EDLES SCHREIBGERÄT: Die Firma Robert E. Huber aus Königsbach-Stein stellt Schreibgeräte für Weltmarken her. Die Produkte aus dem Enzkreis werden unter anderem auf der Fifth Avenue oder auf den Champs Élysées verkauft.
EDLES SCHREIBGERÄT: Die Firma Robert E. Huber aus Königsbach-Stein stellt Schreibgeräte für Weltmarken her. Die Produkte aus dem Enzkreis werden unter anderem auf der Fifth Avenue oder auf den Champs Élysées verkauft. | Foto: Fabry

Robert E. Huber in Königsbach

Füllfederhalter für die Welt

Es gibt da diese Pappbecher. Einmal Kaffee daraus getrunken – und weg damit. Oder die Plastik-Kulis. Ein paar Mal benutzt, schon landen sie im Müll. Was die Robert E. Huber GmbH in Königsbach-Stein herstellt, hat hingegen Bestand. Über Jahrzehnte. „Robert E. Huber – Hersteller von Schreibgeräten für Weltmarken“, steht in dezenten Lettern auf dem Werksschild. Hier lebt noch das Understatement, auch was das britische Königshaus angeht. Doch dazu später mehr.
Firmenchef Dietmar Frei kennt die edlen Hallen von Christian Dior in Paris. Er hat bei Tiffany in New York gefrühstückt. Den verstorbenen Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell zog es hingegen zu ihm in den Enzkreis („mindestens zwei- mal im Jahr“). Und auch wenn „Porsche“ auf dem Füllfederhalter, Rollerball, auf dem mechanischen Bleistift oder Kugelschreiber steht, dann kommen diese wie Schreib-Utensilien anderer Automobilhersteller von hier aus dem Enzkreis. „So wie noch viele andere Marken, die wir nicht namentlich nennen dürfen“, sagt Juniorchef Marco Frei. Nur so viel sei verraten: Jedes Schulkind, jeder Geschäftsmann, kennt diese.

Tiffany und Christian Dior als Kunden

150 000 Schreibgeräte produziert die Robert E. Huber-Gruppe – zu der auch die Firma Etra Weber GmbH mit ihrer Edelmarke Otto Hutt gehört – nach eigenen Angaben pro Jahr. Erzeugt im Enzkreis – geliefert in viele Ecken dieser Erde. Dabei erstaunt, wie viele Arbeitsschritte in einem Füllfederhalter stecken: nämlich rund 150. Bis auf die Mechanik und Minen, die aus dem Schwarzwald bezogen werden, stellt die 1937 von Robert Eugen Huber in Pforzheim gegründete Firma alles selbst her. Spezielles Know-how und Qualität seien so garantiert, betont Dietmar Frei, der das Unternehmen 1985 mit seinem Bruder Werner gekauft hatte. Gold wert ist im wahrsten Sinne des Wortes auch die räumliche Nähe zur Goldstadt, mit ihren Scheideanstalten und Handwerksmeistern.

20 Tonnen Silber pro Jahr verarbeitet

Davon profitierte auch schon Queen Elizabeth II. Aus der Familie Frei muss man diesen Knüller förmlich herauskitzeln, so bescheiden ist sie. Also: Zum 60. Kronjubiläum bekam die Queen zehn Schreibgeräte, made in Königsbach-Stein: massiv, 18 Karat Gelbgold, mit 60 Diamanten besetzt. Alles hat bekanntlich seinen Ursprung: Stangenweise Gold oder Silber, das selbstverständlich im sicheren Safe lagert. „Wir verarbeiten im Jahr allein circa 20 Tonnen Silber für Schreibgeräte“, verrät Marco Frei. Aber auch Stangenware aus Alu, Messing und anderen Metallen.

Ein Blick in die Produktion eines Füllfederhalters: Der Langdrehautomat schnappt sich eine Silberstange, es schrillt und klackt. Der Geruch von Maschinenöl wabert durch die Luft. Und in der Maschine geht es ab, wie der Blick durchs Sichtfenster verrät. Computergesteuert stellt das Werkzeug, umspült von kühlender brauner Schmieremulsion, ein Zentimeter lange Sterling-Silber-Käppchen her, die auf einem Drehteller landen. „Das ist für einen sehr exklusiven Stift, von Paloma Picasso designed“, erklärt Marco Frei. Natürlich wird später alles picobello sauber sein. Gemessen und mit High-Tech-Geräten geprüft, weil die Teile teils nur eine Toleranz von 0,01 Millimeter haben dürfen.

