Neue Großkunden: Stromabsatz gesteigert

Elektrizitätswerk trotzt dem Branchentrend

Von Helmut Seller

Das E-Werk Mittelbaden (EWM) hat 2015 zum dritten Mal in Folge und gegen den Branchentrend den Stromabsatz gesteigert. Möglich wurde dies vor allem durch die Gewinnung von Großkunden außerhalb des eigenen Netzgebiets. Bei einem Jahresüberschuss von 12,3 Millionen Euro können die 29 beteiligten Kommunen wieder mit einer Ausschüttung auf Vorjahresniveau rechnen.
Bei der Wasserkraftnutzung bleibt die Ausbeute der drei Kinzig-Kraftwerke weiter deutlich unter den Erwartungen zurück. Schuld ist nicht nur ein extrem trockenes zweites Halbjahr 2015, schuld ist auch das nach wie vor ungelöste Problem mit Kiesablagerungen unterhalb der Turbinen, die die Fallhöhe des Wassers verringern. Noch immer liegt das E-Werk mit den Naturschutzbehörden im Clinch um eine Verlagerung der als ökologisch wertvoll eingestuften Kiesberge. „Da geben wir auch nicht auf – die Diskussion ist zu schön“, sagt E-Werk-Chef Ulrich Kleine. Erfreulich dagegen ist die Entwicklung bei der Windkraftnutzung, für die das E-Werk bekanntlich auf der Prechtaler Schanze mehrere Anlagen betreibt und baut. Die Erzeugung liegt seit der Inbetriebnahme im vergangenen Oktober 28 Prozent über Plan, und auch die der Januar und Februar 2016 waren außerordentlich gute Windmonate.
„Wir haben vor, den Standort auszubauen und weitere zu finden“, sagte OB Edith Schreiner, die nach zwei Jahren an der Spitze des E-Werks-Aufsichtsrates das Amt turnusgemäß wieder an ihren Lahrer Kollegen Wolfgang G. Müller abgibt. Doch auch beim Windradbau gibt es Einschränkungen durch den Naturschutz: Weil sie in einem „Auerhahn-Bruterwartungsgebiet“ liegt, müssen die Arbeiten an der sechsten Windenergieanlage bis Juli pausieren. Inklusive Fotovoltaik und Biomasse kann das EWM durch die im Netzgebiet erzeugte Menge an regenerativen Energien von 45 Millionen Kilowattstunden (Vorjahr: 26,5) zu 92 Prozent den Strombedarf der Haushaltskunden decken. Stark ausbaufähig ist aber der Anteil an sauberem Strom beim Blick auf den Gesamtbedarf: Mit 15 Prozent Anteil der Erneuerbaren Energien ist erst die Hälfte des Bundesniveaus erreicht. Doch soll hier die Windkraft einen weiteren Schub bringen, wenn sich alle sechs Räder auf der Prechtaler Schanze drehen.
Wirtschaftlich hat sich das E-Werk im harten Stromwettbewerb erneut behauptet: „Wir stehen trotz schwieriger Rahmenbedingungen wirklich gut da“, so Schreiner. Die Vertriebsmenge stieg um 8,4 Prozent auf 1,3 Millionen Megawattstunden, auch weil Großkunden außerhalb des eigenen Netzgebiets gewonnen werden konnten, etwa der Baden-Airpark. Die Bilanzsumme kletterte um 8,6 Prozent auf 276 Millionen Euro. Vorstandschef Kleine ist zuversichtlich, dass der Jahresüberschuss von 12, 3 Millionen Euro auch im laufenden Jahr erzielt werden kann.