Soll die Kirchturmuhr von St. Peter und Paul auch in der Nacht schlagen?
Soll die Kirchturmuhr von St. Peter und Paul auch in der Nacht schlagen? | Foto: Ulrich Coenen

Stadt plant Umfrage

Glockenstreit in Bühl

Sollen die Glocken von St. Peter und Paul auch in der Nacht die Stunden anzeigen? Um diese Frage ist in Bühl ein Streit entbrannt, der nun in die nächsten Runden geht.  Nun hat Heidi Knappe, Initiatorin einer Aktion für den Glockenschlag, eine Liste mit genau 164 Unterschriften an Oberbürgermeister Hubert Schnurr überreicht. „Das sind Bürger, die in großer Nähe zur Kirche wohnen und sich dennoch für den Glockenschlag aussprechen“.

Juristisch korrekt

Schnurr sagte zu, dass die Stadtverwaltung eine Umfrage machen will, um die Meinung vieler in der Innenstadt wohnenden Bürger zu dem strittigen Thema zu erfahren. „Das machen wir juristisch korrekt, das braucht eine Vorlaufzeit“, so der Stadtchef, der Knappe versprach, sie in der letzten Oktoberwoche über das Prozedere zu informieren. Heidi Knappe wiederum informierte im Pressegespräch darüber, dass sich mittlerweile das Südwestfernsehen (Landesschau) für den Streit interessiere, am Donnerstag kommender Woche sei die TV-Ausstrahlung über die Geschichte geplant.

Kirchturmuhr war verstummt

Ausgangssituation zu dieser Kontroverse war, dass im Juni 2015 vermutlich ein Blitzschlag die Kirchturmuhr „durcheinander“ gebracht hatte – sie war damals verstummt. Anwohner machten in der Folge deutlich, dass die Stille durchaus begrüßenswert sei; sie fragten bei der Stadt an, ob man grundsätzlich auf den nachtlichen Glockenschlag verzichten könne. Die Stadtverwaltung beauftragte darauf hin ein Schonacher Unternehmen, das ein Schlagwerk mit Nachtabschaltung einbauen sollte. Das bedeutet, dass der Stundenschlag seither letztmals um 22 Uhr ertönt – und dann erst wieder um sieben Uhr am Morgen. Finanziert wurde diese Umstellung laut Stadtverwaltung von privater Seite – auch das ein Kritikpunkt von Heidi Knappe, die erneut ihre Verwunderung darüber zum Ausdruck brachte und von OB Schnurr wissen wollte, wer denn nun dieser Spender gewesen sei.

Europäisches Kulturgut

Die Argumente Knappes – und damit jener Bürger, die unterschrieben haben – sind im Anschreiben an den OB zusammengefasst, das gestern ebenfalls übergeben wurde: Eine lieb gewordene Tradition, die darüber hinaus altes europäisches Kulturgut ist, sei aufgegeben worden – und das ohne Befragung der Bürger oder Anhörung im Gemeinderat. Als Kompromiss wird in dem Schreiben vorgeschlagen, auf die nächtlichen Viertelstundenschläge zu verzichten und einen „Ruhekorridor“ von 1 bis 7 Uhr einzurichten.

„Ruhe soll bleiben“

Neben der vehementen Bitte an Schnurr, eine Umfrage zu starten, bestand Heidi Knappe darauf, den Gemeinderat in die Entscheidung einzubeziehen. Schnurr bedeutete, dass man sich erst in der vergangenen Woche in der Runde der Fraktionsvorsitzenden beraten habe mit dem Ergebnis, die Glockenschlagtaktung so zu lassen, wie sie jetzt ist. „Die Ruhe in Bühl soll bleiben“, war man sich einig. Zudem erinnerte der Stadtchef daran, dass man die Frage auch mit dem Pfarrgemeinderat diskutiert habe.

In der Regel  wird das Gegenteil verlangt

Ganz generell zeigte sich Hubert Schnurr, der von einer großen Mehrheit der Bürger für die derzeitige Ruhephase ausgeht, schon verwundert über das Ansinnen der Gruppe: „Eine solche Initiative ist wohl einmalig in der Bundesrepublik – in der Regel wird das Gegenteil verlangt; es gibt sogar Urteile, die die nächtliche Ruhe ohne Glockenschlag bestimmen“.
Wie kontrovers das Thema in der Bevölkerung diskutiert wird, das hatte sich auch Ende August bestätigt: Wahrscheinlich war damals bei Wartungsarbeiten der Anlage die Schaltung versehentlich verändert worden – in der Folge erklang der nächtliche Glockenschlag wieder. An die Stadtverwaltung gingen deshalb Dankadressen, an Pfarrer Geißler Beschwerden.