spielen. Aber ich kann dabei sein, ich kann Hinweise geben, einen sicheren Rahmen schaffen. So ist das auch mit dem Smartphone. Das ist auch mit ein Grund, warum ich das Buch geschrieben habe.

Um Eltern Mut zu machen, sich mit dem Thema zu befassen?

Zimmermann: Genau. Es ist wichtig, sich auszukennen. Es ist doch nicht möglich, den eigenen Kindern gegenüber glaubhaft etwas zu reglementieren, wenn man selbst keine Ahnung hat. Mit Teenagern wird gerangelt und diskutiert, als Eltern tut man gut daran, sich mit der Materie auseinanderzusetzen.

Was heißt „reglementieren“?

Zimmermann (lacht): Also wenn es nach mir ginge, hätten meine Kinder erst mit 18 ein Smartphone bekommen. Weil meine Tochter nun aber schon in der fünften Klasse ein abgelegtes von ihrer Freundin bekommen hat, habe ich mir gedacht: Okay, dann vielleicht besser so – in diesem Alter kann ich noch auf mein Kind einwirken. Es gab zum Beispiel keine Flatrate, ins Internet ging es nur über den Router Zuhause. Oder es wurden nur bestimmte Apps herunter geladen.

Nun werden sich aber die wenigsten Teenager an die Vorgaben ihrer Eltern halten, oder?

Zimmermann: Man muss wirklich wachsam sein – speziell, wenn ein Kind eine Phase hat, in der es vielleicht exzessiv Spiele spielt. Wenn der Gebrauch des Handys oder des Computers überhandnimmt, muss man schon gegensteuern als Eltern, finde ich. Das, was man vorlebt, spielt denke ich eine sehr entscheidende Rolle.

Sie haben diesbezüglich ja mit dem Verzicht auf ein Smartphone da schon einen echten Pflock reingerammt. Aber was sagen Sie denn in Bezug auf das Smartphone ihrer Kinder – welche Hinweise geben Sie da?

Zimmermann: Zum Beispiel, dass man sich nicht zum Sklaven dieser neuen Möglichkeiten machen darf. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich finde es zum Beispiel super, wenn einer sagt: Hey, ich lerne heute mit meinem Klassenkamerad via Skype Vokabeln. Aber wenn man am Tag 300 Nachrichten über eine WhatsApp-Gruppe bekommt, dann sollte man sich freimachen von dem Gefühl, alles lesen oder kommentieren zu müssen. Oder gar noch zu glauben, man müsse auf eine Nachricht innerhalb von zehn Minuten antworten. Außerdem gibt es kaum noch Verbindlichkeit. Eine Verabredung zum Beispiel kann innerhalb von Sekunden via WhatsApp abgesagt werden.

… und der Nachrichtenschreiber kann durchaus kontrollieren, wann welche Nachricht gelesen wurde …

Zimmermann: Ja – und diese Sache mit dem gläsernen Menschen ist etwas, das den jungen Leute gar nicht als etwas bewusst ist, das einem Sorgen machen müsste. Muss es aber. Wer eine Ahnung von Informatik hat, geht meist sorgsamer mit seinen eigenen Daten um.

Heißt das, dass Sie der Meinung sind, dass an Schulen der Umgang mit der digitalen Welt thematisiert werden sollte?

Zimmermann: Unbedingt! Auch das war eine Intention für mein Buch – eine Anregung für Lehrer, die eine wichtige Rolle spielen im Vermitteln von Medienkompetenz – darunter fallen Themen wie Datensicherheit, Datenschutz, Urheberrechte, Identitätsklau, wie recherchiere ich richtig und vieles mehr.

Apropos Datenschutz: Sie heißen im wahren Leben eigentlich anders, Pia Zimmermann ist nur ein Pseudonym, unter dem ihr Buch veröffentlicht wurde. Warum das?

Zimmermann: Stichwort digitale Welt: Wenn man etwas googelt, dann ist die Erklärung meist aus dem Kontext gerissen. Ich möchte nicht, dass missverständliche Textauszüge mit meinem wirklichen Namen verbunden werden. Außerdem erwähne ich im Buch immer wieder meine Kinder, auch sie will ich schützen.