Bildunterschrift für 3 Bilder, die nicht zusammen gehören
Bildunterschrift für 3 Bilder, die nicht zusammen gehören | Foto: Ottmüller

Briegelacker Baden-Baden

Gelebte Integration

Bunt und weltoffen, das ist die Stimmung im Briegelacker, so Frank Herzberger vom Caritasverband für die Stadt Baden-Baden, der das Stadtteilzentrum Briegelacker leitet, das vor 20 Jahren als Anlaufstelle für Flüchtlinge und Spätaussiedler mit dem Ziel gegründet wurde, generationenübergreifende Integration möglich zu machen. Dieses gewachsene Miteinander, das Gemeinschaftsgefühl im Stadtviertel sei für Besucher des Stadtteilfestes zu spüren, findet Herzberger. Es ist eine freundliche Atmosphäre, interkulturell wird gelebt.

Beim Fest packten alle mit an, jedes Jahr gibt es genügend Helfer, darunter auch ehemalige Bürger des Stadtteils und auch immer wieder vielfältige Angebote.
Während früher die einzelnen Stände nach Herkunftsländern getrennt waren, findet man seit einer Weile gemischte Gemeinschaftstände, an denen man sich Speisen aus aller Welt schmecken lassen kann. Für das kulturelle Programm sorgten verschiedene kulturelle Vereine, darunter die Afrikanische Tanzgruppe, der Türkisch-Deutsche Verein, die Talking Drums, die Trachtengruppe Alt Baden-Badener Bürger, die Bläserklasse der Realschule. Für Groß und Klein wurden jede Menge Spiele angeboten, Handarbeitsstände luden ein und wer wollte, konnte sich afrikanische Zöpfe flechten lassen. Großes Interesse löste auch der auf offener Flamme geröstete eritreische Kaffee aus, den Frauen des Eritreischen Kulturvereins zubereiteten, wo sich auch Tewelde Foto aufhielt, der sich im Verein engagiert.

Viele Kulturen
unter einem Dach

„Ich bin sehr glücklich in Deutschland und bin froh, hier gelandet zu sein“, betont Tewelde Foto, der 1986 als Flüchtling nach Baden-Baden kam, da sein Heimatland Eritrea von einem Bürgerkrieg erschüttert wurde. Zuerst war es schwierig in Deutschland zurecht zu kommen, dann lernte er die Sprache und fand über den Sport Freunde. Inzwischen hat er sich in der Kurstadt bestens eingelebt. Seine erste Wohnung war im Stadtteil Briegelacker, wo er viele soziale Kontakte pflegt und wie selbstverständlich beim Stadtteilfest mithilft. „Das wichtigste zur Integration ist die Sprache“, bestätigt auch Berhane Gheremaren, der bereits seit 1981 in Baden-Baden lebt.

Tewelde Foto ist froh, dass er damals sofort einen sechsmonatigen Sprachkurs machen konnte. Zudem begann er, Volleyball zu spielen und lernte über den Sport und im Verein Baden-Badener kennen, mit denen er noch heute befreundet ist. Beim diesjährigen Stadtteilfest im Briegelacker saßen sie zusammen an einem Tisch und genossen traditionelle eritreische Speisen, die der Eritreische Kulturverein im Gemeinschaftsstand, an dem es Gerichte aus Deutschland, Frankreich, der Türkei, Russland, vom Balkan, Somalia und Eritrea zu entdecken gab, anbot. „Ich wurde gut aufgenommen“, bekräftigt er noch einmal, „und fühle mich sehr gut integriert.“ Geholfen hätten hier seine Freunde, denn man habe sich auch privat getroffen, einander zu sich nach Hause eingeladen, was jedem die Kultur des anderen näher brachte. „Unsere Kinder sind dann zusammen aufgewachsen und das war super“.

Die eigene Kultur pflegen er und seine Landsleute im Eritreischen Kulturverein, der unter anderem den Kindern die Muttersprache ihrer eritreischen Eltern beibringt und die Kultur vermittelt. „Wir pflegen unsere Kultur, denn sie ein Teil von uns und wir haben alle immer noch Kontakt zu unserer Heimat, besuchen dort Freunde und Verwandte“, so Berhane Gheremaren. Der Verein leistet auch Hilfestellung für neu ankommende Flüchtlinge, die in Baden-Baden untergebracht sind. „Wir gehen mit zum Arzt oder zu Behörden, denn das ist schwer wenn man neu ist in einem Land“, gibt Berhane Gheremaren seine Erfahrungen weiter.

Beatrix Ottmüller