Wie einst im Barock: Händels Oper "Radamisto" nur in Kerzenlicht mit barocken Gesten 2009 in Karlsruhe
Wie einst im Barock: Händels Oper "Radamisto" nur in Kerzenlicht mit barocken Gesten 2009 in Karlsruhe | Foto: dpa

Barock-Pflege bedroht

Gefahr für Karlsruher Händel-Festspiele?

Die von der Stadt Karlsruhe geplanten Sparmaßnahmen gefährden den Fortbestand der Internationalen Händel-Akademie (IHA). Plädiert der Gemeinderat im Herbst für deren Einstellung, ist bei den Händel-Festspielen mit qualitativen Einbußen zu rechnen. Ihr Renommee beruht auf der Verflechtung mit den Deutschen Händel-Solisten, der Akademie und der Händel-Gesellschaft. Das Land signalisiert seine Unterstützung, doch ohne Mittel der Stadt kann die Akademie nicht bestehen.

Das Besondere an den Karlsruher Händel-Festspielen ist, dass sie wissenschaftlich durchdrungen sind durch die Internationale Händel-Akademie. Jährlich führt sie Experten des Barock nach Karlsruhe und dient seit 30 Jahren als ständige Forschungs- und Fortbildungsstätte für Musiker und Studenten des In- und Auslandes zur praktisch-interpretatorischen Erarbeitung von Barockmusik. Zwar gibt es auch Händel-Festspiele in Halle und Göttingen, jedoch können diese nicht mit einer Kombination aus Festspielen und Meisterkursen aufwarten.

Fulminanter „Radamisto“ war Folge der Akademie

Unvergessen bleibt die Aufführung von Händels „Radamisto“ im Jahr 2009 im Stil der Entstehungszeit nur in Kerzenlicht und mit barocken Gesten. Regie führte Sigrid T’Hooft. Die Spezialistin hatte zuvor Kurse der IHA für Gestik, Barocktanz und barocke Bühnenpraktik abgehalten und damit die Neugierde des damaligen Intendanten Achim Thorwald für die Opernproduktion geweckt.

Nun aber steht die Händel-Akademie auf der Streichliste der Stadt Karlsruhe. Im Herbst soll die Entscheidung fallen. Finanziert wird die Akademie durch Stadt und Land zu gleichen Teilen. Streicht Karlsruhe die Mittel, wird das Land vertraglich nachziehen müssen. „Als die Internationale Händel-Akade- mie gegründet wurde, führte die alte Musik noch ein Schattendasein“, erklärt Karlsruhes Erster Bürgermeister Wolfram Jäger. „Inzwischen sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu jedoch Bestandteil im Unterrichtsangebot an den Hochschulen des Landes.“ Demnach sieht er als Kulturbürgermeister keine Notwendigkeit, dieses Ausbildungsangebot für Spezialkenntnisse kommunal zu finanzieren.

Nach Ansicht der Regisseurin Sigrid T’Hooft wäre das Wegfallen der Akademie ein herber Verlust für die Barock-Pflege in Deutschland. „Karlsruhe hat unglaublich viel bewegt in der historischen Aufführungspraxis“, sagt sie. Es gebe im Bereich des Singens nach historischen Quellen und Operninszenierung noch sehr großen Bildungsbedarf, aber in Deutschland kein einziges Kursangebot zur Vertiefung in diesem Bereich. Dieser Unterricht stehe und falle laut T’Hooft momentan mit der IHA in Karlsruhe.