Der Scheffelplatz ist eine Nadelbaumoase.
DER HERR IM NADELHOLZ: Der Dichterfürst Victor von Scheffel behauptet auf hohem Sockel den Platz an der Sonne, umgeben von immergrünen Bäumen und Sträuchern in der Platzanlage, die seinen Namen trägt. Kann seine Oase Schule machen? | Foto: jodo

Aufforsten in der Fächerstadt

Grüner Winkel mit Früchten zum Rösten

Was aus der politischen Offensive „Grüne Stadt“ wird, hängt jetzt von zweierlei ab: Haben die Ideengeber aus der Bürgerschaft die Kraft und das Glück, Mitstreiter zu finden, um ihr Grünprojekt für den Klimaschutz in die Tat umzusetzen?

Wie verhält sich nun die Stadt?

Und wie verhält sich nun die Stadt, wenn es konkret wird, gegenüber dem Bürgerwillen – wird sie mit Rat und Tat helfen oder wird sie bremsen und verhindern? Vielleicht ist die Stadtverwaltung den Bürgern und deren Ideen in Wirklichkeit doch nicht so grün, wie es die Politik im Allgemeinen mit ihren Wunschthesen für die „Grüne Stadt“ vorgibt.
Schon nächstes Jahr wird sich also zeigen, ob sich Bürger und Verwaltung ergänzen und die grünen Ideen Früchte tragen. Werden nicht einzelne der jüngst in der grünen Werkstatt erarbeiteten zwölf Steckbriefprojekte mit Mitteln auch aus der öffentlichen Hand gedüngt, dann verwelken diese Pflänzchen gleich wieder.

Helfen die Ämter beim Aufforsten?

Dabei kann es auf die fachliche Hilfe der Ämter ankommen, oder auf einen öffentlichen Raum in Hand der Stadt als Pflanzfläche oder um einen finanziellen Anschub. Zwei Projekte seien zunächst vorgestellt:

Der Esskastanienwald

Der Bürgerverein Grünwinkel will seinem Namen alle Ehre erweisen. Auf dem südwestlichen Landwinkel des Stadtteils soll Wald wachsen. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende Michael Popp erklärt: „Wir wollen kein Wäldchen, sondern einen richtigen Wald auf der 22,5 Hektar großen Fläche in städtischem Besitz.“

Einen Kastanienwald will der Bürgerverein auf diesen Flächen beim Friedhof wachsen lassen.
EIN LAND, WO DIE KASTANIEN BLÜHEN – davon träumt der Bürgerverein Grünwinkel. Er möchte die Flächen um den Friedhof Heidenstücker in einen Maronenwald verwandeln (hinten die Messehallen). | Foto: jodo

Die Fläche westlich und südlich der städtischen Planungsruine Friedhof Heidenstücker, seit 14 Jahren eine Parkanlage, hat der Bürgerverein ausgeguckt. Dort sehe die Stadt eben für die Fortschreibung des Flächennutzungsplans im Nachbarschaftsverband keine Bebauung vor, erklärt Popp. Der Bürgerverein hat dieses Grünprojekt spontan angestoßen, das weitere Vorgehen ist also noch offen.

Attraktion zur Kastanienzeit

„Wir können uns vorstellen, dass die Schule oder der Kindergarten an Aktionstagen die Kastanien pflanzen“, sagt Popp. Auch Sponsoren seien willkommen. „Der Wald würde jeden Herbst zur Attraktion“ – in der Kastanienzeit. Schließlich sind Esskastanien beliebte Sammlerobjekte nicht nur bei Kindern, um sie nach dem Ausflug in den Heidenstücker-Maroniwald zu rösten und sich schmecken zu lassen.

Keine Nitrate mehr

„Auch ökologisch würde die Fläche mit dem Wandel von Feld und Wiese in Wald aufgewertet“, meint Popp. „Keine Nitrate mehr, keine Pestizide“, dazu nennt er die Verbesserung des Klimas. Der 900 Mitglieder starke Grünwinkler Verein setzt nun darauf, dass die Experten der Stadtverwaltung für dieses Grünprojekt die Kastanien aus dem Feuer holen.

Wer mitmachen möchte, meldet sich bei Michael Popp, Telefonnummer 07 21/20 98 8.

Die Nadelbaumoase

Um das Kleinklima im wohl noch heißer werdenden Karlsruher Sommer zu verbessern und die Luftverschmutzung zu lindern, schlägt Wilhelm Knobloch, die lebende Legende des regionalen Naturschutzes, „Nadelbaumoasen“ vor. Der 92-jährige Hardtwaldförster hat auch mit seinem schattigen Kleingarten in den Hagsfelder Geroldsäckern bewiesen, wie sich Nadelbäume positiv auf die Lebensqualität der Menschen auswirken können.

Eine Nadelbaumoase ist Knoblochs Kleingarten.
SEINE NADELBAUMOASE in der Kleingartenanlage Geroldsäcker hat Naturschützer Knobloch vor Gericht erfolgreich verteidigt. | Foto: jodo

Das immergrüne Dach aus Douglasien und Fichten sorgt laut Knobloch an Hitzetagen für einen gravierenden „Temperaturunterschied von 20 bis zu 30 Grad“ gegenüber einer schattenlosen Wiese oder dem versiegelten Marktplatz. Auch die Singvögel profitieren vom Schutz der Nadelzweige, nicht nur zur Sommerszeit. Es wärmen also im Dezember nicht nur die mit Lichtlein bestückten Tannenbäume die abendländische Menschenseele, sondern auch Douglasie und Kiefer bieten den Vögeln im Unterschied zu den kahlen Laubbäumen Deckung und Frostschutz.

Aufforsten mit Nadelbäumen?

Knobloch ficht für viele solche zehn mal zehn Meter großen Oasen in der Stadt. „Zehn Douglasien, zehn Eiben, eine Fichte, eine Kiefer, eine Weißtanne und drei verschiedene Kiefern“ hält der erfahrene Forstmann für die richtige Mischung. Auf seine Initiative haben jüngst die Förster im Staatswald nahe der Theodor-Heuss-Allee eine Pilotnadelbaumgruppe gepflanzt.

Knobloch fordert nun von der Stadt auf städtischem Grün und „aus den Mitteln des Nachhaltigkeitspreises, den Karlsruhe erhalten hat“, mehrere Nadelbaumoasen. Überhaupt müsse der Anteil von nur fünf Prozent der Nadelgehölze am städtischen Baumbestand auf öffentlichem Grün deutlich und schnell gesteigert werden, unterstreicht er.

Heimische Arten favorisiert

Damit stieß er aber bislang beim Gartenbauamt genauso auf Ablehnung wie beim Kleingartenverband, der erfolglos gegen Knobloch wegen dessen Nadelbaumparzelle klagte. Das Gartenbauamt bezeichnete Nadelbäume stets als nicht heimische Arten, die nicht zu Karlsruhe, zu den Böden am Rhein und zum Klima passten.

Ins städtische Pflanzprogramm wollte man deshalb Douglasie und Eibe, Fichte und Tanne nicht in die Laubkonkurrenz von Ahorn, Birke und Kastanie aufnehmen. Ob man den Nadelbäumen und damit Knoblochs Klimainitiative jetzt wenigstens Oasenstatus einräumt, ist dank der Politoffensive „Grüne Stadt“ immerhin offen.

Wer bei den „Nadelbaumoasen“ mitmachen möchte, meldet sich bei Wilhelm Knobloch, Telefonnummer 07 21/68 33 10.