Geisterzug: Im ICE von Zürich nach Hamburg suchten Spezialkräfte der Polizei nach Sprengstoff. Mittlerweile läuft der Bahnverkehr wieder.
Geisterzug: Im ICE von Zürich nach Hamburg suchten Spezialkräfte der Polizei nach Sprengstoff. Mittlerweile läuft der Bahnverkehr wieder. | Foto: Bernd Kappler

ICE in Baden-Baden durchsucht

Fünf Illegale lösten Alarm aus

Rund drei Stunden nach der Sperrung des Baden-Badener Bahnhofs ist der Zugverkehr in Mittelbaden am Mittag wieder freigegeben worden. Ursächlich für die Streckensperrung und den Großeinsatz der Polizei waren offenbar fünf Männer, die von der Schweiz kommend illegal in die Bundesrepublik eingereist und dann in Freiburg in den ICE in Richtung Hamburg eingestiegen waren.  Auf der gesamten Rheintalstrecke ist es zu erheblichen Verspätungen gekommen, die auch bundesweit spürbar waren. Der Bahnverkehr normalisierte sich erst nach Stunden. Wenige Tage nach der Evakuierung des Rastatter Bahnhofs war in einem mit etwa 450 Personen besetzten ICE, der von Zürich nach Hamburg unterwegs war, verdächtiges Gepäck entdeckt worden. Der Zug wurde geräumt und von Spezialkräften der Polizei durchsucht.

Fünf Illegale lassen Gepäck allein

Laut Polizei waren am Morgen zwei Marokkaner, zwei Libyer und ein Syrer im Alter zwischen 17 und 38 Jahren in Freiburg in den Fernzug mit Ziel Hamburg-Altona zugestiegen und hatten ihr Gepäck stehen lassen. Zum Teil sollen sie sich in den Toiletten versteckt haben, um einer Kontrolle zu entgehen. Mitreisende schöpften Verdacht und verständigten das Zugpersonal, das wiederum die Bundespolizei alarmierte. Beim planmäßigen Halt in Baden-Baden gegen 8.30 Uhr wurde der Fernreisezug aus Zürich bereits von Polizeibeamten erwartet. Die Evakuierung des ICE wurde angeordnet. Spezialkräfte durchsuchten den Intercity-Express mit zwei Sprengstoffsuchhunden, fanden aber weder in dem angegebenen Gepäck noch sonst wo im Zug Sprengstoff oder gefährliche Materialien. Kurz vor zwölf Uhr ist die Strecke wieder freigegeben worden.

Tausende Betroffene

Betroffen waren mehrere tausende Reisende und Pendler, die bereits in Karlsruhe, Rastatt, Bühl und Achern festsaßen. Problem: In den Bahnhöfen waren Gleise durch bereits wartende Züge blockiert.
So zum Beispiel in Achern, wo das übliche Ankunftsgleis bereits durch einen IC belegt war, die Schwarzwaldbahn musste auf ein Ausweichgleis. Schließlich hieß es im Zug per Lautsprecherdurchsage: „Alle Fahrgäste müssen wegen einer Bombendrohung aussteigen“.

 

Die Poliei hat den Bahnhof in Baden-Baden evakuiert.
Die Polizei hat den Bahnhof in Baden-Baden evakuiert. | Foto: Bernd Kappler
Die Züge in der Region stecken fest. Betroffene Pendler und Schüler wissen nicht, wie sie zur Arbeit kommen
Die Züge in der Region stecken fest. Betroffene Pendler und Schüler wissen nicht, wie sie zur Arbeit kommen | Foto: Schaub

Notfahrplan mit Bussen

Die Bahn bemühte sich um einen Notfahrplan mit Bussen zwischen Rastatt und Achern. Diese waren wiederum restlos überfüllt. Das Mobiltelefon war das wichtigste Hilfsmittel, um Angehörige oder Arbeitskollegen zu informieren. Am Baden-Badener Bahnhof ärgerte sich zum Beispiel ein Geschäftsmann gleich doppelt: Wegen der unsicheren Lage auf der Autobahn nördlich von Karlsruhe, wollte er auf Nummer sicher gehen und zu einem wichtigen Termin nach Heidelberg mit der Bahn fahren. Daraus wurde dann aber nichts. Die Verspätungen variierten bis zu 130 Minuten, wie die Deutsche Bahn bestätigte. Kurz vor 12 Uhr konnte die Strecke nach drei Stunden wieder frei gegeben werden.

Auswirkungen im ganzen DB-Netz

Nach Angaben der Deutschen Bahn und der Albtalverkehrsgesellschaft sind insgesamt zehn S-Bahnen komplett ausgefallen, bei der Bahn waren allein zwei Dutzend Züge des Fernverkehrs, sowie Regional- und Güterzüge von der kompletten Sperrung der Rheintallinie betroffen, die zweite innerhalb weniger Tage, nachdem bereits am Dienstag in Rastatt ein Bombenverdacht ebenfalls für eine Vollsperrung gesorgt hatte.