Prüfender Blick: Beamte der Bundespolizeiinspektion Offenburg auf Kontrolltour am Offenburger Bahnhof. Immer mehr Menschen reisen illegal aus der Schweiz in die Ortenau ein.
Prüfender Blick: Beamte der Bundespolizeiinspektion Offenburg auf Kontrolltour am Offenburger Bahnhof. Immer mehr Menschen reisen illegal aus der Schweiz in die Ortenau ein. | Foto: Christine Storck

Immer mehr Menschen kommen über die Schweiz in die Ortenau

Flüchtlingsrouten verschieben sich

Von Christine Storck

Während das Wohnraumthema in aller Munde ist, scheinen sich die Flüchtlingsrouten in die Region zu verschieben. Seit gut sieben Wochen kommen mehr Menschen über die Schweiz in der Ortenau an, bestätigt die Bundespolizeiinspektion Offenburg auf Anfrage der BNN. Von Mai bis Juli waren es rund 350, so Pressesprecher Dieter Hutt. Ob da eine neue Welle wie vor eineinhalb Jahren anrollt, lasse sich jedoch nicht vorhersagen.

Meiste Flüchtlinge aus Afrika

„Alles kann nächste Woche schon wieder anders sein“, meint Dieter Hutt. Mit dem Schließen der Balkanroute hätten sich die Wege zwar merklich verschoben, aber wie die Entwicklung weitergeht, könne niemand wissen. Die Flüchtlinge, die zurzeit den Weg über die Schweiz nehmen, kommen vor allem im Bahnhof Offenburg aus Richtung Basel an. Laut Bundespolizei machen oft die Zugbegleiter Meldung, da die Menschen ohne Fahrschein unterwegs sind.
Bei ihnen handelt es sich fast ausschließlich um Afrikaner aus Eritrea, Äthiopien oder Somalia. Sie geben meist an, über das Mittelmeer nach Italien gekommen zu sein. Anschließend versuchen sie über die Schweiz weiter in Richtung Norden zu reisen. „Das hängt aber auch vom Standort von Familienangehörigen ab“, berichtet Hutt.

Prognose nicht möglich

Wie viele in den kommenden Monaten in die Region kommen, kann niemand prognostizieren. Fakt ist: Seit Jahresanfang hat die Bundespolizeiinspektion Offenburg in ihrem Zuständigkeitsbereich insgesamt bereits 1 250 Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis aufgegriffen, der größte Teil kam aus Frankreich. 2015 waren es hingegen im gesamten Jahr 1 875 Menschen. „Das werden wir 2016 vermutlich übertreffen“, schätzt Hutt. Aber ob es unter Umständen wieder so extrem wird wie 2014 müsse man abwarten. Vor zwei Jahren hatte die Bundespolizei mehr als 3 500 Flüchtlinge aufgegriffen.

Mehr Verfahren wegen unerlaubter Einreise

Die Statistik unterstreicht die von Hutt skizzierte Entwicklung. Im Bezirk der Staatsanwaltschaft Offenburg, dem die Kommunen Achern, Sasbach, Lauf, Sasbachwalden, Seebach, Ottenhöfen, Kappelrodeck, Ettenheim Mahlberg, Kappel-Grafenhausen, Ringsheim und Rust angehören, gab es noch 2011 lediglich 943 Ermittlungsverfahren wegen unerlaubter Einreise. 2012 waren es sogar nur 847, ehe die Anzahl der Verfahren 2013 (1 265) merklich anstieg. Das Rekordjahr war 2014 (3 038), 2015 wurden 2 326 Verfahren gegen unerlaubt eingereiste Menschen eingeleitet. Alarmierend ist die Zahl im laufenden Jahr: Allein in der ersten Hälfte waren es bereits 1 562 Fälle.