Sein Herz schlägt für die Fliegerei: Patrik Ullrich ist einer der Fluglehrer beim Aeroclub Baden-Baden. Der 58-Jährige kam mit 15 zur Fliegerei und bringt seit 36 Jahren anderen das Fliegen bei.
Sein Herz schlägt für die Fliegerei: Patrik Ullrich ist einer der Fluglehrer beim Aeroclub Baden-Baden. Der 58-Jährige kam mit 15 zur Fliegerei und bringt seit 36 Jahren anderen das Fliegen bei. | Foto: Bernd Kappler

Segelfliegen in Baden-Baden

Genuss aus der Vogelperspektive

Fliegen zu können, das ist einer der ältesten Träume der Menschheit. Und: Er ist erfüllbar. Am kommenden Samstag zum Beispiel, wenn der Aeroclub Baden-Baden Kinder von acht bis 14 Jahren im Rahmen des Ferienspaßes zum Schnupperfliegen einlädt. 30 dürfen mit.

„Nein, damals gab es noch keinen Ferienspaß. Fliegen war für mich einfach nur ein Traum.“ – Patrik Ullrich, heute 58 Jahre alt, kam als 15-Jähriger zur Fliegerei und damit zum Aeroclub. Der gebürtige Ooser war ganz einfach fasziniert von startenden und landenden Flugzeugen auf dem damals noch „richtigen“ Ooser Flugplatz. Bereits sieben Jahre später hatte er, 22 Jahre alt, das Diplom als Fluglehrer in Händen und heute, 36 Jahre später, hat er unzähligen Flugschülern den Umgang mit dem Segelflieger beigebracht.
Bereits mit 14 Jahren kann man das Fliegen lernen, erklärt Patrik Ullrich, vorausgesetzt die Eltern sind einverstanden und der Flugschüler oder die Flugschülerin haben den ärztlichen Nachweis in der Tasche, dass sie flugtauglich sind.

Ein beliebtes Ziel: Der Überflug über den Baden-Badener Hausberg Merkur. Oben die markante Wegspinne am Binsenwasen.
Ein beliebtes Ziel: Der Überflug über den Baden-Badener Hausberg Merkur. | Foto: Bernd Kappler

Nach 40 bis 60 Starts und Landungen ist dann unter Aufsicht des Fluglehrers der erste Alleinflug möglich und – Talent und Fleiß vorausgesetzt – nach weiteren zwölf Monaten der erste Überlandflug über 50 Kilometer. Zwischenzeitlich müssen die Flugschüler aber auch theoretisch fit werden. Navigation, Meteorologie, Technik, Verhalten in besonderen Fällen, menschliches Leistungsvermögen, Luftrecht und anderes müssen gepaukt werden. Beim Regierungspräsidium Karlsruhe geht es dann zur Prüfung. Patrik Ullrich: „Wer gut drauf ist, kann den Flugschein nach eineinhalb Jahren in Händen halten.“

Hobby erfordert Opfer

Allerdings: Wer sein Herz, wie Patrik Ullrich an die Fliegerei verloren hat, der muss auch viel Freizeit opfern, denn die Segelfliegerei bleibt nur dann für alle erschwinglich, wenn alle auch zupacken. Der Flugbetrieb will organisiert, der Platz unterhalten sein. 65 Arbeitsstunden pro Jahr sind Pflicht. Zur einmaligen Aufnahmegebühr von 280 Euro, kommt eine Ablösegebühr in gleicher Höhe als Beitrag fürs Flugzeug und der Jahresbeitrag kostet 470 Euro. Jugendliche zahlen jeweils die Hälfte. Beim Fliegen wird eine Startgebühr von fünf bis 25 Euro fällig, je nach Höhe, in die man vom Schleppflugzeug gezogen werden will. Teuer? – Patrik Ullrich relativiert: „Auch nicht teurer als ein Fitnessstudio.“ 150 Mitglieder zählt der Club aktuell.
Und wie sicher ist das Ganze? – Aus Sicht des erfahrenen Fliegers sehr sicher. Abstürze sind selten, wobei der 58-Jährige erneut relativiert: „Es gibt mutige und alte Piloten, aber keine mutigen alte.“ Will heißen: Wer mit kühlem Kopf – und das sollten Segelflieger eben als Grundvoraussetzung mitbringen – ins Flugzeug steigt, wird viel Spaß mit dem Hobby haben. Und: Man lerne das ganze Fliegerleben nie aus.

Nervenkitzel kommt auf, wenn der Segelflieger dicht am Alten Schloss in Baden-Baden vorbeirauscht.
Nervenkitzel kommt auf, wenn der Segelflieger dicht am Alten Schloss in Baden-Baden vorbeirauscht. | Foto: Bernd Kappler

Zum Lernprogramm zählen auch die so genannten Außenlandungen. Vier- oder fünfmal im Jahr – laut Ullrich weniger als ein Prozent aller Starts – müssen sich die Piloten eine Fläche im Gelände suchen, weil der nächste Flugplatz nicht mehr erreicht werden kann. Ullrich: „Wir haben halt keinen Motor.“ Da die Flugzeuge technisch immer besser werden, verringert sich andererseits dieses Risiko. Moderne Flugzeuge können ohne jeden Aufwind aus 1 000 Meter Höhe rund 50 Kilometer weit fliegen.

Wer selbst fliegt oder mitfliegen darf, den erwartet dann über Baden-Baden Fantastisches. Von oben betrachtet wird das Paradies an der Oos erst so richtig sichtbar. Immer wieder ein Höhepunkt mit ganz neuen Perspektiven ist das Gleiten über den Hausberg Merkur oder ein Vorbeiflug am Battert und am Alten Schloss.