Leidenschaftlicher Gitarrist: Marco Bayati aus Karlsruhe, Student an der Popakademie in Mannheim, träumt von einer Karriere als Musiker. | Foto: Andrea Fabry

Gitarrist Marco Bayati

Helene Fischer oder Heavy Metal?

Mit Desolace Heimspiel in der Schwarzwaldhalle

Manch junge Musikerkollegen würden wohl darüber schmunzeln: Marco Bayati, leidenschaftlicher Gitarrist mit einer Vorliebe für härtere Musik und Student der Popakademie in Mannheim, kann sich ein Engagement in der Tourband von Schlagerstar Helene Fischer („Atemlos“) vorstellen: „Das würde ich wegen der Erfahrung machen“, erklärt der junge Karlsruher.

Als Praktikant durfte er vor einigen Wochen im Tross von Max Giesinger („80 Millionen“) schon Tourneeluft schnuppern. Am Sonntag steht er mit seiner Metalband Desolace beim Knockdown-Festival selbst auf der großen Bühne: Das Konzert in der Schwarzwaldhalle ist für den 24-jährigen Gitarristen ein Heimspiel.

Schon als Zwölfjähriger zupft er die Saiten

Hardrock und Heavy Metal haben ihn schon in jungen Jahren begleitet. Vater Jan Bayati ist einer der Chefs der Karlsruher Musikagentur Bottom Row, die Hardrockbands wie Helloween, Gotthard, Krokus oder Axxis managt. Schon als Zwölfjähriger zupft Sohn Marco die Saiten seiner ersten Gitarre, als 15-Jähriger spielt er täglich stundenlang. Dass ihn sein beruflicher Weg in die Musik führen würde, steht nicht von Anfang an fest. Nach dem Abi versucht er sich mit einem Jura-Studium, bekommt dann aber einen der begehrten Studienplätze im Fachbereich Popmusikdesign an der Popakademie: Es geht um die Produktion moderner Musik – angefangen von ersten Gehversuchen im Proberaum bis hin zur Vermarktung der Songs.

Parallel dazu unterrichtet er nach wie vor an der Musikschule in Walldorf klassische und E-Gitarre – und pflegt Bandprojekte wie Desolace oder Wind And The Whaler. Letztere widmen sich nicht der ganz harten Musik, sondern mehr dem kommerzielleren Alternative-Rock im Stile von Placebo oder Coldplay. „Hardrock und der Metal-Bereich sind für den Gitarristen mit am spannendsten“, meint der Student. An der Popakademie schätzt er zudem den „Austausch auf höchstem Niveau“.

Auf Jazz- und Poprockpfaden ist Bayati ebenfalls schon gewandelt. Privat lauscht der Klavierspieler auch Klassik und Filmmusik. Am liebsten hört er aber Musik, bei der die Gitarre dominiert und schätzt Songs, die sich durch „Komplexität und Finesse“ auszeichnen.

Wie viele junge Menschen ist er viel im Netz unterwegs, um neue Musik zu entdecken. Die professionellen Desolace-Videos haben dort schon über 100 000 Klicks. Eine seiner Lieblingsbands: Monuments, Progressive-Metalband aus London, deren Sänger sich ein wenig wie Michael Jackson anhört. Für Bayati ist eine Karriere ein Stück weit schon planbar: „Aber man braucht das Quäntchen Glück, um zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle zu sein.“

Sollte es mit dem Durchbruch mit einer Band für ihn nicht klappen, kann er sich auch einen interessanten Job im Producing-Bereich vorstellen. Aber: „Eine Band werde ich immer haben!“

Rockklassiker: einschalten oder ausschalten?

Geht es Ihnen manchmal auch so? Sie schwärmen von den Hits Ihrer Jugend, doch Ihre Kinder oder andere junge Menschen können mit den Titeln von damals überhaupt nichts anfangen, weil sie ihre eigenen Favoriten haben? So manche Komposition der wilden 60er- und 70er-Jahre ist aber nach Jahrzehnten noch immer angesagt – zumindest bei der Generation, die damit aufgewachsen ist.

