Bürgermeister Hans-Peter Braun
Bürgermeister Hans-Peter Braun | Foto: Bongartz

Bürgermeister Hans-Peter Braun

Junge Familien finden Bühlertal attraktiv

In Bühlertal wird am 3. Juli ein neuer Bürgermeister gewählt. Amtsinhaber Hans-Peter Braun bewirbt sich für eine zweite Amtszeit.

BNN: Wie beurteilen Sie rückblickend Ihre ersten acht Jahre als Bürgermeister?

Braun: Zu Beginn meiner Amtszeit hat die Gemeinde wegen der allgemeinen Wirtschaftskrise eine schwierige Zeit erlebt. Die rückläufigen Einnahmen haben mir einige schlaflose Nächte bereitet. Zum Glück hat sich die finanzielle Situation gebessert. Bis Ende 2015 konnte der Schuldenstand von 5,2 auf 2,8 Millionen Euro reduziert werden. Wir haben dadurch jährlich rund 160 000 Euro mehr an Spielraum für anfallende Aufgaben im Haushalt erreicht.

Schuldenabbau

BNN: Was war der größte Erfolg Ihrer ersten Amtszeit?

Braun: Neben dem Schuldenabbau und der Verbesserung der Finanzsituation haben wir mit der Ansiedlung der Geschäftsstelle des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord eine einmalige Chance zur Belebung unserer Gemeinde genutzt. Die Rekommunalisierung des Strom- und Gasnetzes zählte wie der Bau des Kunstrasenspielfeldes im Sportzentrum zu den erfolgreichen Projekten, die umgesetzt werden konnten.

BNN: Was ist Ihr wichtigstes Ziel für eine zweite Amtszeit?

Braun: Die Neukonzeption des Rathauses ist ein weiteres Großprojekt für Bühlertal, das durch die Aufnahme in das Landesprogramm für städtebauliche Erneuerungsmaßnahmen möglich wird. Bei einer Investitionssumme von 2,2 Millionen Euro erhalten wir mit einer Million Euro einen Zuschuss von rund 45 Prozent. Publikumsintensive Bereiche wie Melde-, Sozial- und Standesamt werden in Zukunft barrierefrei erreichbar sein. Die drei bisher bestehenden Gebäude werden in einem Gebäude zusammengefasst und ermöglichen damit eine bessere Kommunikation und eine noch effizientere Arbeit.

Ausbau der Infrastruktur

BNN: Der Erhalt und Ausbau der Infrastruktur ist gerade für ländliche Gemeinden wichtig. Wie gestaltet sich dieses Thema in Bühlertal?

Braun: Im Hinblick auf die Einkaufsmöglichkeiten ist die Gemeinde mit mehreren Bäckereien, Metzgereien und Lebensmittelgeschäften gut aufgestellt. Wichtig ist, dass die Bürger dieses Angebot unterstützen und vor Ort einkaufen. Hervorragend ist unsere Situation mit zwölf Betrieben im Bereich der Gastronomie. Es wird in den nächsten Jahren eine spannende Aufgabe sein, beim Erhalt dieser Infrastruktur vermittelnd und unterstützend tätig zu sein. Wichtig ist selbstverständlich auch der Ausbau der Breitbandversorgung. Außerdem planen wir, an den beiden Schulen und im Haus des Gastes ein freies WLAN einzuführen.

BNN: Die Entwicklung des Tourismus im Nordschwarzwald war in den vergangenen Jahren problematisch.

Chancen für den Tourismus

Braun: Der Fremdenverkehr spielt in Bühlertal nach wie vor eine Rolle. Durch den Naturpark kommen neuerdings noch mehr Tagesgäste nach Bühlertal. Dies merken wir auch bei den angestiegenen Führungen des Fördervereins Engelsberg. Hier wird die Gemeinde in den kommenden Jahren wie beim Ausbau der Gertelbachwasserfälle und der Anlegung von zusätzlichen Aussichtspunkten weitere Investitionen in Angriff nehmen. Die Übernachtungszahlen sind im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Viele Besucher kommen für drei oder vier Tage, darunter sind allerdings auch einige Geschäftsreisende. Weil Hotel Plättig und Gasthaus Krone unter anderem für Übernachtungsgäste nicht mehr zur Verfügung stehen, sind bei uns einige Betten weggefallen. Bei einzelnen Events reicht unser Angebot deshalb nicht mehr aus.

BNN: Wie sehen Sie unabhängig vom Fremdenverkehr die Entwicklung der Wirtschaft in Ihrer Gemeinde?

Braun: Wegen der Topografie Bühlertals stehen uns nicht die Gewerbeflächen zur Verfügung, die beispielsweise die Nachbarkommunen Bühl und Ottersweier anbieten können. Die Firma Bosch ist unübersehbar unser größter Arbeitgeber. Ich freue mich, dass das Unternehmen in seine Infrastruktur in Bühlertal investiert hat und hoffe, dass dieser Standort noch viele Jahre seine Bedeutung im Konzern behält. Daneben bestimmen viele kleine Handwerksbetriebe die Wirtschaftskraft Bühlertals. Die Bühlertäler Handwerksbetriebe und Einzelhändler sind auch über die Gemeindegrenzen hinaus für ihre starke Leistungskraft bekannt und begehrt.

BNN: Im Bühler Gemeinderat wurde vor einigen Wochen über eine neue Kommunalreform diskutiert? Was halten Sie von dieser Idee?

Braun: Die dort von einzelnen Stadträten getroffenen Aussagen werde ich nicht kommentieren. Bühlertal jedenfalls ist eine Kommune, die sehr gut aufgestellt ist und in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben gemacht hat. Wir haben einiges zu bieten und wissen was die Verwaltung, der Gemeinderat und die Bevölkerung engagiert zu leisten vermag.

Folgen der Stadtflucht

BNN: Die Flucht der Menschen in die Städte und die damit verbundene sinkende Einwohnerzahl Bühlertals gab jahrelang Anlass zur Besorgnis. Wie sehen Sie die Zukunft?

Braun: Die Prognosen, dass die Einwohnerzahl Bühlertals auf 7 500 sinkt, sind nicht eingetreten. Aktuell hat die Gemeinde 8 073 Einwohner. Es ist unstrittig, dass die ältere Generation wegen der Infrastruktur in die Städte zieht. Bei uns jedoch siedeln sich inzwischen viele junge Familien mit Kindern an. Bühlertal bietet attraktive Bauplätze und gebrauchte Immobilien, die finanzierbar sind. Unsere Kindergärten und Schulen bieten bedarfsgerechte Betreuungsangebote. Ein reges Vereinsleben mit attraktiven Veranstaltungen zeigt immer wieder den Bühlertäler Gemeinschaftssinn auf.

BNN: Sie haben bei der Bürgermeisterwahl am 3. Juli nur einen Gegenkandidaten der Nein-Partei, so dass an Ihrer Wiederwahl kein Zweifel besteht.

Braun: Wenn Sie das so sehen! Gewählt jedenfalls wird am 3. Juli, und da sollte jeder Bühlertäler von seinem demokratischen Wahlrecht Gebrauch machen. Mit Mut und Tatkraft würde ich die positive Entwicklung unserer Gemeinde gerne gemeinsam weiter fortführen. Ich bitte deshalb jeden Wahlberechtigten sich an diesem Tag zehn Minuten für die Stimmabgabe Zeit zu nehmen und mir das Vertrauen für die nächsten acht Jahre zu geben.