Und so sägen, fräsen und messen die Automaten, die sich vollautomatisch das jeweilige Werkzeug holen. Spezialaufsätze lagern sicher verwahrt, so beispielsweise die Diamantwerkzeuge. „In diesen paar Schubladen liegt der Wert von mehreren Einfamilienhäusern“, sagt Dietmar Frei. Später greift er in eine Mini-Palette und nimmt einen Federhalter-Clip heraus. „Spüren Sie das? Der ist noch warm vom Entfetten.“

Stück kostet schon mal 800 Euro

Die Leidenschaft der Robert E. Huber-Mannschaft sind edle Schreibgeräte, die – nummeriert – im Laden pro Stück auch schon mal 800 Euro kosten können. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 habe es in der Branche aber immer größere Ausschläge gegeben. Die Freis wollen Risiken minimieren, indem sie international noch mehr Netzwerke knüpfen, wie zuletzt in Mexiko. Sie stärken ihre exklusive eigene Marke Otto Hutt, bei der die Marge höher ist. Und sie fertigen für andere Branchen. So werden auch Oberflächen von exklusiven HiFi-Anlagen bei Robert E. Huber bearbeitet.

Das ist nämlich noch so eine Domäne der königlichen Feder-Macher aus Königsbach. Hier ein Blick in die High-Tech-Lackiererei: In Reih und Glied warten die Füllfederhalter-Hülsen. Schon kommt wieder eine auf ein Karussell, dass einem beim Zuschauen schwindlig wird. Es zischt. Rasant bekommt das Metall vom Sprühautomaten seinen Lack ab. Im Zimmer nebenan trägt Theresia Mielke derweil weiche Handschuhe und nimmt jedes Teil in die Hand. Eine erste Kontrolle. „Das sind Tausende am Tag“, sagt sie.

Drüben, auf der anderen Straßenseite, im 2007 eröffneten Werksteil ist die Galvanik untergebracht. Eine Welt für sich. Viele flinke Frauenhände binden die Bauteilchen der Füllfederhalter an Metalldrähte oder fixieren sie auf andere Träger. Später bekommen sie Strom verpasst und tauchen in unzählige Becken. Teilweise schäumt es darin. Oder es blubbert. 25 Meter lang steht in zwei Reihen Becken an Becken – auch mit Platin, Palladium, Rhodium, Silber und vier Goldfarben. So futuristisch könnte es in James Bonds „Goldfinger“ zugegangen sein. Der Automat lässt sich nur ein leises Quietschen entlocken. Sachte bewegt er die Träger mit dem Füllfederhalter-Teilchen in den Bädern. Die Technik ist übrigens so ausgefeilt, dass hier erst gar kein Abwasser entsteht.

Montage erfolgt nur per Hand

Dietmar und Marco Frei marschieren weiter, vorbei an sich drehenden Bottichen, gefüllt mit verschiedenen Steinchen. Das ist die Schleiferei. Danach passieren sie Walzen mit Tüchern. Hier wird poliert. Drei Laser bearbeiten Metall, Lack oder organische Stoffe wie Holz. Oder erst die Guillochiermaschine, die kunstvolle Linienführungen auf die Kugelschreiber und Füller bringt. Eine halbe Stunde dauert das – pro Einzelteil. „Guillochieren ist ein Weltkulturerbe“, sagt Marco Frei stolz. Dann sind wieder flinke Finger gefordert: Es wird geklebt und gepresst und immer wieder verschraubt. Wie dort, wo ein Schreibgerät in Tiffany-Blau nach dem anderen in samtene Handschuhe genommen wird. Aus über 30 Einzelteilen besteht so ein Füllfederhalter. „Die Montage erfolgt nur per Hand.“

Was so in Königsbach-Stein entsteht und auf der Fifth Avenue oder auf den Champs Élysées verkauft wird, das ist kunstvoll kreiertes Schreibgerät für Connaisseure – und die können mit Wegwerf-Kulis wahrlich nichts anfangen.