Noch in diesem Jahr sollen die Hochwasservorkehrungen im Bereich des Kuppelsteinbads beginnen. Bis Ende 2017 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Noch in diesem Jahr sollen die Hochwasservorkehrungen im Bereich des Kuppelsteinbads beginnen. Bis Ende 2017 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. | Foto: pr

Hochwasserschutz in Gaggenau

Handlungsbedarf an allen Gewässern

Die von der Stadt in Auftrag gegebenen Flussgebietsuntersuchungen sind weitgehend abgeschlossen. Sie weisen 39 Gefahrenstellen zwischen Oberweier und Selbach auf, und sie zeigen: Nicht die Murg ist das Problem, sondern die zahlreichen Nebenflüsse in den Stadtteilen stellen das Hauptrisiko für Überschwemmungen dar, wie Oberbürgermeister Christof Florus gestern in einem Pressegespräch betonte. „Bei nahezu allen Gewässern in Gaggenau besteht dringender Handlungsbedarf“, so Florus. Nach Vorliegen des Hochwasserschutzgutachtens Ende des Jahres sollen die Prioritäten festgelegt werden, ergänzte Bürgermeister Michael Pfeiffer.

Umleitung des Michelbachs geplant

Wie die Rathauschefs durchblicken ließen, plant die Stadt als nächstes, den Michelbach vom Daimler-Gelände weg entlang der Schillerstraße zu führen. Das Großprojekt könnte 14 bis 16 Millionen Euro verschlingen. Man könne jedoch auf Zuschüsse des Landes hoffen, sagte Pfeiffer. Bis es soweit ist, könnten jedoch noch vier bis fünf Jahre vergehen.
Die Baumaßnahmen rechtsseitig der Murg zwischen der Berliner Brücke und dem Daimler-Steg sollen in der kommenden Woche beginnen. Grundsätzlich müsse man auch linksseitig der Murg aktiv werden, wobei die Zuständigkeit hier beim Land Baden-Württemberg liege. Voraussichtlich noch in diesem Jahr soll die Hochwasserentlastung am Selbach in Ottenau im Bereich Kuppelsteinbad bis zur Murg beginnen. Die Fertigstellung ist für das Spätjahr 2017 angekündigt. Durch die Maßnahme könne eine Überflutung Ottenaus durch den Selbach nahezu komplett ausgeschlossen werden, betonte Bürgermeister Michael Pfeiffer, mit dem der Verwaltung ein Hochwasser-Experte zur Seite steht: Pfeiffer war von 1988 bis 2015 stellvertretender Geschäftsführer des Zweckverbands Hochwasserschutz in Bühl tätig, dabei oblag ihm auch die technische Verantwortung. Der Stadt stehe eine „Herkulesaufgabe bevor“, die deutlich teurer werde als angenommen. Die einstmals anvisierten Kosten von jährlich 800 000 Euro müssten wahrscheinlich auf mindestens 1,2 Millionen Euro angehoben werden, sagte Florus mit Blick auf den nächsten Doppelhaushalt. Um die weiteren Schritte zu koordinieren, müsse eine Nutzen-Kostenanalyse erstellt werden, wobei neben den eigentlichen Kosten auch die Schadenshöhen ermittelt werden. „Der Nutzen-Kosten-Faktor ist eine wichtige Kenngröße für den Erhalt von Fördermitteln und für die Festlegung der Umsetzungsreihenfolge“, so Pfeiffer.
Hoch oben auf der Prioritätenliste steht auch die Sanierung der Verdolung am Ortsausgang von Sulzbach. 270 Meter im Bereich des Festplatzes müssen dort nach dem Zusammenbruch infolge der starken Unwettern Mitte Juni erneuert werden. Die Kosten bewegen sich nach Schätzungen des Ingenieurbüros Wald + Corbe in einem Bereich zwischen 1,4 und zwei Millionen Euro.

Keine Priorität für Bahnbach-Anwohner

Dem Bahnbach in Ottenau räume die Stadt trotz Proteste der Bürger keine höhere Priorität als anderen Gefahrenstellen ein, stellte Florus gestern klar. „Hochwasser kann immer und überall passieren.“ Es könne nicht jeder Keller geschützt werden, wenn es dringendere Maßnahmen gebe. Bei Hochwasser im Michelbach etwa könnte die ganze Innenstadt überschwemmt werden, so Florus. Pfeiffer unterstrich: „Bevor ich etwas machen kann, muss ich prüfen, welche Konsequenzen das hat.“ Eingriffe an der falschen Stelle könnten auch negative Folgen für die Murg haben. Insofern müsse man das Hochwasserschutzgutachten abwarten, bevor weitere Schritte folgen.