In diesem Wohnbungalow neben einem Spielplatz in Grunbach wurde die Leiche der 33-Jährigen im April gefunden.
In diesem Wohnbungalow neben einem Spielplatz in Grunbach wurde die Leiche der 33-Jährigen im April gefunden. | Foto: Fix

Angeklagter gesteht Prügeltod

Engelsbrand: 33-Jährige ist innerlich verblutet

Der Griff zum Rollkragenpullover wurde in den letzten Monaten ihres Lebens zur Routine: Die 33-jährige Engelsbranderin, die wie berichtet in der Nacht zum 5. April in Grunbach getötet wurde, musste sich immer häufiger überlegen, wie sie die vielen blauen Flecken, die über ihren ganzen Körper verstreut waren, kaschieren konnte. Im Gesicht versuchte sie es mit Schminke, am Hals mit besagtem Pullover – und das auch bei größter Hitze. Das zumindest gaben einige der insgesamt elf Zeugen beim gestrigen Prozessauftakt am Karlsruher Landgericht zu Protokoll.

Frau stirbt an Abriss des Leberlappens

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Freund vor, die junge Frau zwischen 1 und 3 Uhr am 5. April mit den Fäusten geschlagen zu haben. Bei der Rangelei, die im Wohnzimmer des gemeinsamen Hauses in der Grunbacher Nagoldstraße begann und im Schlafzimmer endete, stieß der Angeklagte die Frau auf eine Kommode. Der Aufprall war wohl so heftig, dass die Diätassistin einen Abriss des Leberlappens erlitt. Dies führte zu tödlichen inneren Blutungen.

Kaputte Halskette führt zu Gewaltausbruch

Dem Gewaltausbruch waren gegenseitige Beschimpfungen und die Zerstörung der Halskette des Beschuldigten vorangegangen. Daraufhin sei der Angeklagte nach eigener Aussage wütend geworden und habe wild auf sie eingeschlagen, bis sie vor Schmerzen schreiend im Schlafzimmer auf dem Boden lag und sich kaum noch wehren konnte. Er habe gleich gemerkt, dass er zu weit gegangen ist, legte sie aufs Bett, holte Wasser aus der Küche, rauchte eine Zigarette auf dem Balkon. Als er nach 15 Minuten zurückkehrt, ist seine Freundin nicht mehr ansprechbar, sie atmet nicht mehr. Er legt sie vom Bett auf den Boden, versucht sie wiederzubeleben. „Warum haben Sie denn keinen Notarzt gerufen?“, will der Vorsitzende Richter Leonhard Schmidt vom Angeklagten wissen. „Ich konnte mir nicht erklären, was da passiert ist. Ich war im Schockzustand“, antwortet der Mann mit schulterlangem Haar und nach unten gerichtetem Blick.

Ich wollte nicht mehr weiterleben

Als ihm klar wird, dass seine Freundin tot ist, stand für ihn fest: „Ich wollte nicht mehr weiterleben. Wir haben uns geliebt.“ Zwischen 4 und 6 Uhr schickt er Nachrichten an Bekannte und fährt zu einem Freund, der ihn aber abblitzen lässt. Während draußen bereits die Sonne aufgeht, verfasst er zuhause einen Abschiedsbrief. Dann geht er ins Bad, greift zu einer Rasierklinge, schneidet sich die Pulsadern auf und legt sich zu seiner toten Freundin ins Bett, wo er – so sagt er aus – bewusstlos wird und nach einigen Stunden wieder aufwacht.

Selbstmordversuch schlug fehl

Mit der Einnahme mehrerer Tabletten und weiteren Schnitten an der Hand versucht er erneut, sein Leben zu beenden – ohne Erfolg. Was in den nächsten vier Tagen passiert, bleibt nebulös. Der Angeklagte gibt an, sich an nichts zu erinnern, er habe auch nichts mehr gegessen und getrunken. Am 9. April wird er von Rettungskräften ins Krankenhaus gebracht. Ein Bekannter des Angeklagten hatte die Polizei verständigt, weil er seltsame Whatsapp-Nachrichten von dem Grunbacher erhalten habe. Darin hatte der Beschuldigte seinen Selbstmordversuch angekündigt.