Schirtt in den Ruhestand: Gestern um 18 Uhr endete für Jürgen Kurz nach 38 Jahren seine Zeit als Rathauschef von Niefern-Öschelbronn.
Schirtt in den Ruhestand: Gestern um 18 Uhr endete für Jürgen Kurz nach 38 Jahren seine Zeit als Rathauschef von Niefern-Öschelbronn. | Foto: Ochs

Bürgermeister Kurz hört auf

„Durchgezogen bis zum letzten Tag“

Niefern-Öschelbronn. „Es ist ein Arbeitstag wie jeder andere“, sagt Jürgen Kurz über seinen letzten Tag als Bürgermeister von Niefern-Öschelbronn. Dann greift er zu den Archivfotos, die der Pforzheimer Kurier zum Gespräch ins Rathaus mitgebracht hat: Die Bilder zeigen den 30-jährigen Jürgen Kurz bei seiner Amtseinführung im Februar 1978, bei der Vertragsunterzeichnung, mit der die Gemeinde die TSG Niefern 1991 nach dem Hallenbrand unterstützt hat und bei der Einweihung der Verbindungsstraße nach Kieselbronn 1983. „Das war einer der tollsten Momente, die erste große Sternstunde“, schwärmt Kurz und beginnt in Erinnerungen zu schwelgen.

Sternstunde: Mit Scheren eröffneten Landrat Heinz Reichert (von links), Regierungspräsident Trudpert Müller und Bürgermeister Jürgen Kurz im September 1983 die Gemeindeverbindungsstraße von Niefern nach Kieselbronn.
Sternstunde: Mit Scheren eröffneten Landrat Heinz Reichert (von links), Regierungspräsident Trudpert Müller und Bürgermeister Jürgen Kurz im September 1983 die Gemeindeverbindungsstraße von Niefern nach Kieselbronn. | Foto: PK-Archiv

Die Einweihungsfeier, bei der der junge Bürgermeister Seite an Seite mit dem damaligen Regierungspräsidenten Trudpert Müller und Landrat Heinz Reichert mit Scheren das symbolische Band durchgeschnitten haben, sei schön gewesen, weil die Verbindungsstraße so wichtig für die Gemeinde ist – unter anderem wegen des Schülerverkehrs.

Gemischte Gefühle am letzten Arbeitstag

Trotz der Wehmut am letzten Arbeitstag und trotz der gemischten Gefühle angesichts des Abschieds vom Rathaus überwiege die Freude, sagt Kurz und nennt als Grund erfolgreiche Projekte wie den Bau der Steighalle und der Kirnbachhalle. Außerdem die verbesserte Autobahnplanung, den Beschluss zum Bau eines privaten Altenheims in Niefern oder den Hochwasserschutz. Dass dieser schleunigst angepackt werden musste, wusste Kurz schon kurz nach seinem Amtsantritt Anfang 1978, als die Schule in der Bischwiese überschwemmt worden war. Die Beseitigung des Wehrkanals in den 90er-Jahren als eine der Schutzmaßnahmen führte jedoch zu einigen Diskussionen, dennoch ist Kurz überzeugt, dass die wichtigen Maßnahmen ein Grund dafür waren, warum Niefern beim Hochwasser 2013 nicht ganz so stark betroffen war.

Projekte auf den Weg gebracht

Unerledigtes wird Kurz seiner Nachfolgerin Birgit Förster, die in dieser Woche zwei Tage zur Übergabe im Rathaus verbracht hat, nicht hinterlassen. Aktuelle Themen und Projekte seien fertig oder zumindest auf den Weg gebracht. Etwa die Verlegung der Autobahnraststätte, die Breitbandversorgung oder Anschlussunterbringung der Flüchtlinge. „Ich habe mit nichts zu hadern. Das heißt aber auch, dass ich nicht wunschlos glücklich bin“, räumt der 68-Jährige ein. Dennoch werde er das Rathaus mit der Gewissheit verlassen, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern, dem Gemeinderat und der Bürgerschaft „das Schiff Gemeinde auf einen guten Kurs gebracht und gehalten“ zu haben – „egal ob der Wind aus Karlsruhe, Stuttgart, Berlin oder im Binnengewässer Niefern-Öschelbronn geweht hat“. Seine Mitarbeiter im Rathaus werden ihm ganz besonders fehlen, gesteht Kurz, der an seinem letzten Arbeitstag mittags mit Mitarbeitern vom Bauhof und der technischen Dienste essen ging, zuvor von Kindern auf dem Marktplatz feierlich verabschiedet wurde und einen Vertrag zum Kauf eines Elektro-Autos unterschrieben hat. Um 18 Uhr war nach mehr als 38 Jahren im Amt offiziell Schluss. Abends stand vor allem Entspannung mit Wein und Saunieren auf dem Programm.

Kurz bleibt der Lokalpoltik erhalten

Der heutige erste Tag im Ruhestand sei eine „Weggabelung“ , sagt Kurz. Der Lokalpolitik bleibt er aber erhalten – als Kreisrat und als Verbandsvorsitzender des Regionalverbands Nordschwarzwald. Weitere vier Jahre will er zudem noch als Vorsitzender der Bürgermeistervereinigung Enzkreis weitermachen. Kurz freut sich auch, dass er künftig mehr Zeit für Privates hat. Am heutigen Freitag schlägt der Tennisfan, der für den TC Wolfsberg in der ersten Regionalliga spielt, in Baden-Baden auf. „Ich hab durchgezogen bis zum letzten Tag“, fasst Kurz seine Amtszeit zusammen und vergleicht sie mit seiner Leidenschaft für den Sport. Kampfgeist, Fairness, Ausdauer, eine gute Physis und Stehvermögen seien in beiden Bereichen wichtig. Gute Nerven seien auch nicht verkehrt; die habe er bei langwierigen Themen oft gebraucht – etwa dem geplanten Autobahnausbau in der Enztalsenke. Der Ausbau soll Ende 2018 beginnen und wird sicherlich eine Aufgabe sein, die die neue Bürgermeisterin Birgit Förster beschäftigt.