Schreckschusswaffen  werden auch in Bruchsal immer beliebter.
Schreckschusswaffen werden auch in Bruchsal immer beliebter. | Foto: dpa

Bruchsaler verunsichert

Große Nachfrage nach Waffenscheinen

Die Angestellte in dem Forster Einkaufsmarkt wagte ihren Augen nicht zu trauen. Vorbei an den Regalen schlenderte ein Mann mittleren Alters, unübersehbar ausgestattet mit einer Waffe. Als die alarmierten Polizeibeamten eintrafen, war der Kunde verschwunden. Bei den Nachforschungen basierend auf dem Autokennzeichen gab es allerdings Entwarnung; der vermeintliche Übeltäter, ein Bruchsaler, wurde zwar zur Sorgfalt ermahnt, war aber durchaus berechtigt, eine Schreckschusspistole auch außerhalb seiner Wohnung zu tragen. Er war in Besitz eines sogenannten kleinen Waffenscheins.

Ein solches Papier haben in den zurückliegenden Monaten immer mehr Bürger beim Ordnungsamt der Stadt beantragt. Seit der Einführung des kleinen Waffenscheins im Jahr 2003 hat die Behörde in der Kernstadt und in den Stadtteilen insgesamt 290 kleine Waffenscheine ausgestellt; das sind im Durchschnitt knapp 21 per anno. In diesem Jahr – vor allem im ersten Quartal – waren es bereits 70 dieser Papiere. Damit spiegelt sich in Bruchsal in etwa der Trend im Bundesland wider. „Heute haben rund 60 000 Bürger einen kleinen Waffenschein“, weiß Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU); im Januar 2015 waren 40 000 dieser Scheine im Südwesten ausgestellt gewesen.

Zweischneidiges Schwert

„Das Gefühl der Unsicherheit in der Bevölkerung steigt“, hat Wolfgang Ams, der Leiter des Polizeireviers Bruchsal festgestellt. Er führt das nicht in erster Linie auf den Vorfall im Juli dieses Jahres am Bahnhof zurück. Damals wurde ein Bruchsaler von einem 16- und einem 22-Jährigen bei den Gleisen zusammengeschlagen. Ams spricht von einer „Gemengelage“, erinnert an den globalen Terrorismus auch mit Anschlägen im Juli in Ansbach und Würzburg sowie an die jüngste Silvesternacht, als in Köln und in anderen Städten Gruppen von Männern Frauen sexuell belästigt haben. Der Bruchsaler Revierleiter sieht in der jüngsten Entwicklung auch ein „zweischneidiges Schwert“. Die Träger der Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen können allein durch ihre Anwesenheit dafür sorgen, dass sie wegen ihrer Pistolen bei Mitbürgern ungute Gefühle hervorrufen, betont Ams.

Dabei hat die Kreisverwaltung in Karlsruhe klare Vorgaben für die Besitzer der kleinen Waffenscheine formuliert. Das Papier sei bis auf wenige Ausnahmen keine Erlaubnis zum Schießen, heißt es. Außerdem dürfen die Waffen bei öffentlichen Veranstaltungen wie Fußballspielen, Volksfesten, Märkten oder Demonstrationen nicht getragen werden.