Im Visier der Polizei: Wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung wird gegen Andreas Fabrizius, den Gründer der Pforzheimer Bürgerwehr, ermittelt.
Im Visier der Polizei: Wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung wird gegen Andreas Fabrizius, den Gründer der Pforzheimer Bürgerwehr, ermittelt. | Foto: Weisenburger

Volksverhetzung auf Facebook?

Ermittlungsverfahren gegen Pforzheimer Bürgerwehr-Gründer

Andreas Fabrizius ist ein begehrter Mann. Immer wieder brüllt sein Handy „SMS vonn derrr Ostfrrront“. Offenbar gefällt ihm dieser ziemlich eigenwillige Serviceton, der ihn auf eingehende Kurznachrichten hinweisen soll. Doch nicht nur sein Freundeskreis interessiert sich für den 29-Jährigen. Auch die Polizei bemüht sich derzeit um Kontakt zu Fabrizius, der als Anmelder und Hauptredner der großen Demonstration russlandstämmiger Pforzheimer im Januar erstmals öffentlich in Erscheinung trat.

Kommentare „gegen Lesben und Schwule“

Anschließend gründete er auf dem Haidach eine Bürgerwehr, die sich derzeit aber nur noch zu „Sicherheits-Spaziergängen“ trifft. Gegen Fabrizius wird aktuell wegen Volksverhetzung ermittelt. Mit Nachrichten auf Facebook soll er den öffentlichen Frieden gefährdet haben. Die Polizei will ein solches Ermittlungsverfahren „weder bestätigen noch dementieren“, doch Fabrizius selbst räumt ein, dass es wohl um einen oder mehrere Kommentare „gegen Lesben und Schwule“ geht. Dabei interessiere er sich doch eigentlich nur für Frauen, Kinder und Senioren und für deren Sicherheit. Fabrizius’ Facebook-Konto wurde kurzfristig gesperrt.

„Ich werde Uwe Hück anzeigen“

Das Einschreiten der Staatsmacht nimmt er offenbar sehr ernst. „Darauf stehen Haftstrafen von drei Monaten bis zu fünf Jahren.“ Gleichzeitig will er jetzt selbst gegen all jene vorgehen, die in ihm einen ausländerfeindlichen Rechtsausleger sehen. „Ich werde auch Uwe Hück anzeigen. Der hat nämlich gesagt, ich hätte Pforzheim in Verruf gebracht.“ Alle, die ihn „als Putinagent beschimpft“ oder „in die rechte Ecke gestellt“ hätten, müssten nun mit einer Anzeige rechnen. Deshalb habe er sich mehrere Anwälte genommen. „Und auch die Leute, die im Frühjahr die Demos in ganz Deutschland organisiert haben, stehen in engem Kontakt“.

Kandidatur als OB und Asylantrag in Russland

Damit meint Fabrizius wohl den sogenannten „Internationalen Konvent der Russlanddeutschen“, der im Januar bundesweit bei Demonstrationen gegen Flüchtlinge Stimmung machte. Nein, rechts sei er gewiss nicht. Er nehme nur die Ängste der Menschen ernst. „Man weiß ja, was passiert, wenn Flüchtlingszelte neben Kindergärten stehen – eine sexuelle Belästigung hier, eine da.“ Um „Pforzheim sicher zu machen“ hat er Großes vor. Eine „Großdemonstration für Gerechtigkeit“ plant er schon seit April. Ende August wolle man soweit sein und „drei- bis viertausend Bürger auf die Beine bringen. Langfristig mehr für die Pforzheimer tun will Fabrizius, wenn er erst mal Oberbürgermeister der Stadt ist. Deshalb will er zu der Wahl des Stadtoberhauptes im kommenden Jahr antreten. Doch sollte die Staatsanwaltschaft Ernst machen und ihn wegen Volksverhetzung anklagen, könnte es auch noch ganz anders kommen. „Dann werde ich bei der russischen Botschaft um politisches Asyl bitten. Denn ich werde hier ja ganz eindeutig politisch verfolgt. Und ins Gefängnis gehe ich für meine Facebook-Kommentare nicht.“