DIE DEUTSCHE POLIZEIDELEGATION mit Timo Gretz (Dritter von rechts) wird von Duisburg aus koordiniert. Dort ist die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze angesiedelt.	Foto: dpa
DIE DEUTSCHE POLIZEIDELEGATION mit Timo Gretz (Dritter von rechts) wird von Duisburg aus koordiniert. Dort ist die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze angesiedelt. Foto: dpa

Bei der EM sind Timo Gretz’ Kenntnisse der deutschen Fanszene gefragt

Einsatz auf europäischer Ebene

Timo Gretz meldet sich mit einem fröhlichen „Guten Morgen“. Gewiss, die zweite Tageshälfte ist bereits angebrochen, doch für Gretz ist der Tag noch jung, war er doch erst am sehr frühen Morgen ins Bett gekommen. Nach dem Europameisterschaftsauftakt der deutschen Mannschaft in Lille war er noch viele Stunden im Einsatz gewesen: Der 40-jährige Polizeioberkommissar aus Altschweier gehört zu einer kleinen deutschen Polizeidelegation, die während der EM die französischen Kollegen unterstützt.
Koordiniert von der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze beim nordrhein-westfälischen Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg, sind bis zu zwölf deutsche Polizisten in Frankreich im Einsatz. Sie helfen den französischen Sicherheitsbehörden bei der Verhinderung gewalttätiger Auseinandersetzungen, indem erkannte potenzielle Gewalttäter aus der Anonymität geholt werden. Damit dies gelingen kann, braucht es „szenekundige Beamte“ – und Timo Gretz ist einer von ihnen.
Beim Polizeipräsidium Karlsruhe ist er seit Ende 2012 Teil eines Teams, das sich nicht nur mit allen Straftaten rund um den Fußball befasst, sondern auch präventiv tätig ist. „Wir sind in Zivil unterwegs und klären auf, wo Problemfans unterwegs sind. Das melden wir dann unseren uniformierten Kollegen. Vor Auswärtsspielen beantworten wir auch Anfragen von den Kollegen aus den jeweiligen Spielorten.“ Bei jedem KSC-Spiel, ob im Wildpark oder auswärts, ist Gretz dabei; dass sein Fußballherz für den KSC schlägt, ist zumindest kein Nachteil.
So kam Gretz’ Name auf eine Liste des Landes Baden-Württemberg mit möglichen Kandidaten für den Polizeieinsatz in Frankreich. „Glücklicherweise“ sei er am Ende auch auserkoren worden. Seit die Entscheidung vor sechs Wochen gefallen ist, hat sich Gretz auf seinen ganz speziellen Sommer im Nachbarland vorbereitet. Im Deutsch-Französischen Sprachzentrum der Polizei in Lahr vertiefte er seine Sprachkenntnisse, in Neuss wurde die Gruppe an einem Wochenende mit Blick auf Besonderheiten des Gastgeberlandes geschult.
Seit Montag vergangener Woche ist Gretz in Frankreich, wo die Gruppe in Paris stationiert ist. Bereits am Freitag ging es mit dem TGV nach Lille, wo die deutsche Nationalmannschaft am Sonntag gegen die Ukraine antrat. „Wir wollen uns vor den Spielen mit den örtlichen Verhältnissen vertraut machen“, erklärt Gretz. In der Stadt ist er stets mit einem französischen Kollegen unterwegs. Wird ein gewaltbereiter deutscher Fan identifiziert, wird er „offensiv angesprochen“, er soll wissen, dass ihn die deutsche Polizei erkannt hat. Deeskalierend soll die Anwesenheit der deutschen Polizisten sein; kommt es zu einem Ernstfall, greifen die französischen Kollegen ein. Gleichwohl dürfen die deutschen Beamten eine Waffe tragen – allerdings nur zum Eigenschutz. Gretz und seine Kollegen sind aber auch Ansprechpartner für deutsche Fans, die Infos oder Hilfe benötigen.

Wenn das Spiel erst mal läuft, kann sich Gretz auch auf das Geschehen auf dem Rasen konzentrieren, da es dann rund ums Stadion meist ruhig ist. Das Stade Pierre Mauroy in Lille hat es ihm, der schon zahlreiche Spielstätten gesehen hat, angetan: „Es ist ein tolles, modernes Stadion.“ Eine EM sei ein besonderes Erlebnis. Am Donnerstag geht es für Gretz in Paris weiter, wenn Deutschland auf Polen trifft; die Einheit wird dann mit weiteren szenekundigen Beamten verstärkt.
Wie lange Gretz in Frankreich bleibt, steht in den Fußball-Sternen. Zwei Tage, nachdem für das deutsche Team das Turnier beendet ist, geht es zurück nach Deutschland. Wann das sein wird? „Am liebsten am 12. Juli“, lacht Gretz – zwei Tage vorher steigt im Stade de France in Saint Denis das Endspiel, und wenn die DFB-Elf dabei ist, wird es für Timo Gretz wieder eine lange Nacht werden.