Schauplatz von Dreharbeiten das zur Schwarzwaldbank umfirmierte Gebäude der Sparkasse.
Schauplatz von Dreharbeiten das zur Schwarzwaldbank umfirmierte Gebäude der Sparkasse. | Foto: Johannes-Christoph Weis

"Big Manni" auf der Spur

Filmteam dreht Satire über Flowtex-Skandal in Ettlingen

Ein Riesentross an Leuten der Baden-Badener Produktionsgesellschaft Polyphon Pictures filmte gestern von morgens bis abends auf dem Ettlinger Marktplatz und im Rathaus für einen Spielfilm des SWR Baden-Baden.

Eine Satire über „Big Manni“ und sein Ettlinger Unternehmen Flowtex, das einst mit Horizontalbohrgeräten, die nur auf dem Papier standen, Banken und insbesondere auch die Volksbank Ettlingen „linkte“. Jürgen Morlok, Ehrenvorsitzender der Bundes-FDP, damals Pressesprecher von Flowtex, könnte dabei, „indirekt“ auch zu Ehren kommen. Ob er in der Satire zum LDP-Vertreter (Liberal Demokratische Partei) Lutz Rettinger mutiert, für den während der Drehaufnahmen rund um den Ettlinger Wurststand mit Wahlplakaten geworben wird, wird sich spätestens zeigen, wenn der Streifen bei der ARD gezeigt wird (Sendetermin steht noch nicht fest). Bei den Aufnahmen durften auch Ettlinger Komparsen mitwirken.

Schaulustige verfolgen das Geschehen

 Manfred Schmider, früherer Flowtex-Chef, 2016 nach seiner Verurteilung in der Schweiz.
Manfred Schmider, früherer Flowtex-Chef, 2016 nach seiner Verurteilung in der Schweiz. | Foto: Walter Bieri/dpa

„Big Manni“ fuhr mit einer historischen schwarzen Daimler-Limousine vors Ettlinger Rathaus. Gestern verfolgten jede Menge Schaulustige das Geschehen. Die Filmleute hatten bei den Drehs viel Arbeit, um die Menschen vom Drehort zurückzuhalten, benötigtes Equipment aus dem großen, bereits seit Montag aufgebauten Gerätepark parat zu halten und Kameras hin- und herzuschieben. Manche Frage oder Kommentar am Rande erwies sich bereits als Realsatire: „Ist das alles für das Landesmusikfestival am Samstag?“, wollte eine Ettlinger Frau wissen. Oder ein älterer Zuschauer über „Big Manni“ bewundernd: „Der hat gewusst, wie man unsere Politiker benutzt“. Und ein Ettlinger Einzelhändler trieb es dann mit den spöttischen Bemerkungen beim Anblick der blauen Bank-Plakate einer fiktiven „Schwarzwaldbank“ am Sparkassengebäude auf die Spitze: „Endlich eine gescheite Bank am Platz“. Denn immerhin war das Kreditinstitut im Gegensatz zur Konkurrenz seinerzeit nicht bereit, Flowtex Millionen-Kredite für seine dubiosen Horizontalbohrer-Geschäfte zu geben. Das Wahlkampfplakat hinterm „Wurststand“ mit dem Aufdruck „Kanzler Helmut Kohl in Ettlingen“ aus den 1980er-/1990er Jahren dürfte ebenfalls ein „Fake“ sein, da Kohl im Gegensatz zu „Angie“ erst als „Altkanzler“ beim Treffen mit „Gorbi“ an die Alb kam.
Und – wie bei den Dreharbeiten gesehen – dass „Big Manni“ wutschreiend aus dem Rathaus Ettlingen stürmt und mit Kavaliersstart in seinem Daimler davonbraust, dürfte bei devoten Kommunalpolitikern, die sich vor Freude über sprudelnde Flowtex-Gewerbesteuereinnahmen seinerzeit genüsslich die Hände rieben, eher nicht passiert sein.

Das Unternehmen Flowtex hatte Horizontalbohrgeräte geleast, die zum Großteil nur auf dem Papier bestanden.  In den Jahren 1994 bis 1999 entstand durch den systematischen Betrug ein Schaden von rund 2,6 Milliarden Euro. Firmengründer Manfred Schmider, „Big Manni“, saß bis 2007 sieben Jahre in Haft. Auch Manager, Familienangehörige, Anwälte und Mitwisser erhielten Haftstrafen. Im Januar 2016 verurteilte ein Schweizer Gericht den 66-Jährigen wegen Geldwäsche zu 14 Monaten Haft, davon die Hälfte auf Bewährung.