Klappe, Film läuft:  Helmut Schiffner hält in der Rolle des Anstaltsgründers Christian Roller eine Ansprache an die „Pflegerinnen“ der Illenau.
Klappe, Film läuft: Helmut Schiffner hält in der Rolle des Anstaltsgründers Christian Roller eine Ansprache an die „Pflegerinnen“ der Illenau. | Foto: Daniela Busam

Filmprojekt in Achern

Gemeinsames Interesse an der Illenau

Von Wolfgang Winter

Die Geschichte der einstigen Acherner Heil- und Pflegeanstalt Illenau von der Gründung bis zur Gegenwart wird seit Februar in einem Dokumentationsfilm aufgearbeitet. Die 90-minütige Endfassung soll im September 2017 zum 175. Jubiläum der Illenau ihre Uraufführung in Achern erleben.

Die Zuständigkeiten sind beim vierköpfigen Produktionsteam des Films klar verteilt. Der Germanistik-Student Frank König kümmerte sich um die Recherche, führt Regie und bedient die Kamera. König hat bereits mehrere Imagefilme, darunter eine 70-minütige Dokumentation über die historische Schuhsammlung von Siegfried Stinus gedreht. Sein Freund Sebastian Lermen, mit dem er zusammen einige Jahre die Schulbank des Acherner Gymnasiums drückte, zeichnet für den Drehplan und die spätere Vermarktung des Films verantwortlich.

Lermen erinnert sich noch gut daran, wie er als Fünftklässler unter der Leitung von Jürgen Franck beim Bau der Bühne im Festsaal der Illenau mitwirken durfte. „Damals hat die Illenau auf mich ganz besonders gewirkt“, erklärt der studierte Maschinenbauer, der zur Zeit einen Abschluss als Geschäftsmanager (MBA) anstrebt und außerdem im begleitenden Projektmanagement tätig ist. Auch Emre Ozlü (Schnitt) und Daniel Gerhard (Ton, Musik) sind auf ihren Gebieten kompetent, obwohl sie nach dem absolvierten Studium zur Zeit noch Berufe außerhalb des Filmgeschäfts anstreben.

20 Amateur-Schauspieler

Die vier Freunde verbindet das gemeinsame Interesse an der Geschichte der Illenau die zum ersten Mal in einer breit angelegten Dokumentation aufgearbeitet werden soll. Rund 80 Prozent des Materials sind bereits gedreht. Am Anfang stand die Befragung eines achtköpfigen Expertenteams auf dem Programm. Unter anderem wurden Stadtarchivarin Andrea Rumpf, Winfried Hoggenmüller, Walther Stodtmeister, Jürgen Franck und Helene Lanig befragt. Ihre Aussagen werden in authentischen Spielszenen vor Augen geführt.

Rund 20 Acherner Amateur-Schauspieler wirken an der Produktion mit. Die Mehrzahl zählt zum Ensemble des Illenau-Theaters. Helmut Schiffner ist in der Rolle des Anstaltsgründers Christian Roller zu sehen. Beim gestrigen Drehtag hielt er zum Beispiel vor einigen authentisch gekleideten „Pflegerinnen“ eine kleine Ansprache zum Thema „Liebe – Diene“, bei der im Hintergrund auch ein Patient (Simon Weck) zu sehen war.

In einer weiteren Szene steht der Patient in einer gestern im Eiskellerwald entstandenen Szene im Mittelpunkt. Auch hier stimmt so gut wie jedes Detail, wurde doch der für den Patienten benötigte Rollstuhl eigens in der Heilanstalt Emmendingen ausgeliehen.
Rund ein Drittel des Films soll in der Gründerzeit der Anstalt spielen, weit über ein Drittel beleuchtet ihren Aufstieg bis zur Auflösung der Anstalt. In der Dokumentation werden außer den Spielszenen auch historische Fotos des Anstaltslebens gezeigt, die das Stadtarchiv zur Verfügung stellte.

Unterstützung vom Oberbürgermeister

Am Ende wird die Nachkriegsgeschichte der Illenau ins Bild gerückt. Für die Neuzeit stellte sich auch Oberbürgermeister Klaus Muttach als Interviewpartner zur Verfügung. Muttach habe das perfekt zum Anstaltsjubiläum passende Filmprojekt sehr begrüßt, erklärte König. Die Drehgenehmigung wurde problemlos erteilt und die Zusammenarbeit mit der Verwaltung sei „ausgezeichnet“.

Die letzten, stimmungsvollen Szenen sollen im Winter entstehen. Bisher sei vieles schief gelaufen – „als ob die Illenau sich gegen unsere Filmarbeiten wehren würde“, erzählt Lermen. So sei der Vollmond in den entscheidenden Momenten wiederholt von Wolken verdeckt gewesen – oder mitten im Dreh habe plötzlich das durchdringende Geräusch einer Motorsäge eine Tonaufnahme verpatzt. Jetzt ist jedoch die Crew zuversichtlich, sogar schon bald mit der Nachbearbeitung und Schnitt des Filmmaterials beginnen zu können.