Boeing 737 "Bruchsal"
Das Lufthansa-Flugzeug mit Kennzeichen „D-ABIH“ trug seit 1991 den Namen Bruchsal. 2014 wurde die Maschine an einen Flugzeughändler in den USA verkauft, wo sich die Spur des weißen Riesenvogels verliert. | Foto: pr

Flugzeug-Patenschaft

Fliegt die „Bruchsal“ jetzt unter US-Flagge?

Wer schon einmal mit der „Bruchsal“ geflogen ist, der durfte erfahren, dass das Fliegen an sich nicht gefährlich ist. Sondern nur die Abstürze. Von denen ist das Lufthansa-Flugzeug, dessen Patenschaft die Stadt Bruchsal vor 25 Jahren übernommen hat, aber zum Glück verschont geblieben. Eckhart von Hirschhausens Ängste waren also unbegründet, als er in einem Buch seine Begegnung mit dem Flugzeug so beschrieb: „Das klingt wie Bruchlandung und Schicksal in einem Wort!“ Doch ohne eine einzige schicksalhafte Bruchlandung erlitten zu haben, schied die Boeing 737-500 mit dem Kennzeichen D-ABIH und dem Namen Bruchsal an der Bugtür im Jahr 2014 regulär aus der Lufthansa-Flotte aus. Ende Oktober 2016 hat auch eine Boeing mit Namen Karlsruhe ihren letzten Lufthansa-Flug absolviert (die BNN berichteten).

Die Bruchsal ist 31 Meter lang und 795 Stundenkilometer schnell

Die Bruchsal hat in ihrer Lufthansa-Karriere mehr als 45 625 Flüge und 49 815 Stunden in der Luft absolviert, teilt der Konzern auf BNN-Anfrage mit. Die Maschine habe ihre Passagiere immer sicher und unfallfrei ans Ziel gebracht. „Sonst wäre sie nicht planmäßig aus der Flotte ausgeschieden, sondern schon früher“, betont Lufthansa-Sprecher Florian Gränzdörffer, der die Redaktion – wie könnte es anders sein – auf dem Weg vom Flughafen zurückruft.

Die „Bruchsal“ wurde am 22. Oktober 1991 von Carla Doll, der Ehefrau des damaligen Bruchsaler Oberbürgermeisters Bernd Doll, auf dem Frankfurter Flughafen getauft. Man setze bei der Lufthansa nun ausschließlich auf umweltfreundliche Flugzeuge, war bei der Feier damals von Konzernseite zu hören. Mit einer Reisegeschwindigkeit von 795 Stundenkilometern, 31 Metern Rumpflänge und mehr als 100 Sitzplätzen flog die Boeing „Bruchsal“ bis Ende 2014 zu Zielen in ganz Europa. Das Flugzeug war außerdem die 100. Boeing 737 in der Lufthansa-Flotte und das 2 000. Flugzeug der 737-Baureihe des Herstellers Boeing.

Lufthansa verkauft Flugzeug in die USA

Jetzt bleibt der Name der Kraichgaustadt am Boden – bis ein neues Flugzeug angeschafft wird, das sich Bruchsal nennen darf. „Natürlich wäre es schön, wenn die Lufthansa schon bald eine neue Maschine nach unserer Stadt benennt. Diese Möglichkeit gibt es ja durchaus“, teilt Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick auf Anfrage der Bruchsaler Rundschau mit. „Ansonsten konzentrieren wir uns gegenwärtig auf Projekte, mit denen wir die Entwicklung der Mobilität der Zukunft konkret mitgestalten können. Dem E-Carsharingprojekt ,zeozweifrei‘ kommt hier eine zentrale Rolle zu. Das Projekt ist sehr gut gestartet und daraus soll ein langfristiger Erfolg werden.“ Beim Kohlendioxid-Ausstoß kann die „Bruchsal“ natürlich nicht mithalten.

Flugzeugpatenschaft
Die Tradition, Flugzeuge der Lufthansa mit den Namen deutscher Bundesländer und Städte zu versehen, besteht seit 1960. Das erste geflügelte Patenkind, eine Boeing 707, erhielt den Namen „Berlin“. Seither wurden rund 300 Lufthansa-Flugzeuge auf den Namen deutscher Städte und Gemeinden getauft – so auch die „Karlsruhe“, die Ende Oktober 2016 zu ihrem letzten Flug angetreten ist (die BNN berichteten). Einmal in den Kreis der Patenstädte aufgenommen, geht der Name auf ein neues Flugzeug über, sobald die ursprünglich getaufte Maschine aus der Flotte ausscheidet. „Wenn ein Kind getauft wird, gilt sein Name auch lebenslang“, so Lufthansa-Sprecher Florian Gränzdörffer. „Die Patenschaft wird ausgesetzt und später auf ein anderes Flugzeug übertragen. Die Städte gehören weiterhin zum Kreis der Patenstädte.“

 

Der letzte Passagier-Linienflug führte die Maschine am 2. November 2014 von Graz nach Frankfurt. Danach wurde das Flugzeug in die USA verkauft und ist vom 9. bis 16. Dezember 2014 mit Tankstopps auf Island und in Bangor im US-Bundesstaat Maine überführt worden. „Die ausscheidenden 737 werden an einen Flugzeughändler in den USA verkauft – der kann dann entscheiden, ob das Flugzeug weiterfliegt oder ob man einzelne Teile wiederverwertet“, sagt Lufthansa-Sprecher Gränzdörffer. Was konkret aus der Bruchsal wurde, könne er nicht sagen. „Wir wünschen uns natürlich immer, dass die Maschine noch weiterfliegt.“