Den Auswirkungen von PFC auf Landwirtschaft und Grundwasser spürt Patricia Klatt nach.
Den Auswirkungen von PFC auf Landwirtschaft und Grundwasser spürt Patricia Klatt nach. | Foto: pr

Bühler Journalistin beim NDR

PFC: Experiment mit ungewissem Ausgang

Ein großes, unfreiwilliges „Freilandexperiment“ mit unbekanntem Ausgang – so charakterisiert Patricia Klatt den mittelbadischen PFC-Skandal, und so hat die Biologin und Fachjournalistin aus Neusatz auch eine rund 80 Seiten starke Arbeit überschrieben, die sie jetzt in Hamburg vorstellen wird. Dort findet beim NDR die Jahrestagung des Netzwerks Recherche statt. Dass in der Hansestadt über das Thema PFC-Belastung im Landkreis Rastatt und in Baden-Baden gesprochen wird, mag überraschen, aber nur auf den ersten Blick: PFC-Belastungen sind kein lokales „Privileg“, sondern ein globales Thema. Und: Klatts Studie ist durch ein Stipendium des Netzwerks Recherche möglich geworden.
Dieses vergab ein sechsmonatiges Umweltstipendium, das eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema PFC ermöglichte und bei dem Klatt fachlich und journalistisch vom Netzwerk begleitet und durch die gemeinnützige Olin gGmbH unterstützt wurde; ihr Mentor ist der mehrfach ausgezeichnete Filmjournalist und Buchautor Egmont R. Koch („Seveso ist überall“). Klatt profitierte aber auch von ihrem Biologiestudium in Münster, Freiburg und Straßburg, in dem sie Grundlagenforschung betrieb: „Natürlich erleichtert ein naturwissenschaftliches Studium den Zugang zu einem solchen Thema“, sagt Klatt. Umso amüsanter (gleichzeitig ärgerlicher) findet sie es, wenn behördliche Pressestellen kritische Fragen abzublocken versuchen, indem sie auf die – unbestrittene – Komplexität des Problems hinweisen und dieses erst verständlich aufbereitet werden müsse.

Seit 2013 am Thema dran

Dabei verfolgt die diplomierte Biologin das Thema, seit es 2013 bekannt geworden ist, regelmäßig erscheinen ihre Artikel im Acher- und Bühler Boten. Mit der Arbeit für das Netzwerk Recherche aber hat sie ihre Kenntnisse stark vertieft und ein PFC-Netzwerk geknüpft, mit zahlreichen Gesprächspartnern aus Forschung und Behörden, aber auch Betroffenen etwa aus der Landwirtschaft. So wurde für Klatt schnell deutlich, dass man die Aussage „wir stehen bei PFC noch ganz am Anfang und wissen nicht viel“ zwar so treffen könne, wenn die Perspektive eine lokale ist, sie aber nicht so treffen müsse, wenn global gedacht wird. Die in Mittelbaden immer wieder geäußerte Annahme, dass es über kurzkettige PFC noch keine Forschungsstudien gebe, fiel für Klatt rasch in sich zusammen: Sie sprach bereits mit mehreren Wissenschaftlern, die sich seit Jahren genau mit diesem Thema befassen.
Widersprüchliche oder auch schwammige Auskünfte gebe es zwar, doch versteht Klatt das einerseits als Teil der Recherche („Naturwissenschaftler sehen anders auf das Problem als Politiker oder Verwaltungsmitarbeiter“), andererseits würdigt sie auch die Mitarbeit der Behörden, die in vielen Fällen auskunftsfreudig seien. Wichtig ist ihr vor allem die Suche nach einer Lösung für das Problem, und hier steht für sie das Grundwasser an oberster Stelle. „Es ist ja nicht so, dass nichts unternommen wird“, sagt Klatt. „Viele richtige Schritte sind schon eingeleitet worden. Es muss aber in langen, sehr langen Zeiträumen gedacht werden. ‚Die eine’ Lösung wird es wohl kaum geben, und wir werden wir uns vermutlich noch lange gedulden müssen.“ Auch das gehört zu den Erkenntnissen, die sie dem Publikum in Hamburg vermitteln wird.