HIER STEHT ER VOR SEINEM EIGENEN HAUS: Auf Sumatra wurde Hans Weber vor 80 Jahren geboren, verbrachte seine Kindheit in Japan und kam 1947 bei Verwandten in Rheinau-Linx unter. Seitdem baute sein Unternehmen über 34000 Fertighäuser.
HIER STEHT ER VOR SEINEM EIGENEN HAUS: Auf Sumatra wurde Hans Weber vor 80 Jahren geboren, verbrachte seine Kindheit in Japan und kam 1947 bei Verwandten in Rheinau-Linx unter. Seitdem baute sein Unternehmen über 34000 Fertighäuser. | Foto: Fabry

Fertighaus-Pionier wird 80

Hans Weber – Der Haus-Herr aus dem Hanauerland

Dieser Unternehmer-Typus ist selten in der Region geworden: den Zweiten Weltkrieg mit seinen brutalen Auswirkungen erlebt, danach mit einfachsten Mitteln bei Null angefangen und ein Unternehmen gegründet, das in seiner Branche bundesweit zu den Marktführern gehört – und heute immer noch täglich als Geschäftsführender Gesellschafter im Büro. Hans Weber, Badens fleißigster Haus-Bauer, ist so einer.

Als Zwei-Mann-Zimmerei gegründet

Über 34 000 Immobilien hat sein Unternehmen WeberHaus, 1960 als Zwei-Mann-Zimmerei gegründet, mittlerweile hochgezogen. Am Mittwoch, 28. September, feiert er in seiner Heimat Rheinau-Linx im Hanauerland seinen 80. Geburtstag. Dort, wo das Stadion des SV Linx nach ihm, dem Fußballvereins-Ehrenpräsidenten, benannt ist, wo er als Mäzen und Ehrenbürger lebt und wo er seit 67 Jahren als Trompeter der „Harmonie Linx“ für die Musikerkameraden einfach „der Hans“ ist.
Weber sind der Erfolg und die unzähligen Ehrungen nicht zu Kopf gestiegen. Andere würden die Urkunden wie Trophäen im Hobbykeller ihres Hauses aufhängen – nicht so der bescheidene Firmenchef. Er hat auch für Sorgen seiner Mitarbeiter ein Ohr. In nicht so guten Zeiten ließ er für sich als Privatmann Mietshäuser produzieren , um die beiden Werke in Linx und in Wenden-Hünsborn besser auszulasten. Schon vor Jahrzehnten hat Weber verboten, dass auf seinen Baustellen, wie andernorts heute noch üblich, herumgeschrien wird. Weber hasst das. Zu oft hat er es als Geselle selbst erlebt. Und so prägt der Unternehmer und Patriarch Hans Weber bis heute das Familienunternehmen mit seinen 1100 Mitarbeitern und 225 Millionen Euro Umsatz, das mit dem Wettbewerber Schwörer die deutsche Fertighausbranche anführt.

Hans Weber und der Sauberkeitsfimmel

Seine Frau Christel Weber, seine Tochter Heidi Weber-Mühleck und die anderen Geschäftsführer, die seit langem im Unternehmen sind, wissen, wie Weber tickt. Wie jeder Unternehmer seines Schlags hat auch er seine Eigenarten. Gefürchtet ist sein Perfektionismus, seine Ordnungsliebe, sein Sauberkeitsfimmel. Er sehe die Spinnenweben im Werk schon, bevor sie gesponnen seien, spötteln einige Mitarbeiter. Auch sein direkt neben dem Werk stehendes Privathaus mit seiner kunstvollen Eichentreppe, den Holzdecken, Holztruhen, Holzfiguren – der Haus-Herr ist und bleibt Handwerker – ist tipptopp gepflegt. Unten, im Schwimmbad, zieht Weber nach wie vor Tag für Tag ab 6 Uhr für 30 Minuten seine Bahnen. Von 8.30 Uhr bis 17 Uhr ist er dann im Büro – mittlerweile ist er dort aber nicht mehr der erste und nicht mehr der letzte, wie es früher war.

Über 34 000 Häuser gebaut

Während andere in diesem Alter beispielsweise mit einem Computer nichts mehr anfangen mögen, bleibt Weber auch an technischen Innovationen interessiert. WeberHaus gehört zu den Pionieren bei Niedrigenergie- und Passivhäusern, bietet selbst Immobilien an, die mehr Energie gewinnen als verbrauchen. Auch das Ausstellungs- und Erlebnisareal, die „World of Living“, hat er durchgeboxt – entgegen allen Bedenkenträgern, die vor der enormen Investition warnten.

Kindheit in Fernost

Der Traum vom Haus hat eine Vorgeschichte: Hans Weber kommt 1936 auf Sumatra zur Welt. Während des Krieges wird die fünfköpfige Familie – der Vater war Bautechniker eines holländischen Unternehmens – nach Japan evakuiert. Weber lernt fließend japanisch sprechen. Der Vater kommt, wohl auf dem Evakuierungsdampfer Van Imhoff, ums Leben. 1947 reisen die Webers den weiten Weg zurück ins badische Linx, wo sie ihre Wurzeln haben. Mit dem Pferdefuhrwerk und mittellos reisen sie an, finden bei Verwandten eine Unterkunft. Weber wird gehänselt, weil er keinen Dialekt sprechen kann und lernt jetzt eine weitere „Fremdsprache“: alemannisch. Er leiht sich die ersten D-Mark für den Sprung in die Selbstständigkeit. Weber baut mit Landwirten – Teleskopkräne entdeckt er erst 1956 in den USA – und Musikerkameraden die ersten Fertighäuser, unter anderem eines für seine Schwester. Weber und seine Frau Christel ackern, laden potenzielle Bauherren ins Wohnzimmer ihres damaligen Einfamilienhauses ein, wo verhandelt wird. Nach zwölf Jahren ist das Unternehmen schuldenfrei. Ein neues Kapitel der Weber-Story wird geschrieben.

350 Geburtstagsgäste

In den ersten zehn Jahren als Unternehmer hat sich Hans Weber keinen Urlaubstag gegönnt. Mittlerweile nutzen die Webers mehrmals im Jahr ihr Apartment bei Cala Fornells auf Mallorca.
Der Erfolg von WeberHaus bleibt freilich kein Selbstläufer, auch wenn die Geschäfte derzeit sehr gut laufen und für 2016 mit einem Umsatzplus von zehn Prozent gerechnet wird. Die Gründe: In Deutschland leben tendenziell immer weniger Menschen. Der Trend zum Wohnen in den Innenstädten hält an, wo Ein- und Zweifamilienhäuser die Ausnahme sind. WeberHaus setzt daher verstärkt auf den Bau von Mehrfamilienhäusern, Hotels, Seniorenzentren und Firmengebäuden.
All das dürfte morgen auch ein Thema sein. Wer Hans Weber kennt, der weiß, dass er aber vor allem feiern will – mit Verwandten, Freunden, Musik- und Sportskameraden. So an die 350 Leute werden dann in der „World of Living“ wohl dabei sein. Ob er denn noch einen Lebenstraum habe, fragen ihn die BNN. Weber antwortet verschmitzt: „Ich träume von Tag zu Tag und von Woche zu Woche. Da gucken wir, was rauskommt.“

Die offizielle Firmen-Homepage finden Sie hier: WeberHaus