Unfall mit einem Elektroauto wie hier auf der A 5? Welche Details müssen die Rettungskräfte beachten? | Foto: pr

Feuerwehr und Elektroautos

Explosionsgefahr gegen Null: Tesla-Unfall bei Bruchsal

Von Klaus Müller

Hätten Sie es gewusst: Beim Autokennzeichen steht das „E“ hinter den Ziffern für Elektroauto – eine nicht zu unterschätzende Information, besonders wenn ein solches Fahrzeug in einen Unfall verwickelt ist. Unlängst geschah dies spektakulär auf der A 5, als ein Elektrofahrzeug der Marke Tesla schlagzeilenträchtig in eine Baustellenabsperrung bretterte. Der Fahrer, der – wie sich später herausstellte – dabei recht schwer verletzt wurde, konnte aus eigener Kraft das total demolierte Fahrzeug verlassen (die BNN berichteten).

Großeinsatz der Feuerwehr

25 Feuerwehrleute der Feuerwehren Bruchsal und Forst unter Leitung des Bruchsaler Feuerwehrkommandanten Bernd Molitor waren am Unfallort im Einsatz. Für die Feuerwehr war es auf den ersten Blick kein alltäglicher Einsatz, zumal es sich beim Unfallwagen um ein rein elektrisch betriebenes Fahrzeug handelte. Es kam übrigens weder zum Batteriebrand, noch flog irgendetwas in die Luft. So gesehen lässt sich von einem „normalen Unfall“ sprechen.

Erhöhtes Risiko?

Wie aber ist es eigentlich um Unfälle bestellt, in die Elektroautos verwickelt sind? Besteht für die Umwelt, die unmittelbare Umgebung, für die betroffenen Personen und für die Einsatzkräfte ein erhöhtes Risiko?
Die BNN suchten im Gespräch unter anderem mit Experten der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal nach Antworten auf diese und weitere Fragen im Zusammenhängen mit Elektrofahrzeugen.

Wie wird ein Batterienbrand überhaupt ausgelöst?

Vereinfacht ausgedrückt kann es nach Auskunft von Frank Hüsch und Thomas Neu, Lehrkräfte an der Feuerwehrschule im Fachbereich Technik, aufgrund starker Deformationen (abhängig von den Aufprallkräften) zu einer Kettenreaktion und Kurzschlüssen durch Wärme kommen. Greifen tatsächlich Flammen über, lässt sich das Fahrzeug „ganz normal“ löschen.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für einen Batterienbrand und somit für einen Fahrzeugbrand?

Elektroautos sind sicher, so der Tenor bei der Feuerwehr. Die Explosionsgefahr gehe wie bei modernen Autos mit Benzintank gegen Null.

Besteht die Gefahr für die Einsatzkräfte oder Ersthelfer bei Berührung des verunfallten Elektrofahrzeugs, einen (schweren) Stromschlag zu bekommen? Überhaupt: Bergen Unfälle mit Elektroautos für die Einsatzkräfte mehr Gefahren als bei (den viel häufigeren) Unfällen mit Autos mit Verbrennungsmotor?

Für Hüsch ist das mit dem Stromschlag aufgrund der Sicherheitseinrichtungen „nahezu ausgeschlossen“. Allein, und das gelte bei allen Unfällen, bestehe immer ein Restrisiko, ergänzen Feuerwehrkommandant Molitor und der Bruchsaler Abteilungskommandant Martin Schleicher, der ebenfalls beim „Tesla-Einsatz“ auf der Autobahn mit von der Partie war. Insgesamt gesehen gebe es halt doch wenige praktische Erfahrungswerte, urteilt Thomas Egelhaaf, Leiter der Landesfeuerwehrschule. Und man dürfe nicht vergessen, „dass die Feuerwehr dann gerufen wird, wenn etwas nicht planmäßig abgelaufen ist“. An erster Stelle, vor allem anderen, bestätigte ebenso Kreisbrandmeister Thomas Hauck, stehe die Menschenrettung. Gar nicht groß unterscheiden – insbesondere mit Blick auf mögliche Gefahren – will Hüsch zwischen Unfällen mit Elektroautos und Unfällen mit benzin- oder dieselangetriebenen Autos. Die angewandten Techniken, zum Beispiel die Löschtechniken, seien gleich. Allerdings, räumt er ein, bestehe bei vielen Feuerwehrkräften eine gewisse Unsicherheit gegenüber den Elektrofahrzeugen. „Und genau diese Unsicherheit wollen wir den Einsatzkräften nehmen.“ Eine wichtige Rolle dabei spiele die Ausbildung, zu vermitteln, dass die neuen Techniken ganz normal beherrschbar seien, sagt der Kreisbrandmeister.

Gibt es aus Sicht der Feuerwehr genügend Infomaterial für die Einsatzkräfte über Elektroautos?

In der Tat dürften genügend Daten vorliegen, genauso wie im Falle von Benzin- oder Dieselfahrzeugtypen. Die Daten – die Feuerwehr spricht von einem Hilfsmittel, von einem Handwerkszeug – befinden sich auf „Rettungsdatenblättern“. Sie enthalten grundlegende Informationen über einzelne Fahrzeugtypen (rund 8 000 sind aufgelistet) beispielsweise über die Lage der Batterie, des Tanks, über Zugänglichkeit, Airbags oder über Trennstellen für die Stromzufuhr. Die Versorgung mit diesen Daten, die allesamt vorhanden seien, könnte insgesamt gesehen besser sein, meint Hüsch. In erster Linie bezieht er das auf die Einsatzkräfte am Ort. Eigentlich müssten alle relevanten Einsatzeinheiten über solche Rettungsdatenblätter verfügen – und zwar auf einem Laptop oder mithilfe der Leitstellen, um so schnell wie möglich auf „heftige lebenswirkliche Situationen“ reagieren zu können. Das ist noch nicht der Fall. Etwa ein Drittel aller betroffenen Wehren, so Hüsch, verfügten über die Datenblätter: „Eindeutig zu wenig.“

Service
Jeder Fahrzeughalter kann sich kostenlos das Rettungsdatenblatt für sein Fahrzeug herunterladen, ausdrucken und ins Auto legen – zum Beispiel unter www.vda.de; www.adac.de; www.dekra.de – Stichwort (Link) Rettungsdatenblätter.

So berichteten die BNN über den schweren Tesla-Unfall auf der A 5: