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GOOGLE TO GO: Das neue Smartphone Pixel bindet den Benutzer noch enger an den Online-Konzern. | Foto: Mablango/epa

Neues Smartphone im Test

Google Pixel: Schön, schlau, teuer

 

 

 

 

 

Von Till Simon Nagel

Rein optisch ist es Liebe auf den ersten Blick. Googles neues Smartphone Pixel sieht aus, wie sich viele das neue iPhone gewünscht hätten. Ein Aluminiumgehäuse in Mattschwarz, sanft gerundete Kanten, keine vorstehenden Kameralinsen und: ein analoger Kopfhöreranschluss.

HAT ANSCHLUSS: Anders als beim neuen iPhone darf man beim Pixel noch Kopfhörer anstöpseln. Foto: Warnecke
HAT ANSCHLUSS: Anders als beim neuen iPhone darf man beim Pixel noch Kopfhörer anstöpseln.  Foto: Warnecke

Doch das fünf Zoll große Pixel und das 5,5 Zoll große Pixel XL sind mehr als Designstücke. Sie sind der kürzeste Weg zu allen Google-Diensten. Hießen die Smartphones des Onlineriesen bislang Nexus und kamen mit Schriftzügen von LG oder Motorola, ziert die Pixel nur ein diskretes G.

In der Glasplatte an der Rückseite ist ein Fingerabdruckleser eingelassen. Er entsperrt das Telefon ruck-zuck, hat aber keine Funktion als Home-Button. Foto: Warnecke
SICHERHEIT: In der Glasplatte an der Rückseite ist ein Fingerabdruckleser eingelassen. Er entsperrt das Telefon ruck-zuck, hat aber keine Funktion als Home-Button. Foto: Warnecke

Im Inneren steckt neueste Hardware: Qualcomms Snapdragon 821 mit acht Kernen, vier Gigabyte (GB) Speicher, 32 oder 128 GB Platz für Fotos, Videos und Apps, diverse Sensoren, ein Fingerabdruckleser und Schnellladetechnologie für den 2770 Milliamperestunden (3450 im Pixel XL) fassenden Akku. Wasserdicht sind beide Pixel nicht.

 ÜBERZEUGEND: Zwölf Megapixel Auflösung, maximale Blendenöffnung von f2.0, erweiterte Farb- und Kontrastdarstellung - die Hauptkamera des Pixel gehört zu den besten auf dem Markt. Foto: Warnecke

ÜBERZEUGEND: Zwölf Megapixel Auflösung, maximale Blendenöffnung von f2.0, erweiterte Farb- und Kontrastdarstellung – die Hauptkamera des Pixel gehört zu den besten auf dem Markt. Foto: Warnecke

Die Hauptkamera hat eine Auflösung von zwölf Megapixeln und ist mit einer maximalen Blendenöffnung von f2.0 recht lichtstark. Für Videochats und Selbstporträts gibt es an der Vorderseite eine Kamera mit acht Megapixeln Auflösung. Die Kameras überzeugen auf Anhieb. Sie sind schnell einsatzbereit und fokussieren beinahe so flott wie bei Samsungs Galaxy S7. Fotos gelingen auch bei schlechten Lichtverhältnissen gut, sichtbares Bildrauschen gibt es erst bei wenig Licht. Die Bildstabilisierung des Videomodus gleicht leichtes Handzittern mühelos aus. Bis zu 60 Bilder pro Sekunde filmt die Kamera im Videomodus in Full HD (1920 zu 1080 Pixel), auch UHD-Auflösung ist mit 30 Bildern pro Sekunde möglich. Weil die ganzen Fotos und Videos immense Datenmengen erzeugen, gibt es für Pixel-Besitzer zusätzlich zum Speicher im Gerät kostenlos unbegrenzten Platz in Googles Onlinespeicher.

SCHNELL GELADEN: Zum Stromtanken und Synchronisieren gibt es den USB-Anschluss Typ C 3.0. Mit dem mitgelieferten Ladegerät wird der Akku in gut einer Stunde voll aufgeladen. Foto: Warnecke
SCHNELL GELADEN: Zum Stromtanken und Synchronisieren gibt es den USB-Anschluss Typ C 3.0. Mit dem mitgelieferten Ladegerät wird der Akku in gut einer Stunde voll aufgeladen. Foto: Warnecke

Ist das Pixel einmal eingerichtet, fallen sofort einige Neuheiten ins Auge. Ab Werk gibt es das neue Android 7 namens Nougat mit runden App-Symbolen und einer praktischen Funktion namens Shortcuts. Google setzt hier auf simple Weise um, wofür Apple ein druckempfindliches Display in die iPhones einbaut: Vorschläge für häufig genutzte Aktionen, wenn man den Finger eine Weile lang auf einem App-Symbol liegen lässt. Verweilt man beispielsweise auf der Kamera, erscheinen Optionen für Videos oder Selfies, auf der Messenger-App ploppen die letzten Unterhaltungen hoch. Ansonsten finden sich sowohl Android-Veteranen als -Neulinge schnell zurecht.

Und natürlich stecken Google-Anwendungen und -Angebote nahezu überall: Drückt man den Homebutton länger, startet Googles Assistent, oben links im Startbildschirm hängt ein bunter Google-Knopf, der sofort die Suche aufruft, Onlinetrends, Wetter und Nachrichten zeigt – alles auf den Standort und eigene Interessen zugeschnitten.

WICHTIGES FEATURE: Je mehr der Google Assistent über seinen Nutzer weiß, desto hilfreichere Ratschläge kann er geben. Foto: Warnecke

Sagt man „Okay Google“, hört der Assistent aufs Wort. Künftig soll er die Wünsche seines Benutzers sogar schon kennen, bevor sie ausgesprochen werden. Aktuell ist er aber noch ziemlich dumm und beantwortet viele Fragen mit „Ich kann im Internet suchen“ – was er dann allerdings nicht tut. Oder der Assistent spuckt Ergebnisse aus der Google-Suche aus – häufig haben die zwar irgendwie mit der Frage zu tun, sind aber wenig relevant. Auch Google gibt zu, dass der Assistent auf Deutsch einige Funktionen noch nicht beherrscht. Das soll aber mit der Zeit besser werden: Je mehr Einblicke der Assistent in E-Mails, Standorte, Vorlieben und ähnliche Dinge erhält, umso relevanter die Ergebnisse. Für den einen ein Gewinn, für viele ein Datenschutz-Alptraum.

Auch die Telefon-App wird mit dem Pixel smarter. Sie warnt nun bei Anrufen bekannter Werbe- oder Spamnummern und kann auf Wunsch Anrufe bestimmter Nummern ganz unterbinden. Tippt man im Suchfeld der Telefon-App den Namen eines Geschäfts oder Restaurants ein, ist die Chance gut, dass das Pixel gleich die Telefonnummer kennt und anruft. Doch auch hierfür muss das Telefon den Standort kennen, zusammen mit der ständig eingeloggten Google-ID fallen so mit der Zeit allerhand Daten an.

Fazit

Mehr Google geht kaum. Das Pixel vereint gelungenes Design und leistungsstarke Hardware fast nahtlos mit den Diensten des Internetkonzerns. Wer bereit ist, dem bunten G sein ganzes digitales Leben zu offenbaren, erhält durch zahlreiche smarte Funktionen und den Assistenten in beinahe jeder digitalen Lebenssituation Hilfe.

Neben der guten Kamera mit vielen Einstellungsmöglichkeiten fällt der starke Akku positiv auf. Das Pixel kommt locker durch den Tag und hat noch reichlich Reserven für den nächsten Morgen. Aufladen dauert knapp eine Stunde. Während das kleine Pixel recht gut und sicher in der Hand liegt, rutscht das größere Pixel XL öfter mal aus der Hand. Eine schützende Hülle sollte das erste Zubehör sein.

Was Google im Vergleich zu den alten Nexus-Modellen verändert hat, ist der Preis. Waren diese noch relativ günstig, muss man für die Pixel tief in die Tasche greifen. Mindestens 759 Euro werden für das Pixel mit 32 GB Speicher fällig. Das größere Pixel XL mit 128 GB gibt es für 1009 Euro. Die Zeit, in der man ausschließlich mit Daten gezahlt hat, ist mit dem Pixel offenbar vorbei.

Die technischen Daten der Pixel-Smartphones finden sich hier.