Zwei lang gestreckte Baukörper vor der bestehenden Ooswinkelsiedlung sieht der Siegerentwurf des Realisierungswettbewerbs auf dem ehemaligen Bauhofgelände vor.
Zwei lang gestreckte Baukörper vor der bestehenden Ooswinkelsiedlung sieht der Siegerentwurf des Realisierungswettbewerbs auf dem ehemaligen Bauhofgelände vor. | Foto: Bernd Kappler

Bauhofgelände Baden-Baden

Erschwingliche Wohnungen

Nach neunstündiger Jury-Sitzung war das Ergebnis eindeutig: Mit sechs gegen eine Stimme votierte das Preisgericht des Realisierungswettbewerbs zur Bebauung des ehemaligen Bauhofareals in der Schwarzwaldstraße in Baden-Baden für den Entwurf der Ludwigsburger Architekten Freivogel/Mayer. „Der Entwurf ist absolut städtebaulich überzeugend“, freute sich die Geschäftsführerin der Baugenossenschaft Baden-Baden, Ulrike Verspohl, bei der Bekanntgabe des Ergebnisses im Rathaus. „Es geht hier um ein wichtiges Stück Stadtentwicklung“, betonte die ebenfalls hoch erfreute Oberbürgermeisterin Margret Mergen.

45 Wohnungen

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Wettbewerbssieger Steffen Mayer präsentiert den Entwurf.

Insgesamt 13 von 16 aufgeforderten Architekturbüros hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt. Der Siegerentwurf sieht zwei lang gestreckte Baukörper vor, in denen insgesamt 45 Wohnungen Platz finden, zehn mehr als von der Baugenossenschaft ursprünglich anvisiert. Auch mit 91 Stellplätzen, die meisten in einer Tiefgarage, werden die Vorgaben übertroffen. Besonders gefallen hat außerdem ein Quartiersplatz zwischen der Neubebauung und der denkmalgeschützten Ooswinkelsiedlung. Durch die Anordnung der Grundrisse wird zudem ein optimaler Lärmschutz an der vorbeiführenden B 500 gewährleistet.
Punkten konnte der Entwurf auch mit seinem Wärmekonzept, an das auch die Häuser der bestehenden Siedlung angeschlossen werden könnten. Und: Der Fuß- und Radweg entlang der Oos, der im Moment an der Ooswinkelsiedlung endet, könnte Richtung Innenstadt fortgesetzt werden. Einzig strittig in der Jury war die Fassadengestaltung zur Schwarzwaldstraße hin, die nicht dem Stil der Schmitthennerschen Ooswinkelsiedlung entspreche. Nach der Jury-Entscheidung soll jetzt das Bebauungsplanverfahren fortgesetzt werden.

Ausstellung

Die Wettbewerbsarbeiten sind in der Woche vom 7. November bis 11. November 2016 im Rathaus zu den üblichen Öffnungszeiten im Foyer vor dem Dienstzimmer der OB ausgestellt.

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Ansicht von der Schwarzwaldstraße | Foto: Architekten Freivogel/Mayer

Bewertung

Die Jury bewertete den Siegerentwurf so: „Der lang gestreckte Baukörper führt die Flucht der Schwarzwaldstraße fort mit einem durchgängig dreigeschossigen Baukörper. Endpunkt ist ein fünfgeschossiger Gebäudetrakt, der neben einem prägnanten Abschluss auch ein starkes Zeichen setzt: hier beginnt die Bebauung, hier endet die Grünzone zwischen Vorstadt und Innenstadt.
Die Verbindung zur Ooswinkel-Siedlung wird über eine Freifläche, den so genannten Quartiersplatz, erzeugt.

Klare Platzkante

Die Platzkante wird neben einem Flügel der Wohnbebauung durch die Fassade des Veranstaltungsraums und der Geschäftsstelle gebildet. Damit ist die Verwaltung der Baugenossenschaft ideal wahrnehmbar und gestisch dem Altbestand zugewandt. Die hakenförmige Figur des gesamten Baukörpers grenzt in idealer Weise den öffentlichen Bereich mit Platz und Erschließungsstraße von privaten und halbprivaten Grünflächen ab. Gleichzeitig bildet sie einen Schutz zum Lärmeintrag der B 500.

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Grundriss der beiden Gebäude | Foto: Architekten Freivogel/Mayer

Großzügige Grünflächen

Durch die Anordnung der Baukörper im Wesentlichen parallel zur B 500 entstehen zur Oos interessante und großzügige Grünflächen. Der Entwurf bildet eine eigenständige Figur neben der denkmalgeschützten Siedlung. Durch die Positionierung des südlichen Baukörpers wird aber eine Verknüpfung zur Ooswinkel-Siedlung erreicht.

Die Wohneinheiten sind im Wesentlichen Nord-Süd orientiert und durchbindend. Die Gebäudetiefe vermeidet schlecht belichtete Räume oder Raumteile. Die Fassade widerspiegelt in konsequenter Weise zwischen verlärmter Nordseite und ruhiger zur Landschaft geöffnete Südseite.

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Die Eingangsbereiche zu den Wohnungen bilden einen Lärmschutz. | Foto: Architekten Freivogel/Mayer

Kritik an Fassade

Die Reihung schmaler Fensteröffnungen auf der einen Seite und großzügiger Fensterformate oder gefasster Loggien und Terrassen auf der Südseite ist in konsequenter Weise durchgeführt, lässt jedoch einen gartenstädtischen, an die Schmitthennersche Siedlung anknüpfenden Ausdruck vermissen.
Die Parkierung funktioniert ebenerdig und über eine Tiefgarage. Die Einfahrt in die Tiefgarage ist im Anschluss an den Sonderbaukörper der Geschäftsstelle richtig platziert.
Der Entwurf stellt an zwei Stellen eine Anbindung an den Fuß- und Radweg an der grünen Einfahrt her. Hervorzuheben ist die Verlängerung der Schwarzwaldstraße nach Südosten in die bestehende Wegeführung.

Ruhe und Ordnung

Insgesamt besticht diese Arbeit durch Ruhe und Ordnung.“
Soweit der Wortlaut der Jury-Bewertung.