Auf mehr Bürgerbeteiligung setzt man im Rathaus Linkenheim-Hochstetten  bei wichtigen Themen wie „Waldleitbild“ oder dem Pilotprojekt „Gut leben im Alter“.
Auf mehr Bürgerbeteiligung setzt man im Rathaus Linkenheim-Hochstetten bei wichtigen Themen wie „Waldleitbild“ oder dem Pilotprojekt „Gut leben im Alter“. | Foto: Katja Stieb

(Neue) Bürgermeister im Landkreis Karlsruhe

Ein gefragter Job?

Am Sonntag, 19. Juni,  sind es in Kronau sechs, am Sonntag darauf in Graben-Neudorf gleich sieben Menschen, die Bürgermeister werden wollen. Rathauschef in einer Gemeinde des Landkreises Karlsruhe. So viel Andrang ist ungewöhnlich, denn bei den zurückliegenden Wahlen war die Zahl der Kandidaten deutlich geringer. Im Februar 2015 in Linkenheim-Hochstetten wollten nur vier Bewerber ernsthaft die Nachfolge von Günther Johs antreten, im Oktober 2015 war Sabrina Eisele in Marxzell außer einem „Nein“-Sager gar die einzig ernsthafte Kandidatin. Dabei ist Bürgermeister nicht nur ein angesehener, sondern auch recht ordentlich bezahlter Job. Daher bewarben sich auch in der kleinen Kraichgaugemeinde Kürnbach fünf Personen um die Nachfolge des 32 Jahre regierenden Karl-Heinz Hauser. Und in allen  diesen Fällen ging und geht es immer um Neuwahlen, zu deutsch: Der Amtsinhaber trat nicht mehr an.

Warum bewerben sich im einen Ort viele, im anderen wenige Kandidaten? Bei einer richtigen Neuwahl, wenn also der Amtsinhaber nicht mehr antritt, ist die Ausgangslage doch für alle gleichermaßen günstig. Der Rektor der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl, Professor Paul Witt, hat dafür keine belastbare Erklärung. In der Tat gebe es zwar zwar große Unterschiede bei der Bewerberzahl, insgesamt aber sei die Zahl der Interessenten an einem Bürgermeisteramt nicht rückläufig.

Fachwissen und Kommunikationsfähigkeit

Der Wissenschaftler macht deutlich, dass ein Bürgermeister im wesentlichen zwei Dinge mitbringen muss: Fachkenntnis in der Verwaltungsarbeit und Kommunikationsfähigkeit. Gerade letztere sei viel stärker als früher gefordert, weil die Bürger viele Sachverhalte genauer hinterfragen. Kommunikation bedeute aber auch „bei den Leuten sein“.

Professor Paul Witt ist Rektor der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl.
Professor Paul Witt ist Rektor der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl. | Foto: pr

Zu deutsch: Der Besuch von Faschingsveranstaltungen und Chorjubiläen gehört zum Amt dazu. Professor Witt zufolge hat eine noch frische Studie ergeben, dass in der ganz überwiegenden Zahl der Fälle Bewerber vom Ort selbst nicht gewählt werden. Aber es gelte auch: „Ausnahmen bestätigen die Regel.“ Im übrigen sieht Witt Frauen auf dem Vormarsch. Das zeige sich auch am Frauenanteil bei den Studierenden an der Hochschule in Kehl: 72 Prozent sind weiblich.

Amtsinhaber – keine Garantie zur Wiederwahl

Und dann gibt es ja noch die andere Situation: Amtsinhaber bewirbt sich erneut. Das kann glatt laufen, wie sich 2015 etwa bei Klaus Demal in Stutensee ergeben hat. Der hatte eine letztlich chancenlose Herausforderin von „Die Partei“. Auch Walter Heiler (SPD) in Waghäusel konnte problemlos „verlängern“, hatte allerdings mit Jimmy Jüttner von der CDU einen echten Herausforderer. Den – besser gesagt: die Herausforderin – hatte auch Lothar Hillenbrand in Dettenheim. Der hätte gerne nach zwei Amtsperioden eine dritte angehängt, musste allerdings nach zwei Wahlgängen erkennen, dass die Menschen am Ort eine Erneuerung wollten. Sie wählten Ute Göbelbecker ins Rathaus. Hillenbrands Schicksal teilten in der Vergangenheit auch andere. Alex Huber (Forst) wollte eine fünfte Amtszeit und scheiterte ebenso wie Josef Offele als Oberbürgermeister von Ettlingen beim Sprung in eine dritte.

Zwei Wahlen an den nächsten beiden Sonntagen

Für die beiden kommenden Sonntage ist die Sachlage klar. Insgesamt sind es 13 Personen, die in Kronau und Graben-Neudorf auf den Chefsessel wollen. Richtige Favoriten sind nicht erkennbar, weshalb Kommunalfachleute für beide Wahlen von einem zweiten Durchgang zwei Wochen später ausgehen.