KRISENMANAGER: Früher war das Großkundengeschäft für die EnBW auch eine Prestigefrage. Jetzt hat das Management mit
EnBW-Chef Frank Mastiaux den Rückzug von diesem nicht mehr profitablen Segment beschlossen.
KRISENMANAGER: Früher war das Großkundengeschäft für die EnBW auch eine Prestigefrage. Jetzt hat das Management mit EnBW-Chef Frank Mastiaux den Rückzug von diesem nicht mehr profitablen Segment beschlossen. | Foto: dpa

Karlsruher Konzern kürzt

EnBW: Nicht mit der Rasenmäher-Methode

Von unserem Redaktionsmitglied
Dirk Neubauer
Der Karlsruher Energiekonzern EnBW zieht sich aus dem Großkundengeschäft zurück – das ist die auffallendste Entscheidung zum neuen Sparkurs, den EnBW-Chef Frank Mastiaux und sein Finanzvorstand Thomas Kusterer jetzt publik machten. Denn bislang galt es auch als eine Prestigefrage, möglichst viele bedeutende Konzerne mit Strom und Gas zu beliefern.
Der drittgrößte deutsche Energieversorger steht mehr denn je unter Druck – Stichworte sind rückläufige Stromhandelspreise, weitere Kernenergie-Belastungen und der verschärfte Wettbewerb. Bereits auf der Hauptversammlung im Mai hatte Mastiaux daher angekündigt, den Sparkurs zu verschärfen. Jetzt liefert er. Bis 2015 wurden 750 Millionen Euro Ersparnis im Zuge des Sanierungsprogramms „Fokus“ erzielt. Weitere Maßnahmen sollen ursprünglich bis 2020 zusätzlich 400 Millionen Euro bringen. Jetzt satteln die Konzern-Strategen nochmals 250 Millionen Euro drauf. Erste konkrete Entscheidungen zum Sparkurs habe man jetzt getroffen. Die EnBW werde „nicht mit dem Rasenmäher vorgehen“, kündigte Mastiaux an. Ein Überblick über die Pläne:
Großkunden
Das Geschäft beispielsweise mit Industriekunden und Weiterverteilern ist laut Kusterer nicht mehr wirtschaftlich. Dort ist der Wettbewerb besonders heftig. Der Umsatz in diesem Segment lag 2015 bei etwa 2,5 Milliarden Euro. Man werde die laufenden oder bereits abgeschlossenen Verträge mit 10 000 Großkunden aber erfüllen. Von dem Rückzug sind 400 Mitarbeiter betroffen. Die EnBW will sie abfinden oder an anderer Stelle im Konzern einsetzen. Betriebsbedingte Kündigungen werde es auf jeden Fall nicht geben.
Privatkunden
Auch hier sehen die EnBW-Strategen Handlungsbedarf. Der Wettbewerb wird härter; neue Akteure treten auf den Plan. Mastiaux: „Um an die Spitze des Wettbewerbs zu gelangen, werden wir an unserer Effizienz arbeiten und neue Produkte schneller kommerziell erfolgreich entwickeln.“ Das kundennahe Geschäft will das EnBW-Manager auch wirtschaftlicher machen, indem man künftig mehr digitale Technologien einsetzt.
Erzeugung und Handel
Die EnBW hat bereits ihren konventionellen Kraftwerks-Park verkleinert, insgesamt rund 1 700 Megawatt abgebaut. Doch die Preise an der Strombörse sinken weiter. Daher führt laut Finanzvorstand Kusterer „an erneuten Maßnahmen kein Weg vorbei“. Präziser wird er noch nicht. Es bleibe aber bei der Versorgungssicherheit für den Südwesten.
Administration
Kusterer lässt keinen Zweifel daran, dass die oben genannten Maßnahmen auch Auswirkungen auf die Verwaltung haben werden. Auch sie soll effizienter werden. Von der EnBW-Pressestelle hieß es, dass „weitere Personalmaßnahmen“ nötig würden, um das 250-Millionen-Euro-Ziel zu erreichen. Im vergangenen Jahr hat der Konzern 20 288 (2014: 20 092) Mitarbeiter beschäftigt.
Auch in der EnBW-Zentrale in Karlsruhe rücken die Mitarbeiter enger zusammen. So manches EnBW-Büro außerhalb wird aufgelöst, so dass die dortigen Mitarbeiter in Großraumbüros der Zentrale einziehen.
Die EnBW hat 2015 unter dem Strich einen Gewinn von 125 Millionen Euro erzielt – dies lag freilich aber auch an Erlösen durch Wertpapierverkäufe. Der Konzern ist fast komplett in öffentlicher Hand.