Schnelle Trainingserfolge  haben viele Freizeitsportler in Fitnessstudios im Sinn. Damit der Bizeps rascher wächst, nimmt mancher wohl auch zweifelhafte Substanzen zu sich. Die gesundheitlichen Langzeitfolgen können verheerend sein.
Schnelle Trainingserfolge haben viele Freizeitsportler in Fitnessstudios im Sinn. Damit der Bizeps rascher wächst, nimmt mancher wohl auch zweifelhafte Substanzen zu sich. Die gesundheitlichen Langzeitfolgen können verheerend sein. | Foto: Patrick Seeger

Umfrage im Raum Achern

Doping ist „ein gesellschaftliches Problem“

Schneller, höher, weiter: Mit schier unmenschlichen Leistungen haben die Olympioniken in Rio zwei Wochen lang für sportliche Glanzlichter gesorgt. In Zeiten staatlich organisierten Dopings allerdings steht der Fernsehzuschauer vor der Frage: Ist dieser Glanz echt – oder ist er in Laboren künstlich geschaffen worden? Spätestens mit dem Ausschluss der russischen Leichtathleten war das Thema Doping in aller Munde. Dabei ist es, wenn man Gunter Wolf glaubt, kein reines Phänomen des Profisports. „Auch Amateure betrügen“, ist der Organisator der Hanauerlandspiele vom SV Freistett überzeugt.
Für ihn ist Doping ein „gesellschaftliches Problem“: „Ob im Büro oder auf dem Sportplatz – heute geht es fast immer darum, noch mehr Leistung zu bringen.“

Es geht um Narzissmus

Wenn Freizeitsportler dopen, etwa vor Läufen oder um sich im Fitnessstudio wahnwitzige Muskelmassen anzutrainieren, gehe es „in erster Linie um Narzissmus“, sagt Wolf. Jeder wolle der Beste sein, manche auch mit unlauteren Mitteln. Kontrollen gibt es im Breitensport keine, wohl aber bei den Profis. Weil bei den Hanauerlandspielen auch olympische Größen wie die Speerwerferin Christina Obergföll aus Offenburg an den Start gehen, müssen Wolf und seine Kollegen stets einen Raum für Dopingproben einrichten. „Ob ein Prüfer kommt, wissen wir vorher nicht“, sagt Wolf. Profis werden in der Regel unangemeldet kontrolliert, müssen deshalb ihren Aufenthaltsort an die Nationale Anti Doping Agentur (Nada) durchgeben. Auch falls im Hanauerland Rekorde purzeln, wird eine Kontrolle notwendig: „Wer einen Bestwert aufstellt, muss noch am Wettkampftag ins Dopinglabor“, weiß Wolf.

Kontrollen sind teuer

Und das kann kosten. 500 Euro muss der Veranstalter für einen Urintest aufbringen, erklärt Ulrich Geis, der das Bühler Hochsprungmeeting organisiert. Da in der Zwetschgenstadt die Weltelite antritt, sind Dopingtests oft verpflichtend. Oft – aber nicht immer: „Die Vorgabe kommt schriftlich vom Deutschen Leichtathletikverband mit der Genehmigung der Veranstaltung“, sagt Geis. An der Wettkampfstätte finden die Tests in der Regel aber nicht statt, sondern am Wohnort des Athleten. Einen Dopingfall hatte man in Bühl nach seiner Auskunft noch nicht, Bedenken hingegen schon. „Bei den Russen habe ich Bauchschmerzen“, räumt Geis ein. Sie lade er daher nur in Einzelfällen ein. Ein ungutes Gefühl hat Geis auch bei Olympia: „Bei der Siegerehrung frage ich mich immer, wer von denen noch erwischt wird.“
Die Frage könnte auch lauten: Werden Dopingsünder überhaupt entlarvt? Denn zwischen ihnen und den Kontrolleuren ist längst ein Hase-und-Igel-Spiel entbrannt. „Die Labore arbeiten immer besser und professioneller“, sagt Ulrich Hoffmann, Sportmediziner am Ortenau Klinikum in Achern. So würden etwa immer wieder neue Varianten von Epo entwickelt, einem Dopingmittel, das schon in den Neunzigern bei Ausdauersportlern in Mode kam. Und die lassen sich kaum nachweisen.

Mehr als Koffein und Kautabak

Ob Epo, Beta-Blocker zur Beruhigung (Schießsport) oder Anabolika im Kraftsport – die pharmazeutische Palette zur Leistungssteigerung ist breit. Cortison setzt die Schmerzgrenze hinauf, Captagon stimuliert das Nervensystem und Diuretika fördern die Urinausscheidung, wodurch eine Dopingeinnahme verschleiert werden kann. „Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Hoffmann und verweist auch auf ein legales Mittel, das nicht auf der Dopingliste steht: „Koffein und Kautabak“. Denn das Zusammenspiel aus stark konzentriertem Nikotin und Koffein könne sich auf den Körper leistungssteigernd auswirken.

„Gut ernähren, ausreichend schlafen“

Als Mediziner kam Hoffmann, heute Mannschaftsarzt des SV Oberachern, früher in der Handball- und Eishockey-Bundesliga, nur einmal mit dem Thema Doping in Berührung. Ein Ex-Fußballer, der ein Fitnessstudio eröffnen wollten, fragte ihn, ob er ihm Anabolika besorgen könne. „Den Kontakt zu ihm habe ich schnell abgebrochen“, sagt Hoffmann. Für Hobbysportler gelte: „Gut ernähren, ausreichend schlafen und trinken – das reicht völlig aus.“ Was Profis angehe, habe er sich schon bei dem naheliegenden Gedanken ertappt: „Warum Doping nicht einfach legalisieren? Dann wäre das Thema endlich vom Tisch.“ Eine ernsthafte Option, das betont Hoffmann ausdrücklich, sei dies aber natürlich nicht. Zu schwerwiegend seien die gesundheitlichen Langzeitfolgen von Doping, das Leber, Nieren und Herz massiv angreifen könne. Hoffmann: „Ich hoffe auf die Ehrlichkeit der Sportler. Aber wenn ein 10000-Meter-Läufer seine alte Bestzeit um 14 Sekunden unterbietet, kommen Zweifel auf.“