Ziemlich unheimlich: Die Geisterjäger lassen sich nachts in alte Gemäuer einschließen, um sich auf die Suche nach paranormalen Phänomenen zu machen
Ziemlich unheimlich: Die Geisterjäger lassen sich nachts in alte Gemäuer einschließen, um sich auf die Suche nach paranormalen Phänomenen zu machen | Foto: Wollenschneider

Bruchsaler jagen Geister

Sie sind dem Unerklärlichen auf der Spur

Es waren Rufe, Gerüche, Schritte. Eigentlich unerklärlich. Nach dem Tod des Großvaters hat die damals sechsjährige Anke Carver den Geist des Opas im Haus noch gespürt. Auch andere Familienmitglieder meinten, eine Energie im Haus wahrzunehmen.

In den Kasematten hat es gespukt

Heute, Jahre später, steht die Bruchsalerin den „Spirit Hunters Germany“ vor. Eine neue Gruppe aus sechs Leuten, die paranormalen Phänomenen auf den Grund geht. Vor kurzem erst geisterten die sechs Geisterjäger in den Kasematten von Rastatt umher. Und siehe da: Es hat gespukt. Stimmen von untoten Revolutionären wurden erfasst, unerklärliche Phänomene wahrgenommen. Auch in der Tiefburg bei Handschuhsheim und in der Burg Frankenstein bei Darmstadt haben die Spirit Hunters schon ihre Gerätschaften aufgebaut.

Manche haben nur Spott übrig

„Wir gehen sehr wissenschaftlich an die Sache ran“, erklärt Carver im BNN-Gespräch. Sie bezeichnet sich selbst als Paranormal-Forscherin. Ihr ist bewusst, dass viele für ihr ungewöhnliches Hobby nur Spott übrig haben. Das stört aber die Geisterjäger nicht. „Jeder hat seine eigene Einstellung zum Leben.“ Sie selbst kann beispielsweise mit UFO-Jägern nicht viel anfangen. „Die Menschen denken heute einfach nur noch sehr rational. Aber der Geisterglaube existiert schon seit Jahrhunderten“, so Carver.

Wir Menschen bestehen aus Energie

Die Theorie der Jäger: „Wir Menschen bestehen aus Energie. Und diese Energie verschwindet nicht, nur weil einer stirbt.“ Immer wieder werden die Geisterjäger von Privatleuten angesprochen, die glauben, nach dem Tod eines Verwandten paranormale Beobachtungen zu machen. „Oft gibt es dafür aber ganz natürliche Erklärungen“, weiß Carver. Ihr ist wichtig, erst alle möglichen erklärbaren, etwa physikalischen, Ursachen auszuschließen, bevor man wirklich von Geistern spricht.

 

Zuletzt erforschten die Spirit Hunters um Anke Carver (Dritte von rechts) die Kasematten in Rastatt
Zuletzt erforschten die Spirit Hunters um Anke Carver (Dritte von rechts) die Kasematten in Rastatt | Foto: Wollenschneider

Geister werden mit moderner Technik gejagt

Kistenweise Ausrüstung wird angeschleppt, wenn die Gruppe einen Ort untersucht. In den Rastatter Kasematten etwa haben die Geisterjäger zunächst alle Stromleitungen erfasst und sonstige natürliche Störquellen ausgemacht, bevor sie 220 Meter Kabel verlegt haben, um ihre Geräte anzuschließen.
Diktiergeräte, Kameras, Nachtsichtgeräte, Geräte, um Elektrosmog aufzuspüren, Lichtschranken, sogenannte Spirit-Boxen und vieles mehr ist in den Koffern. „Ich habe sicher 2 000 Euro in die Ausrüstung gesteckt“, verrät Carver, die von Beruf Hörakustik-Meisterin ist. „Wir lassen uns gerne nachts einschließen. Dann hat man einfach weniger Umgebungsgeräusche.“

Wir stehen zwischen Kirche und Wissenschaft

 

Klar ist das auch mal unheimlich, berichten die Hunters. Manchmal stellen die Geisterjäger Gegenstände auf, einen Teddybären etwa, und schauen, ob er immer am selben Platz bleibt oder womöglich von Geistern bewegt wird. „Ich habe die Anwesenheit von Entitäten schon hautnah gespürt“, erzählt Carver. Ein Junge etwa, der sie gepikst hat, oder ein Geist, der ihr die Haare zu Berge stehen ließ. Entitäten, so nennt die Szene die Wesen, die Energien. Angst habe sie vor ihnen nicht. Carver glaubt nicht daran, dass Geister böse sind. „Uns geht es nur darum, ihre Anwesenheit zu erforschen und zu dokumentieren. Wir stehen quasi zwischen Kirche und Wissenschaft.“

Neugier verdrängt die Angst

 

Anfänglich Ängste wurden von der Neugier, etwas zu erforschen, verdrängt. Gerne nehmen die Geisterjäger Gäste mit, um sie an das Thema heranzuführen.
Öffentliche alte Gemäuer, Burgen oder Schlösser sind für die „Forscher“ besonders interessant für ihre „paranormalen Untersuchungen“, wie sie es nennen. Nach mehrstündigen meist nächtlichen Aufenthalten ist die Arbeit der Geisterjäger längst nicht getan. Die Auswertung aller Ton- und Bildaufnahmen dauert oft mehrere Wochen. Man tauscht sich aus, etwa über Schatten auf Fotos, unklare Tonaufnahmen und dokumentiert alles, was nicht mit rechten Dingen zugehen kann.

Die Dokumentationen und Kontaktdaten zu den Geisterjägern finden sich hier online.