Mehr als nur Husten und Schnupfen macht das Arbeitsgebiet eines Hausarztes aus. Medizinstudenten wird jedoch häufig der Eindruck vermittelt, der Beruf sei langweilig.
Mehr als nur Husten und Schnupfen macht das Arbeitsgebiet eines Hausarztes aus. Medizinstudenten wird jedoch häufig der Eindruck vermittelt, der Beruf sei langweilig. | Foto: dpa

Studenten wollen mehr Infos

„Der Hausarzt braucht einen 360-Grad-Blick“

Von unserem Mitarbeiter
Klaus Müller

Schlecht bezahlt, viel Arbeit, 24 Stunden am Tag abrufbar, zu wenig Abwechslung in der Arbeit. So oder so ähnlich könnte bei vielen Medizinern, auch bei angehenden, das Bild vom klassischen Hausarzt – oder, wer will, vom „Landarzt“ – aussehen. Solche Vorurteile gebe es tatsächlich, befand nun die Landesvertretung der Techniker Krankenkasse Baden-Württemberg (TK). Seit geraumer Zeit rührt nicht nur diese Krankenkasse die Werbetrommel für den Beruf des Hausarztes und kämpft dabei gleichzeitig gegen noch immer bestehende Vorurteile an: „Der Hausarzt als schlecht bezahlter Einzelkämpfer ohne Freizeit und mit geringem Ansehen in der medizinischen Fachwelt – dieses Bild stimmt längst nicht mehr.“
Im Gespräch mit angehenden Ärzten lässt sich diese Einschätzung allerdings nur bedingt bestätigen. Dazu gleich mehr. Bei der „Hausarzttour 2015“ durch Baden-Württemberg, angeboten von der TK, machten insgesamt zwölf Medizinstudenten aus ganz Deutschland auch Station in Karlsruhe, in der Notfallpraxis am Städtischen Klinikum. Zudem stehen auf dem Tourplan direkte Gespräche mit niedergelassenen Hausärzten. Es ist inzwischen die dritte Auflage des Angebotes.

„Hausarzttour“ soll Vorurteile abbauen

Dass sich mit diesen überschaubaren Teilnehmerzahlen das Problem (stark) rückläufiger Hausarztzahlen nicht lösen lässt, stellt TK-Sprecher Hubert Forster erst gar nicht in Abrede. Er sieht das Angebot vielmehr als eine Möglichkeit, die wichtige Bedeutung des Hausarztberufs wieder mehr in die Öffentlichkeit zu bringen. Und vielleicht würden bei so einer Tour ja auch Vorurteile abgebaut.
Was das angehe, müsse eh mehr geschehen – nicht zuletzt in den Krankenhäusern, meinten die Studenten. Gerade in den Krankenhäusern würden viele Kollegen ein eher negatives Bild über den Hausarzt vermitteln, berichtete Studentin Anne Maja Friemann (Bonn). Der Job sei langweilig. Es gehe ja nur um Husten und Schnupfen. Klar, räumte die Gruppe ein, solche Aussagen könnten einen beeinflussen.
Solche „Bewertungen“ sind übrigens nicht neu, die gibt’s schon länger. Das habe viel mit dem Blickwinkel des jeweiligen Arztes und seiner augenblicklichen Tätigkeit zu tun, befand Michael Kästel, ärztlicher Leiter der Notfallpraxis Karlsruhe und selbst Facharzt für Allgemeinmedizin. Jeder spezialisierte Arzt habe einen bestimmten Blickwinkel mit Auswirkungen, wie er andere Kollegen bewerte. Da lässt sich ja fast schon von eingeschränktem Blickwinkel sprechen. Anders freilich, so auch die Schlussfolgerung der Studenten, sollte es beim Hausarzt sein. Der benötige nämlich einen 360-Grad-Blick und müsse eben alles im Auge behalten.
Und wie sieht es mit dem Blickwinkel der Tourteilnehmer aus? „Die Infos, die Gespräche hier sind wichtig, um überhaupt einen Eindruck zu bekommen“, sagt Konstanze Hengelhaupt (Lübeck). Einen Schritt weiter ist da Jelena Baake (Marburg), die sich durchaus als Hausärztin auf dem Land sehen kann – wegen der Familie und Kindern, die auf dem Lande aufwachsen sollten. Auch für Alexander Bott ist der Gedanke, „irgendwann“ einmal Hausarzt zu werden, nicht abwegig – dann aber in der Stadt.
Was sich die angehenden Mediziner wünschen? Mehr Infos im Studium über den Beruf des Hausarztes und darin eingeschlossen Infos über Praxisübernahmen oder Neugründungen.