Schlosskirche in Rastatt

Endspurt bei der Sanierung

Noch vor den Sommerferien 2017 soll es endlich so weit sein: 300 Jahre nach der Weihe der Schmerzhaften Muttergotteskapelle im Sibyllenbau am 6. Juni 1717 soll die angrenzende Schlosskirche nach der umfassenden Sicherung und Instandsetzung wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das dank seiner kostbaren Innenausstattung einzigartige Monument der Frömmigkeit Sibylla Augustas wird dann seit der Schließung 1995 auch wieder für tägliche Führungen geöffnet.
Beim Umbau wurde auf den behindertengerechten Zugang Wert gelegt, so Eckhard Salzwedel, Leiter der Außenstelle Baden-Baden des staatlichen Vermögens- und Bauamts Pforzheim. Ein angeschrägter Belag führt deshalb über einen neuen Sandsteinsockel in die ehemalige Schmerzhafte Muttergotteskapelle, die in den vergangenen Monaten hergerichtet wurde: Wo früher Maria Viktoria, die Gemahlin des letzten Markgrafen August Georg ihre privaten Gebete verrichtete, später ein Zwischenboden eingezogen und Kohlen gelagert wurden, sollen ab dem Sommer 2017 die Besucher der Führungen eingestimmt werden.
Einige Sandsteinplatten auf dem Boden wurden ausgetauscht, die Wände sauber verputzt und die restlichen Stuckarbeiten gesäubert – „wir haben das bewusst so gelassen“, erklärt Salzwedel gestern beim Presserundgang. Um in der Schlosskirche die empfindlichen Textilien und Alabasterarbeiten zu schützen, müssen die Besucher ihre (feuchte) Garderobe in einem Nebenraum ablegen. Wo früher der Altar der Kapelle stand, gibt heute eine Tür den Blick frei auf die kaum sichtbare Rötelzeichnung einer Fantasiekirche mit einer Stuckarbeit, deren Bedeutung bis heute unklar ist. „Im Besucherzentrum soll die Frömmigkeit Sibylla Augustas thematisiert und die historische Stätte dargestellt werden“, berichtet Petra Pecha(c)ek, Konservatorin der Staatlichen Schlösser und Gärten. In den angrenzenden Räumen werden Teile des Kirchenschatzes, kostbare Reliquien oder die Strahlenmonstranz ausgestellt oder in einer beleuchteten Vitrine extra in Szene gesetzt. In einem geöffneten Sakristeischrank sollen an Bügeln zur Verdeutlichung liturgische Gewänder hängen – ob im Original, ist noch unklar. Eine geöffnete Tür soll den Blick auf die Sakristei freigeben, ehe man über vier Stufen die Schlosskirche erreicht – bei Bedarf gibt es auch dort eine mobile Rampe, so Salzwedel.

Mehr als 20 Jahre war die Kirche gesperrt

Im Innern der 1723 fertiggestellten Schlosskirche sind die erhaltenden Arbeiten weitgehend abgeschlossen: Am Montag werden auf der Orgelempore die hölzernen Pfeifen eingebaut, wie Bauleiterin Nicola Beier erklärt. Auch die indirekte Beleuchtung auf den Gesimsen fehlt noch. Bis zur Eröffnung soll der „Winterboden“, der für eine leichte Temperierung sorgen soll, verlegt werden. Exemplarisch werden einige der Kirchenbänke aufgestellt, um den Besuchern einen Eindruck zu vermitteln. Eingehüllt und vor Staub geschützt warten die restaurierten Gemälde von Heiligen auf die Wiedereröffnung in einem Jahr. Eine LED-Beleuchtung soll die Alabastersäulen von innen erstrahlen lassen. Vom Ruß gereinigt thront zwischenzeitlich die Figur des Gottvaters über dem Altar. Die Jesusfigur am Kreuz wirkt ohne die alte Ofenbronze-Farbe viel lebendiger, freut sich Salzwedel über die Ergebnisse der Restaurierungsarbeiten. Auf den umliegenden Altären sollen bis zum Frühjahr nächsten Jahres außerdem hölzerne und silberne Kerzenleuchter fertiggestellt, Betpulte und Kanontafeln wieder aufgestellt sowie die erhaltenen textilen Festbehänge wieder installiert werden. Im Rahmen von Sonderführungen ist außerdem die Heilige Stiege zu sehen, die noch fertiggestellt wird. Ein Pylon schützt derzeit noch ein Reliquienkästchen.
„Man muss sich wundern, wie viel in der Kirche erhalten blieb“, erinnert sich Nicola Beier an die vorbereitenden Arbeiten zur Begasung im Jahr 1995. Seitdem war die früher durchgehend geöffnete Kirche für die Öffentlichkeit gesperrt. 2,8 Millionen Euro hatten die Erhaltungsmaßnahmen für den ersten Bauabschnitt ab 2006 gekostet. Im zweiten Bauabschnitt ist man unter den veranschlagten 2,5 Millionen Euro geblieben, so Eckhard Salzwedel stolz: „Zum Glück haben wir keine bösen Überraschungen erlebt.“