Waschbaer
ERWISCHT: Mit einer Infrarot-Wildtierkamera gelang einer Untergrombacher Familie dieses Bild. | Foto: Screenshot: Lechner

In Fotofalle getappt

Erster Waschbär in Bruchsal gefilmt

Waschbären – die scheuen Kleinbären mit der „Zorro-Maske“ sind im Landkreis Karlsruhe noch sehr selten. Wenn ein Exemplar gesichtet wird, dann meist als Unfallopfer – überfahren auf der Straße. Doch nun ist erstmals im Raum Bruchsal ein lebendiger Waschbär gesichtet und gefilmt worden. Das  überraschende Beweis-Video auf bnn.de.

Von Franz Lechner

Seit etwa fünf Jahren beobachten Lioba Reger und ihr Mann mit einer Wildtierkamera was sich tagsüber und vor allem nachts so alles in ihrem Hof in der Untergrombacher Wendelinussiedlung herumtreibt. Igel, Marder und viele Vogelarten zeichnete ihre Kamera schon am Katzen-Futternapf auf ihrer Terrasse auf. Auch ein Fuchs war schon ein Mal in den frühen Morgenstunden zu Besuch. Doch was die Filmaufzeichnung diesmal zeigte, war für die beiden Tierfreunde völlig überraschend.

Wir mussten zwei Mal hinschauen bevor wir es glauben konnten.

Was sie aber jetzt zu sehen bekamen als sie die nächtlichen Aufzeichnungen ihrer Kamera am Computer abspielten, konnten sie anfangs gar nicht fassen. „Wir mussten zwei Mal hinschauen bevor wir glauben konnten, was wir da sahen“, erzählt Lioba Reger. Kein Wunder, war das, was da genüsslich im Infrarotlicht ihrer Wildtierkamera Katzenfutter schmatzte doch vermutlich der erste rund um Bruchsal lebend dokumentierte Waschbär. Knapp 70 Jahren ist es her, dass der anpassungsfähige Waschbär in Hessen absichtlich ausgesetzt wurde. Anfangs noch zögerlich, dann aber immer schneller, breitete er sich vom Edersee entlang der Flusstäler und der Mittelgebirgszüge in alle Himmelsrichtungen aus.

Streift  Waschbär schon seit Jahren durch die Wälder?

Auch im Landkreis Karlsruhe wird er seit Jahren vereinzelt entdeckt. Bisher aber meistens als Unfallopfer. In der Karlsruher Waldstadt, an der Autobahnausfahrt Karlsdorf und zwischen Weingarten und Jöhlingen wurden in den letzten zehn Jahren Waschbären überfahren und bei Odenheim und Forst wurde sogar jeweils ein Tier von Jägern erlegt. In der Region ist er also wahrscheinlich schon länger unterwegs, aber wie viele Tiere es sind und wo genau sie leben, weiß niemand. Beinahe unsichtbar – so als hätte er, statt des Fells eine Tarnkappe übergestreift – streift der Kleinbär vermutlich schon seit Jahren durch die Wälder im Kraichgau und in der Rheinebene. Beobachtet hat ihn bisher aber noch kaum jemand.

Waschbaer in Bruchsal
Lebende Waschbären kann man hierzulande eigentlich nur – wie hier – in Tierparks bestaunen. Nun gelang es in Bruchsal erstmals, ein wildlebendes Exemplar zu filmen. | Foto: dpa (Archiv)

In Hessen teilweise schon eine Plage

Dass er jetzt ausgerechnet in Untergrombach vor eine Kamera lief, mag Zufall sein. Es könnte aber auch bestätigen, was eine Studie über das „geheime Leben“ der Waschbären in Deutschland, zeigte: Früher oder später macht sich der Lebenskünstler mit der Zorro-Maske im Gesicht, im menschlichen Siedlungsraum breit. Übrigens: In der ein oder anderen hessischen Stadt gilt der Waschbär mittlerweile sogar als Plage.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Waschbären ist Nordamerika. Durch beabsichtigte und unbeabsichtige Auswilderungen konnten sich die Kleinbären aber auch in Deutschland verbreiten. Diese Karte zeigt die Verbreitung in Deutschland (externer Link).