Austausch gepflegt: Von links Dekan Rainer Becker (Lahr), Dekan Günther Ihle (Kehl), Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh, Dekanin Jutta Wellhöner (Offenburg), Thomas Jammerthal (Vizepräsident der badischen Landessynode) und Dekan Frank Wellhöner (Offenburg).
Austausch gepflegt: Von links Dekan Rainer Becker (Lahr), Dekan Günther Ihle (Kehl), Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh, Dekanin Jutta Wellhöner (Offenburg), Thomas Jammerthal (Vizepräsident der badischen Landessynode) und Dekan Frank Wellhöner (Offenburg). | Foto: Hubert Röderer

Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh besucht Kreis

Evangelische Kirche in der Ortenau schrumpft

Von Hubert Röderer

„Nein“, sagte Jochen Cornelius-Bundschuh, Landesbischof der evangelischen Landeskirche Baden. „Nein, eine Note will ich nicht verteilen, ich möchte nur Folgendes hervorheben: Das Engagement aller Verantwortlichen in der Ortenau ist sehr groß.“ Das betreffe auch die vielen Ehrenamtlichen. Der Bischof weilte bis Sonntag auf Visitation des vor drei Jahren durch Fusion gegründeten evangelischen Kirchenbezirks Ortenau, des flächenmäßig größten in Baden.

Regelmäßige Besuche

Drei bis vier Visitationen, sagte der Landesbischof am Freitag am Randes eines Empfangs im Christlichen Jugenddorf in Offenburg, stünden pro Jahr an. In sechs bis sieben Jahren würden somit alle 25 Bezirke in Baden einmal offiziell besucht, so wie jetzt aktuell der riesengroße Kirchenbezirk Ortenau, der vor drei Jahren aus den früheren Bezirken Offenburg, Kehl und Lahr gebildet wurde und aufgrund seiner enormen Ausdehnung über drei Dekane, eine Dekanin, drei Dekan-Stellvertreter, und zwei Schuldekane verfügt.
Nein, es gehe bei einer solchen Visitation überhaupt nicht um Kontrolle, gar um das Verteilen von Gelben Karten, sondern um „Begleitung und Beratung“. Er erlebe hier in der Region viele Verantwortliche, die sich sehr stark bemühen, die Ziele, die sie sich damals gegeben haben, engagiert umzusetzen.

Riesiger Kirchenbezirk

Und das ist gewiss nicht leicht in einem Großbezirk, in dem mehr als 420 000 Menschen wohnen, und in dem der Anteil der evangelischen Christen nur etwa ein Viertel ausmacht und der Kirchenbezirk somit, wie auch der Offenburger Dekan Frank Wellhöner schon mal formuliert hat, „ein typischer Diaspora-Bezirk“ ist. Ureingesessene altevangelische Gebiete wie das Hanauerland, das Ried und die Stadt Lahr sowie Schiltach-Schenkenzell, Gutach, Kirnbach und Hornberg seien historisch erklärbare Enklaven in der ansonsten stark katholisch geprägten Ortenau. Gleichwohl habe man nach dem Zweiten Weltkrieg durch Zuzüge von Flüchtlingen aus den ehemaligen Ostgebieten und ab 1990 durch deutsche Spätaussiedler aus der früheren Sowjetunion neue Kirchenmitglieder gewinnen können.

Sinkende Mitgliederzahlen

Doch wie überall in der Badischen Landeskirche habe man in den 63 Pfarrgemeinden zuletzt ebenfalls Kirchenmitglieder verloren. Aktueller Stand: Region Kehl: 41 046 Gemeindeglieder (7,8 Prozent weniger als 2007). Region Lahr: 39 354 Gemeindeglieder (4,7 Prozent weniger als 2007). Region Offenburg: 29 891 Gemeindeglieder (6,2 Prozent weniger als 2007). Lebten vor knapp zehn Jahren im heutigen Kirchenbezirk noch 117 693 evangelische Christen, so waren es Ende 2015 noch 110 291 – ein Verlust von 6,3 Prozent. Wie könne man dem Mitgliederschwund begegnen? „Indem wir dorthin gehen, wo die Menschen sind“, so die vier Dekane unisono, etwa in den Europa-Park oder den neuen Nationalpark. Überhaupt seien laut Landesbischof „schöne Gottesdienste“ ein ganz wichtiges Mittel der Mitgliederpflege.

Neues Immobilienprojekt

Der Mitgliederschwund hat dazu geführt, dass laut Thomas Jammerthal, Vizepräsident der badischen Landessynode, ein bis 2019 reichendes „Immobilienprojekt“ aufgelegt wurde: Immer weniger, dafür immer mehr ältere Mitchristen brächten weniger Kirchensteuer. Es sei legitim, mit Kommunen, anderen Kirchen und auch Vereinen über eine künftig gemeinsame Nutzung von Immobilien nachzudenken. Da ließen sich bestimmt gute Lösungen finden.
Große Zuversicht herrscht auch beim Thema evangelischer Religionsunterricht vor. Schuldekan Herbert Kumpf aus Kehl sagte: „Der Stellenwert ist in den meisten Schulen sehr hoch.“ Das Fach indes sei angesichts weiterer Konfessionen und auch angesichts konfessionsloser Schüler „schwierig zu organisieren“.