Doldinger "Tatort"-Titel
Da ist Musike drin: Der Komponist Klaus Doldinger mit den Tatort-Kommissaren Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, re.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). | Foto: dpa

Musik rund um den "Tatort"

Mord nach Noten

Nein, Udo Lindenberg hat noch keinen Tatort-Song geschrieben. Und er hatte weder den Finger am Abzug einer Knarre wie Hitparaden-Ikone Helene Fischer als Killerin in der Folge „Der große Schmerz“, noch wurde er filmreif abgemurkst wie unlängst Schlagerkönig Roland Kaiser. Udo mimte auch keinen Knacki, wie sein kurz nach der Erstausstrahlung verblichener Kollege Rio Reiser in den Neunzigern.

Musikalisch schon lange verbandelt: Klaus Doldinger und Udo Lindenberg.
Musikalisch schon lange verbandelt: Klaus Doldinger und Udo Lindenberg. | Foto: dpa

Warum auch. Udo, Deutschlands Aushänge-Nuschler, hat auch so mehr mit der Tatort-Historie am Schädelarena kaschierenden Hut als viele Musikerkollegen. In der Originalfassung von Klaus Doldingers Erkennungsmelodie von 1970 gab der spätere Panikpräsident höchstselbst den Takt an, schließlich war er seinerzeit Hauptklöppler bei der noch jungen Band Passport.

Udo Lindenberg: Körpereinsatz für den Tatort

Dass Udo 1974 mit seinem Panikorchester kurz mal in einem Tatort einheizte, weiß heute kaum noch einer. Oder ist jemand vielleicht Knut Hinz alias Hauptkommissar Brammer ein Begriff? In „Kneipenbekanntschaft“ (Folge 45) lässt sich der Ermittler vor seinem Umzug an den neuen Dienstort Hannover vom Panikorchester live eingrooven. Udo spielt übrigens keinen Geringeren – als sich selbst.
Längst ist Doldingers Nervenkitzel-Tune mit seinem 70er-Jahre-Thrillersound so mordsmäßig eng mit Deutschlands populärster Krimireihe verbandelt, dass sich wohl niemand einen Tatort ohne die berühmten Augen und die fesselnde Musik vorstellen kann.

Hätte Schweiger doch geschwiegen

Wohl niemand außer Til Schweiger, der im Vorfeld seines Dienstantritts als Kommissar Nick Tschiller allzu laut und öffentlich darüber nachdachte, die Tatort-Musik plattzumachen und sie durch eine andere zu ersetzen, die weniger „outdated“ sein sollte. Da hatte der eingebildete Kranke aber die Rechnung ohne die Tatort-Gemeinde gemacht, die ihm sein Ansinnen links und rechts um die Keinhasenohren haute. Wie die Heißluftattacke des Tatort-Ballermanns ausging, ist bekannt: Auch die tausendste Folge „Taxi nach Leipzig“ beginnt wieder mit Doldingers noch immer elektrisierendem Ohrenkitzler. Den Herrn Schweiger hätte man übrigens noch gerne an seinen Nachnamen erinnert und ihm in diesem Kontext berühmte Worte des spätrömischen Gelehrten Boëthius zugerufen: Si tacuisses, philosophus manisses – wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben. Oder so was ähnliches zumindest.

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Spielverderber oder Ignorant? Til Schweiger alias „Tatort“-Kommissar Nick Tschiller. | Foto: dpa

Kein Tatort ohne Musik

Musik – geht immer und kommt im Tatort-ABC gleich nach Mord. Mancher Nobody durfte sich im Laufe der Jahre mit seinem Song ebenso im Abspann verewigen, wie die Großen und ganz Großen des Rock und Pop, der elektronischen und Jazzmusik, des Schlagers und der Klassik.
Zur jeweiligen Zeit Angesagtes aus good old Germany kam schon von arrivierten Künstlern wie den Toten Hosen, Marius Müller-Westernhagen, Tangerine Dream, Can und H-Blockx. Und von Sangesprominenz internationaler Provenienz wie den Raukehlchen Bonnie Tyler und Joe Cocker, Steve Earle und Chris Rea. Dazu gesellen sich Legenden wie Deep Purple und Bob Dylan, Leonard Cohen und Santana, Duke Ellington und Elvis Presley.

Wenn Kommissare jazzen

Und gelegentlich eroberte so ein Tatort-Heuler sogar luftige Chartshöhen. So geriet die Pott-Hymne „Faust auf Faust“ aus dem Schimanski-Kinofilm „Zahn um Zahn“, mit der Klaus Lage 1985 einen Volltreffer landete, zum Dauerbrenner im Dudelradio.

Ganz cool: der gerade in die ewigen Schauspielgründe eingegangene Manfred Krug, der viele Jahre nicht nur „Liebling Kreuzberg“ spielte, sondern auch ein Liebling der Tatort-Fanbase war. Unvergessen die Stöverschen Jazzeinlagen im Duett mit Kriminalistenkollege Brockmöller (Charles Brauer).

Klassikfest zum Leichen-Showdown

Ihren bisherigen musikalischen Höhepunkt erfuhr die Reihe im künstlerisch anspruchsvollsten aller Tatorte mit Kommissar Murot (Ulrich Tukur), dessen Eskapaden nicht nur das hessische Bädermekka Wiesbaden regelmäßig in Wallung bringen. Für die irrwitzige Folge „Im Schmerz geboren“, ein leichenstrotzender Hybrid aus Shakespeare-Drama und Italowestern, wurden nicht weniger als 23 klassische Werke von Beethoven über Chopin bis Vivaldi als Soundtrack verballert – in Ausschnitten von 21 Sekunden bis 3:08 Minuten. Jetzt schon buchstäblich ein Klassiker und wohl kaum zu toppen!

Da tanzt der Bär

Mag sein, dass nicht in jedem Tatort der Colt raucht oder die Kuh fliegt. Manchmal reicht es auch, wenn der Bär steppt. So wie in jenem Kölner Tatort, in dem „Freddy tanzt“.

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Freddy in love: Kunstprofessorin Claudia Denk (Ursina Lardi) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) – eine Szene aus «Freddy tanzt». | Foto: dpa

Unübertroffen, wie der dicke Kommissar versonnen, verliebt und von seiner Flamme versetzt zu sehnsuchtsvollen Klängen von Woodkids „I Love You“ – eben: tanzt.

Der „Tatort“ im Ersten

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