Authentischer Kumpeltyp: Ex-Nationalspieler Uli Borowka kam nach seinem Vortrag im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau zum BNN-Gespräch.
Authentischer Kumpeltyp: Ex-Nationalspieler Uli Borowka kam nach seinem Vortrag im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau zum BNN-Gespräch. | Foto: Keller

Uli Borowka in Gaggenau

Ex-Profi spricht über seine Alkoholsucht

Von Georg Keller

Er absolvierte 388 Bundesligabegegnungen (19 Tore) und sechs Spiele im Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft, unter anderem bei der Europameisterschaft 1988, er wurde mit Werder Bremen zweimal Deutscher Meister, zweimal DFB-Pokalsieger sowie Europapokalsieger der Pokalsieger: Nach Beendigung seiner Karriere fiel Ulrich „Uli“ Borowka überwiegend durch Verkehrsunfälle und andere Eskapaden unter Alkoholeinfluss auf, ehe er sich als langjähriger Alkoholiker outete. Seit einer viermonatigen Entziehungskur im Jahr 2000 lebt der Ex-Fußballer mittlerweile abstinent und hat sich der Aufklärungsarbeit verschrieben: Borowka hat einen Verein zur Suchtprävention gegründet und berät heute Spieler mit Suchtproblemen. Vor Mitarbeitern des Mercedes-Benz-Werkes Gaggenau referierte er jetzt unter der Überschrift „Volle Pulle: Mein Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker“ über Suizidversuche sowie Spiel- und Alkoholsucht bei Fußballprofis.

Ein Kasten Bier und mehr am Tag

Über seine Alkoholiker-Vergangenheit spricht der ehemalige Bundesliga-Star, der durch seine kompromisslose Spielart (Spitzname: „Die Axt“) gefürchtet war, mittlerweile in schonungsloser Offenheit: „Bei mir war ein ausschlaggebendes Problem, das ich von Anfang an den Alkohol nicht kontrollieren konnte, ich konnte nicht nach zwei Bier sagen, es reicht“. Dennoch funktionierte er. In seiner aktiven Zeit trank der gebürtige Sauerländer eigenen Angaben zufolge mal eben einen Kasten Bier und mehr am Tag.

Borowka: „Zu meiner Bremer Zeit habe ich tagsüber ’ne Kiste Bier, ’ne Flasche Wodka und ne Flasche Whisky getrunken und bin dann noch zum Training gegangen.“ Dies habe auch sein Umfeld mitbekommen. „Klar haben alle gewusst, dass ich Alkoholiker bin, aber ich habe Leistung gebracht, wir leben in einer Leistungsgesellschaft.“ Auch heute gebe es in der Bundesliga Alkohol- und Drogenabhängige, größtes Problem sei aber Gambling, Spielsucht. Ende der 1990er-Jahre war Borowka ganz unten angekommen: Autounfälle mit 1,8 Promille, ein erfolgloser Suizidversuch, ein tätlicher Übergriff gegen seine damalige Ehefrau. Freunde meldeten ihn damals in einer Entziehungsklinik an. „Es hat sehr viel Kraft und Ehrgeiz gekostet, da wieder rauszukommen“.

„Gesellschaftliches Problem“

Wer heute mit dem 54-Jährigen spricht, einem authentischen Kumpel-Typ, der sich zum BNN-Gespräch nach dem Daimler-Vortrag ganz unkompliziert als „der Uli“ vorstellt, der merkt schnell, dass ihm die Problematik eine Herzensangelegenheit ist. „Das ist ein gesellschaftliches Problem“, betont er immer wieder. In Deutschland gibt es rund 1,6 Millionen Alkoholiker, an den Folgen von Alkoholismus sterben täglich 200 Menschen.
So wie Uli Borowka auf dem Platz ein gradliniger und harter, aber nicht unfairer Spieler war, so hält er auch heute mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg.

Kritik am DFB

So kritisiert er lautstark den Deutschen Fußballbund (DFB), der „Alibi-Kampagnen“ unterstützt, aber sich gleichzeitig von einer Biermarke sponsern lässt, oder staatliche Aufklärungsorganisationen, die teure Anzeigenkampagnen entwickeln, anstatt dorthin zu gehen, wo es laut Auffassung des Ex-Bremers von Nöten wäre: An die Schulen, wo die Jugendlichen sitzen.
Mit Biografien wie seiner oder anderer Betroffener (Borowka: „Ich kenne Ex-Junkies, die heute Triathlon laufen“) lassen sich Heranwachsende erreichen, ist er überzeugt. Im Jahr 2013 gründete der ehemalige Bundesligaspieler deshalb einen gemeinnützigen Verein, der Jugendliche, aber auch suchtkranke Leistungssportler auf ihrem Weg aus der Sucht unterstützt.
Weitere Informationen zum Verein Uli Borowka Suchtprävention und Suchthilfe gibt es hier.