BNN-Redakteur Bernd Kamleitner, Jahrgang 1959, hat Rockklassiker aus seiner Jugend dem jungen Musiker und Studenten der Popakademie Mannheim vorgespielt.  Und er hat den  24-jährigen Gitarristen Marco Bayati aus Karlsruhe gefragt: Würde er bei den Songs das Radio eingeschaltet lassen  oder ausschalten?

„All Right now“ – Free

„Die Band kenne ich nicht, das Lied kommt mir aber durchaus bekannt vor. Würde ich mir anhören!“

„Bohemian Rhapsody“ – Queen

„Ein geiler Song. Den kenne ich natürlich in und auswendig. Bei Freddie Mercury und seinen Kollegen stimmt alles bis ins Detail!“

„Layla“ – Eric Clapton

„Starker Song mit toller Melodie. Clapton-Stücke habe ich schon live gespielt.“

„Child in Time“ – Deep Purple

„Das habe ich mal cool gefunden und würde es mir auch anhören. Ich liebe Musik, die eine eigene atmosphärische Welt aufbaut. Und ich bin ein Fan langer Stücke.“

„Smoke on the Water“ – Deep Purple

„Das kann ich nicht mehr hören, weil auch jeder meiner Gitarrenschüler „Smoke on the Water“ lernen will. Der Song ist aber cool, weil das Riff in seiner Einfachheit natürlich genial ist.“

„Show me the Way“ – Peter Frampton

„Eher langweilig, der Song trifft nicht meinen Geschmack.“

„Peter Gunn“ – Emerson, Lake & Palmer

„Das waren Musiker, die Bock hatten, zu experimentieren und ihr eigenes Ding machten. Von ELP könnte ich mir mehr anhören.“

„Heart of Gold“ – Neil Young

„Zum Einschlafen! Das ist nichts für mich.“

 

„I Feel Free“ – Cream

„Schon der Anfang ist klasse. Da bleibt man gerne dran und hört sich das an.“

„Gimme Shelter“ – Rolling Stones

„Mit Mick Jagger und den Stones stehe ich etwas auf Kriegsfuß. Als Musiker waren die nicht besonders. Ihren Erfolg will ich aber nicht abwerten. Ihre Musik ist vermutlich für alle prägend, die damit aufgewachsen sind und das Lebensgefühl von damals miterlebt haben.“

„Hey Joe“ – Jimi Hendrix

„Ich war anfangs kein Hendrix-Fan, weil seine Art, Gitarre zu spielen, nicht meine war. Aber es ist unglaublich, was der damals aus dem Instrument rausgeholt hat.“

„Whole Lotta Love“ – Led Zeppelin

„Eine geile Band und ein geiler Song. Jedes Stück von Led Zeppelin hat seine eigenständige Berechtigung.“

„Pinball Wizzard“ –  The Who

„Das waren auch Querdenker. Wir haben das Lied schon live gespielt. Ich finde es cool, dass The Who auch Konzeptalben wie „Tommy“ gemacht haben.“

„Hells Bells“ – AC/DC

„Mit der Musik bin ich nie warm geworden. Die ist eher langweilig. Aber jeder zweite Gitarrenschüler will „TNT“ von AC/DC lernen. Man kann die Songs der Band aber gut erkennen, weil sie eben charakteristisch sind.“

„Gimme some Lovin“ – ZZ Top

„Das ist cooler als AC/DC, aber musikalisch gefällt mir der Song auch nicht.“

„Nothing Else Matters“ – Metallica

„Davon war ich nie Fan. Metallica haben zwar auch einige Lieder gemacht, die ich mag, aber der Gesang gefällt mir nicht. Kirk Hammet ist für mich auch kein guter Gitarrist.“