Genossen im Fokus: Die "genössliche Schlammschlacht", die sich zwei Funktionäre der SPD in Pforzheim und dem Enzkreis lieferten, ist ausgestanden.
Genossen im Fokus: Die "genössliche Schlammschlacht", die sich zwei Funktionäre der SPD in Pforzheim und dem Enzkreis lieferten, ist ausgestanden. | Foto: dpa

"Genössliche" Schlammschlacht

Pforzheimer SPD-Spitze streitet vor Gericht

Kabale und Liebe, Intrigen und wüste Beschimpfungen: Wer schon immer mal hinter die Kulissen der Sozialdemokratie blicken wollte, der war am Mittwoch im Karlsruher Landgericht an der richtigen Adresse. Die Vorsitzende des Jugendgemeinderates und Vorstandsmitglied der Pforzheimer SPD, Patricia Pfisterer, wehrt sich vor Gericht gegen schlimme Tiraden, die sie dem Vorsitzenden der Enzkreis-SPD, Nils Nonnenmacher, vorwirft. Es geht um Ausdrücke wie „fette Kuh“, „Schlampe“ und „Kesselfrieda“. Der Chefgenosse des Landkreises streitet alles ab und klagt seinerseits auf Unterlassung.

„Schlampe“ und „Kesselfrieda“

Ganz unten im Bodensatz all der heftigen Vorwürfe, der die zwei Kreisverbände Pforzheim und Enzkreis nun schon seit fast einem Jahr offensichtlich stärker beschäftigt als Landtagswahlen und Sparpakete, räkelt sich das bittere Gebräu einer unglücklichen Juso-Romanze. Die Besetzung des Schauspiels gleicht einer Vollversammlung regionaler Sozi-Größen. Pfisterers Anwalt ist der stellvertretende Kreisvorsitzende der Goldstadt-SPD, Christoph Mährlein.

Als Zeugen treten auf der städtische Kreisvorsitzende Frederic Striegler, der Pressesprecher der Kreis-SPD, Matthias Lajer und der ehemalige Juso-Delegierte Jonathan Koch. Bei einem nächsten Termin wird wohl der ehemalige Landtagsabgeordnete Thomas Knapp in den Zeugenstand treten müssen. Richter Constantin Hofmann regte gar scherzhaft an, den Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel per Telefonkonferenz an den Auseinandersetzungen zu beteiligen.

Richter will SPD-Chef Gabriel anrufen

Pfisterer ist tief gekränkt, weil ihr unter anderem der Kreisvorsitzende Striegler erzählt hat, Nonnenmacher habe sie mit den oben genannten Beleidigungen belegt, sie der absichtlichen Zerstörung seiner Beziehung bezichtet und amouröses Eigeninteresse an seiner – Nonnenmachers- Person unterstellt.

So vielschichtig wie die gegenseitigen Vorwürfe sind auch die juristischen Winkelzüge. Pfisterer hat Nonnenmacher vor dem Amtsgericht Pforzheim auf Schmerzensgeld, Unterlassung und eine Entschuldigung verklagt. Nonnenmacher konterte mit einer Klage auf Unterlassung vor dem Landgericht. Beim ersten Karlsruher Termin war man offenbar einer Schlichtung schon sehr nahe gekommen. Pfisterer allerdings lehnte den Kompromiss gestern ab, weil sie auf eine förmliche Entschuldigung Nonnenmachers besteht.

Gescheiterte Juso-Romanze

Richter Hofmann sprach der 19-Jährigen ins Gewissen. „Ist Ihnen bewusst, was das für Kreise zieht und dass das die Partei schädigen kann? Bereits jetzt stehen ehemalige Landtagskandidaten auf der Zeugenliste.“ Pfisterer indes blieb hart. „Kann man von einer jungen Frau verlangen, dass sie sich derlei Beleidigungen in der SPD gefallen lassen muss“, sprang ihr Verteidiger Mährlein bei.

Tiefes Zerwürfnis zwischen SPD-Kreisverbänden

In Nebensätzen der Zeugen konnte man auch tiefe Zerwürfnisse zwischen den benachbarten Kreisverbänden der Sozialdemokraten erahnen. So gab es „wechselseitige Vorwürfe, die Kreisverbände nähmen es bei der Vertrauenswürdigkeit nicht so genau“, fasste der Richter schließlich zusammen. Er war es auch, der fragte, ob in diesem Prozess nun genug Schaden angerichtet sei, oder ob man sich noch zu einem dritten Termin treffen müsse. Die Streitparteien äußerten wage Hoffnung, sich auf eine Einstellung der Karlsruher Front einigen zu können und künftig nur noch vor dem Amtsgericht Pforzheim weiter zu streiten. Hofmann traut dem Frieden nicht und vereinbarte hilfsweise schon mal einen weiteren Prozesstermin für den Frühherbst.