Durchwachsene Bilanz: Die Landwirte in der Ortenau sehen in diesem Jahr mehr Schatten als Licht bei der Obsternte in der Region.
Durchwachsene Bilanz: Die Landwirte in der Ortenau sehen in diesem Jahr mehr Schatten als Licht bei der Obsternte in der Region. | Foto: Ingo Wagner

"Schaltjahr ist Kaltjahr"

Durchwachsene Obsternte in der Ortenau

Von Christine Storck

Starkregen, Hitze, Hagel – die Ortenauer Obstbauern haben eine durchwachsene Zeit hinter sich. Entsprechend fällt eine erste Zwischenbilanz für 2016 aus: „Bisher kein zufriedenstellendes Jahr“, teilen das Amt für Landwirtschaft und der Obstgroßmarkt Mittelbaden (OGM) unisono auf Anfrage mit. Ob die nächsten Monate das Ruder bei der Obsternte noch rumreißen können, bleibe fraglich. Dieser Sommer hatte in Sachen Wetterkapriolen bisher einiges zu bieten, zum Leidwesen der Ortenauer Obstbauern. „Der Spruch ,Schaltjahr ist Kaltjahr’ scheint zu stimmen. Trockene, heiße Jahre sind uns lieber“, meint OGM-Sprecher Manuel Blechinger im Gespräch mit dieser Zeitung. Dann seien Qualität und Haltbarkeit besser.
Schon die Erdbeerernte sei verspätet gestartet – und diese Tendenz habe sich seither durchgezogen. Viele Betriebe sind auf die Einnahmen aus dieser Kultur angewiesen, hätten aber teilweise mehr als 40 Prozent Ausfälle gehabt, ergänzt Hans-Dieter Beuschlein vom Amt für Landwirtschaft des Kreises. Auch die Haltbarkeit der Früchte sei nicht so gut wie sonst gewesen.

Kirschessigfliege gut im Griff

Bei der Kirsche war es je nach Sorte ebenfalls nicht viel besser – die späteren hätten ausgerechnet in der kühlen Phase geblüht, was der Befruchtung nicht zuträglich war. Die Kirschessigfliege habe man durch Behandlungen im Juni und Juli allerdings gut im Griff gehabt, so dass es deshalb nicht zu größeren Ausfällen gekommen sei, so Beuschlein. Doch das Obstjahr ist natürlich längst noch nicht beendet.
Die Zwetschgenernte laufe noch bis etwa Mitte September. Laut OGM haben die Bauern bisher etwa die Hälfte der prognostizierten Menge eingefahren – rund 2 600 Tonnen. Die Früchte hätten allerdings vor allem durch die zahlreichen Hagelschauer gelitten, besonders in Achern, Renchen, aber auch im Kinzigtal. Das Resultat: Das Obst bleibt zwar hängen, ist aber oft vernarbt und dann keine Tafelware mehr. „Zwetschgen sind ohnehin nicht so hochpreisig“, bedauert Hans-Dieter Beuschlein.

Ausfälle bei der Obsternte

Noch nicht beendet ist ebenfalls die Beerensaison, doch auch hier gebe es Ausfälle durch den Hagel. „Wir hoffen auf eine gute Apfelernte“, bleibt Manuel Blechinger jedoch optimistisch. Erste Sommersorten werden bereits eingeholt, die Ernte der Hauptsorten starte dann Mitte August. Der Fruchtansatz ist in Summe gut, auch wenn es hier und da durch die Hagelschauer im Frühsommer einige Schäden gegeben hat.

Prognose ist schwierig

„Dort, wo die Bäume unter Netzen stehen, kann es noch etwas werden“, sagt Hans-Dieter Beuschlein. Durch die Nässe im April und Mai waren Behandlungen gegen Schorf nötig – das habe zu höherer Arbeitsbelastung geführt und schmälere die Bilanz zusätzlich. „Es ist halt alles abhängig von der Witterung“, so der Pflanzenschutzberater. Der tropische Hitzestress des vergangenen Jahres stecke den Pflanzen auch noch in den Blättern und wirke sich teilweise aus. Ob die zweite Jahreshälfte ausreicht, um die Obstbilanz für die Ortenau zur Zufriedenheit aller ins Positive zu kehren, bleibt abzuwarten.
Darin sind sich der Oberkircher Obstgroßmarkt und das Landratsamt einig: „Prognosen sind schwierig. Ob das, was noch kommt, alles drehen kann, lässt sich derzeit nicht sagen“, so der einhellige Tenor.