Frisches Tannengrün bildet die Grundlage der kleinen frostbeständigen Gestecke von Stephanie Kreiter. Durch einen festen, grünen Schwamm hindurch werden die Schnittpflanzen mit Wasser versorgt.
Frisches Tannengrün bildet die Grundlage der kleinen frostbeständigen Gestecke von Stephanie Kreiter. Durch einen festen, grünen Schwamm hindurch werden die Schnittpflanzen mit Wasser versorgt. | Foto: Baier

Brettens Grabkultur im Wandel

„Frosted“ Eukalyptus und kupferne Kokosnuss

20 Keramikschälchen mit Wasser stehen vor Stephanie Kreiter aufgereiht. Darin je ein grünes Stück Schwamm, umwickelt mit einem engmaschigen Drahtnetz. „Das werden kleine Grabgestecke, die frostunempfindlich sind und den ganzen Winter über halten“, erklärt sie und steckt dabei geschickt einen Zweig Tannengrün zwischen das stützende Metall. Die kleinen Pflanzen-Kompositionen, zu denen verschiedenfarbige Fruchtstände und immergrüne Elemente gehören, sind nur eine Variante von zahllosen Grabschmuck-Artikeln im Sortiment der Gärtnerei Jenner in Kraichtal-Gochsheim.

Nachfrage ist schlechter planbar

Allerheiligen, Allerseelen und Totensonntag: Im November gibt es sowohl für katholische wie auch evangelische Christen traditionelle Anlässe zum Friedhofsbesuch. Dabei müssten sich die Gärtnereien aber auf eine Friedhofs- und Trauerkultur im Wandel einstellen, meint Geschäftsführerin Kreiter: „Die Grabschmuckelemente werden deutlich kleiner, denn zunehmend mehr Menschen entscheiden sich für die Urnenbestattung. Außerdem sind für die Angehörigen die Feiertage immer weniger ein fest einzuhaltender Termin. Sie besuchen den Friedhof dann, wenn es sich in ihren Alltag integrieren lässt.“
Für die Gärtnereien ist die Nachfrage dadurch schlechter planbar. Gleichzeitig wird ein immer breiteres Sortiment gefordert. „Unsere Kunden sind anspruchsvoller als früher. Sie möchten die Gräber der Menschen, die ihnen etwas bedeuten, individuell und sogar ausgefallen schmücken“, weiß Kreiter aus Erfahrung.

Vom No-Go zum beliebten Schmuckelement

Im über 120 Quadratmeter großen Verkaufsbereich für Grabschmuck finden sich darum auch Engelsflügel, schimmernde Kugeln und große, weiß gebleichte Herzen aus Zweigen. Auch gefärbte Exoten wie Eukalyptus-Fruchtstände im Farbton „Kiwi frosted“ und rosé-glänzende Kokosschalen gehören zum Sortiment. Insgesamt dominieren Farbe und Glanz deutlich mehr, als man das bei Friedhofsgestecken zunächst erwarten würde. „Früher wären solche Schmuck-Elemente auch ein No-Go gewesen“, erinnert sich die Geschäftsführerin. „Aber heute möchten viele Kunden farbigen und gleichzeitig pflegeleichten, haltbaren Grabschmuck.“ Die Nachfrage ist dabei altersunabhängig. Nicht nur die Jungen fühlen sich von ungewöhnlichem Grabschmuck angesprochen. Für Urnengräber mit wenig Platz und speziell geschnittene Grabsteine fertigt die Gärtnerei darum auch zunehmend Einzelanfertigungen an.

Teil des Trauerprozesses

Groß oder klein, mit vielen Blüten oder immergrün: Die Grabpflege ist für manche Menschen ein wichtiger Teil des erfolgreichen Trauerprozesses, ist Stephanie Kreiters Vater Hartmut Jenner überzeugt, der die Gärtnerei mit Filialen in Kraichtal, Bretten und Sulzfeld jahrzehntelang geleitet hat. „Jeder trauert anders, das ist in Ordnung und ganz natürlich. Ich beobachte aber, dass die ältere Generation zum Urnengrab neigt, weil sie die Kinder nicht mit der Grabpflege belasten will.“ Das führe dazu, dass auch diejenigen Nachkommen, denen die Grabpflege bei der Trauerarbeit helfen würde, sich dieser weniger annähmen, bedauert Jenner.

Pflegemaßnahmen auf öffentlichen Flächen

Den öffentlichen Flächen auf dem Friedhofsgelände widmet die Stadt Bretten zum Volkstrauertag und Totensonntag besondere Aufmerksamkeit. „Seit Anfang Oktober laufen die Laub- und Schnittmaßnahmen“, berichtet Manfred Jenning vom Baubetriebshof. Der Brettener Friedhof stelle dabei wegen seiner Nähe zum Rosengarten eine Besonderheit im Vergleich mit anderen Städten und Gemeinden dar. „Die Grünpflege wird hier ja nicht nur von den Friedhofsbesuchern, sondern auch von Passanten wahrgenommen, die den Rosengarten besuchen möchten“, so Jenning. Pflege und Schmuck lassen die Mitarbeiter insbesondere den Ehrengräbern zukommen. „Dafür werden wir Erika, Calluna und Stiefmütterchen verwenden. Dass das Ergebnis farbenfroh und schön wird, ist dabei wichtiger, als der möglichst geringe Pflegeaufwand“, betont der Leiter der Abteilung Grünpflege.
Mit Blick auf Veränderungen in der Trauerkultur – zu denen beispielsweise Online-Plattformen für Betroffene oder geschmückte Gedenkplätze im häuslichen Raum gehören – sieht Jenning den Friedhofsbesuch nach wie vor als nicht zu ersetzenden Bestandteil der Trauerarbeit an. „Ich halte es für sehr wichtig, die Grabstätten von Verstorbenen, mit denen man im Leben verbunden war, persönlich zu besuchen. Leider gibt es Gemeinden, deren Friedhöfe immer mehr verwahrlosen.“ Dies biete dann nicht mehr den richtigen Rahmen für das Gedenken an die Verstorbenen.