Ihrem Unmut Luft machten Bürger bei einem Politikerbesuch an der A8 bei Mutschelbach
Ihrem Unmut Luft machten Bürger bei einem Politikerbesuch an der A8 bei Mutschelbach | Foto: Rainer Obert

Wütende Mutschelbacher

Harsche Kritik wegen Lärm an der A8

Die ganze Politikverdrossenheit im Dorf wurde bei einem weiteren Ortstermin zum Thema A-8-Lärmschutz für die Bürger von Karlsbad-Mutschelbach deutlich. „Jedes Haus mit Sichtkontakt zur Autobahn hat Probleme“, pochte ein Bürger auf politisches Handeln für das von der Autobahn durchschnittene Dorf. Hoffnung setzt man auch auf Jochen Haußmann, der jetzt zu Besuch war. Er ist zwar „nur“ Oppositionspolitiker, aber immerhin verkehrspolitischer Sprecher der FDP. Man wähnt sich aktuell in einer Situation, die zum Ja auf Bundesebene zur Lärmschutzwand an der Bocksbachtalbrücke führen könnte.
Viele Bürger waren an die Autobahn gekommen, um weiter Druck zu machen, fast jeder Betroffene hat inzwischen ein Lärmmessgerät angeschafft, eigene Messungen zeigten vielfach Messwerte über 60 Dezibel. Wissenschaftlichem Anspruch genügt das zwar nicht, doch die bisherigen offiziellen Messungen seien über keinen längeren Zeitraum vorgenommen worden, auch nicht nachts. Dass der Computer nach Stichpunktmessungen alles hochrechnen könne, damit wollen sie sich nicht abspeisen lassen. „Es wurde versprochen, nach dem Autobahnausbau wird es wesentlich ruhiger – wir wurden verarscht“, machte Stefanie Rausch ihrem Ärger Luft.

Es ist Lärm da, den wir vorher nicht hatten

Karlsbads Bürgermeister Jens Timm fasste den aktuellen Stand zusammen: „Es gibt eine Neuberechnung. Und es gibt Stellen mit Verschlechterungen.“ Die Neuberechnung, die die grüne Staatssekretärin Gisela Splett in Gang gebracht hatte, liegt wie berichtet beim Bundesverkehrsministerium zur Prüfung. Beim zuständigen Parlamentarischen Staatssekretär will Haußmann nun nachhaken, versprach er. „Ich kenne Norbert Barthle gut.“ Dieser sei ein Mann, mit dem man reden kann. „Der Lärm ist überall. Und es ist Lärm da, den wir vorher nicht hatten“, betont Angela Lörch aus der Wiesenstraße. Für rund 700 000 Euro könnte eine Lärmschutzwand an der Brücke entstehen, die in Richtung Untermutschelbach vorgesehen wäre.

Streitpunkt ist Lärmschutz an der Bocksbachtalbrücke
Streitpunkt ist Lärmschutz an der Bocksbachtalbrücke | Foto: Rainer Obert

Reflexionen seien zudem zu prüfen, damit nicht Obermutschelbach den Schall verstärkt abbekommt. Die Mutschelbacher Bürgerinitiative für gerechten Autobahn-Ausbau (BIAM) bleibt unverzagt dran. Zu den ausgewerteten Lärmkarten und deren Interpretation habe man am 13. Juli einen Termin im Regierungspräsidium vereinbart, erklärte Günter Sing. In der Hoffnung auf mehr Ruhe habe man doch im Ort geduldig den Autobahnumbau mit jeder Menge Dreck und Lärm mitgetragen, „das war eine Riesenbelastung“. Nun könne man die Bürger nicht im Regen stehen lassen. Ortsvorsteher Roni Lörch berichtete von der Übergabe eines Schreibens an Ministerpräsident Kretschmann und Bundesverkehrsminister Dobrindt – noch ohne Reaktion.

FDP-Mann sagt Unterstützung zu

Haußmann machten die Bürger klar: „Luftgespräche bringen uns nichts.“ Dieser versprach, auch bei Landesverkehrsminister Hermann vorzusprechen. „Ich werde das Thema in Stuttgart einspielen“, und er werde klären, ob es auf Bundesebene angekommen ist. Gehört zu werden, das fordern die Mutschelbacher unterm Strich nimmermüde, wenngleich der Geduldsfaden bei manchem schon gerissen ist. „Wir fahren mit dem Traktor einfach auf die Autobahn, damit endlich Ruhe ist.“