Blick in die Zukunft: Mit dem Zuschlag für den Großraum Karlsruhe kann der Aufbau des Testfeldes für autonomes Fahren noch in diesem Jahr beginnen, wie das KIT mitteilt.
Blick in die Zukunft: Mit dem Zuschlag für den Großraum Karlsruhe kann der Aufbau des Testfeldes für autonomes Fahren noch in diesem Jahr beginnen, wie das KIT mitteilt. | Foto: Montage/BNN

Zuschlag für die Region

Großraum Karlsruhe wird Testfeld für autonomes Fahren

Von Anne Weiss und Karin Stenftenagel

Verkehrsminister folgt Empfehlung der Jury

Jetzt also doch: Nach dem Gezerre um das Digitale Testfeld Baden-Württemberg zum vernetzten und automatisierten Fahren hat die Region Karlsruhe den Zuschlag bekommen. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) folgt mit seiner am Donnerstag in Stuttgart verkündeten Entscheidung der Empfehlung einer Jury, die die Fächerstadt favorisiert hatte: „Unter drei sehr guten Bewerbern war die Region Karlsruhe die beste. Im automatisierten Fahren gibt es viele Chancen und zu bewältigende Risiken. Allerdings müssen die Fahrzeugtechnologien stets im Dienst des Menschen unterwegs sein“, erklärte Hermann.
Genau genommen geht die Zusage an ein Konsortium aus den Städten Karlsruhe und Bruchsal, sowie hochrangiger Forschungseinrichtungen: das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft und das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB). Geführt wird der Zusammenschluss vom FZI (Forschungszentrum Informatik am KIT). Über das Testfeld werden künftig Fahrzeugsysteme für automatisiertes und vernetztes Fahren im realen Straßenverkehr getestet und entwickelt. „Der Zuschlag ist Auszeichnung und Auftrag gleichermaßen. Denn mit Aufbau und Betrieb des Testfelds können wir einen wesentlichen Beitrag für die Mobilität der Zukunft leisten. Urbane Mobilität braucht intelligente, umweltschonende und soziale Lösungen und die Region Karlsruhe bietet beste Voraussetzungen“, betonte Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup nach der Entscheidung.

Beim autonomen Fahren soll im Auto auf einen Fahrer verzichtet und letztlich alles vom Computer gesteuert werden. Die Technik dafür basiert vor allem auf Sensoren und Kameras. Diese erfassen die Umgebung und verarbeiten die Daten in Bruchteilen von Sekunden. Einparkhilfen oder Stauassistenten etwa funktionieren bereits so. Das „vollautomatisierte Fahren“ entspricht dem Autopiloten im Flugzeug. Langfristig sollen autonome Autos den Verkehr sicherer machen. Kopfzerbrechen bereiten Experten derzeit aber noch Haftungs- sowie ethische Fragen.
Bereits Ende Juni 2016 hatte eine Expertenjury aus Vertretern der Ministerien für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, für Verkehr und für Wissenschaft, Forschung und Kunst, sowie dem Staatsministerium einstimmig für den Karlsruher Antrag gestimmt. Dennoch wackelte der Standort in den vergangenen Tagen – auch die Mitbewerber aus Ulm und Stuttgart/Ludwigsburg hatten sich Chancen ausgerechnet und Druck gemacht. Minister Hermann hatte sich daraufhin die Konzepte von allen Bewerbern auch persönlich präsentieren lassen.

 

Auf diesen Strecken wird schon bald das autonome Fahren getestet.
Auf diesen Strecken wird schon bald das autonome Fahren getestet. | Foto: BNN-Infografik

Teststrecke und Prüfstand auch in Bruchsal

Teil der Testregion autonomes Fahren ist auch die Stadt Bruchsal, die bereits bei der Bewerbung maßgeblich mitgearbeitet hat. „Nun wird ein weiteres innovatives Kapitel in der wirtschaftlichen Geschichte Bruchsals aufgeschlagen“, freute sich Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick. Den Ausschlag für die Beteiligung hätten unter anderem die beiden Bruchsaler Mobilitätsprojekte „EfeuCampus“ und „Zeozweifrei unterwegs“ gegeben. Damit habe man bereits gute infrastrukturelle Bedingungen für die Forschungen zum autonomen Fahren geschaffen. Am „Campus“ auf dem Areal der ehemaligen Dragonerkaserne in Bruchsal forschen bereits heute die Firma SEW-Eurodrive und das Institut für energieeffiziente Mobilität der Hochschule Karlsruhe im Bereich der Elektromobilität. Auf einer vom öffentlichen Straßenraum abgesperrten Strecke werden bereits selbstfahrende Autos getestet.  Nun könne zudem ein Prüfstand für Elektrofahrzeuge eingerichtet werden, wie es ihn bereits in Karlsruhe am KIT gibt, so Stefan Huber von der Regionalen Wirtschaftsförderung Bruchsal.

Selbstfahrendes Fahrzeug auf einer Teststrecke für autonomes Fahren in Bruchsal
Auf dem Bruchsaler „Campus“ testet die Hochschule Karlsruhe bereits heute selbstfahrende Autos. | Foto: Heintzen

Mittel für Testfeld stehen noch 2016 bereit

Das Verkehrsministerium stellt mit dem Zuschlag für Konzeption, Planung und Ausbau des Testfelds nun insgesamt 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. Das Konsortium selbst sowie die assoziierten Partner und Industriepartner bringen zusätzlich Eigenmittel von rund 4,2 Millionen Euro in das Vorhaben ein. Hermann kündigte an, dass das Land noch 2016 Mittel für die Forschung aus dem Testfeld bereitstellen werde und davon Forschungseinrichtungen aus allen Regionen profitieren können. Ferner würden Gespräche mit Stuttgart und Ludwigsburg geführt mit dem Ziel, in einer zweiten Phase geeignete Elemente aus deren Bewerbung mit dem Digitalen Testfeld zu verknüpfen.
Hermann betonte in seiner Begründung: „Das Karlsruher Projekt hat auch durch seinen überregionalen Ansatz und seine breite Einbeziehung unterschiedlicher Mobilitätsangebote überzeugt.“ Die Strecken des Testfelds werden künftig von urbanen Bereichen mit gemischtem Fahrzeug-, Fahrrad- und Fußgängerverkehr, über innerstädtische Tempo-30 und -50-Zonen, Parkhäuser, Wohngebiete, Landes- und Bundesstraßen bis hin zu Autobahnabschnitten reichen.

 

Mehr zum Thema in der Printausgabe der BNN vom 8. Juli 2016.