Prägt die Illenauwiesen heute: Die ehemalige Reithalle steht unter Denkmalschutz und muss deshalb erhalten werden. Für die Nutzung des Gebäudes werden noch zündende Ideen gesucht.
Prägt die Illenauwiesen heute: Die ehemalige Reithalle steht unter Denkmalschutz und muss deshalb erhalten werden. Für die Nutzung des Gebäudes werden noch zündende Ideen gesucht. | Foto: Michael Moos

Illenauwiesen in Achern

„Herausforderung und Chance“

Von Michael Moos

Überall Brombeeren. Die Natur holt sich die jahrzehntelang von den französischen Streitkräften genutzten Illenauwiesen in Achern langsam zurück. Doch das Ende des Dornröschenschlafs ist abzusehen: Hier sollen in nicht allzuferner Zukunft Wohnungen und Freizeiteinrichtungen entstehen. Und als besondere Attraktion wird nicht nur der Mühlbach erlebbar gemacht, sondern auch das historische Patientenbad der einstigen Heil- und Pflegeanstalt Illenau.
Das Areal zwischen Mühlbach und Illenauer Allee hat die Stadt Achern im Frühjahr zum Preis von 2,85 Millionen Euro zuzüglich Nebenkosten von 200 000 Euro aus dem Besitz der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), erworben. Wie berichtet kann die Stadt mit einem Zuschuss von rund 1,4 Millionen Euro aus Städtebaufördermitteln rechnen. Mit der BImA geeinigt hatte man sich auch hinsichtlich der auf dem Gelände möglicherweise vorhandenen Altlasten: Danach trägt der Bund die Kosten für entsprechende Sanierungsmaßnahmen zu 90 Prozent – bis zur Höhe des vereinbarten Kaufpreises.

Reithalle unter Denkmalschutz

Außer einer Reihe von Stahlhallen befinden sich noch drei massive Gebäude auf dem Areal, das mit rund 5,5 Hektar immerhin etwa halb so groß ist wie das Gelände der ehemaligen Glashütte Achern. Zwei Gebäude müssen abgerissen werden, darunter ein vom französischen Militär einst für Verwaltungszwecke genutztes, 60 Meter langes und zwölf Meter breites Bauwerk entlang der Illenauer Straße. Stehen bleiben wird die ebenfalls von den französischen Streitkräften genutzte ehemalige Reithalle, die aufgrund ihrer Architektur unter Denkmalschutz gestellt wurde und vielen Achernern noch als stimmungsvoller Standort des Kulturfestivals „on stage“ in Erinnerung sein dürfte.
Die künftige Nutzung des 66 Meter langen und 25,50 Meter breiten Bauwerks ist derzeit noch völlig offen – Oberbürgermeister Klaus Muttach und Bürgermeister Dietmar Stiefel verwiesen bei einem Vor-Ort-Termin auf den noch ausstehenden Ideenwettbewerb.
Rund die Hälfte der zentrumsnah gelegenen Illenauwiesen wird für Wohnzwecke reserviert, der Rest soll als Grünfläche der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Dabei will man unter anderem einen Weg entlang des Mühlbachs schaffen – Voraussetzung ist allerdings eine Einigung mit mehr als 70 Grundstückseigentümern, die hier noch private, derzeit aber ungenutzte Flächen haben.

Altes Bad als Attraktion

Zur Attraktion des „Mühlbachwegs“ könnte das ehemalige Patientenbad der Illenau werden, das, derzeit völlig zugewachsen, in einem verwunschenen Winkel des Areals liegt. Auch dieses Bad wurde einst mit Wasser aus dem Bach gespeist.

Das gab es in dieser Häufung noch nie in der Geschichte der Stadt Achern: Auf ihre Entwicklung warten eine ganze Reihe von Brachflächen, welche sich aufgrund ihrer Lage und ihrer Umgebungsstruktur für eine wohnbauliche Nachnutzung eignen. Für die Stadtverwaltung bedeutet dies laut Oberbürgermeister Muttach eine „große Hausforderung“, bietet aber auch „große Chancen“ In der Kernstadt handelt es sich hierbei um das ehemaligen Glashüttengelände mit einer Bruttofläche von rund 11,5 Hektar, die Illenauwiesen mit einer Bruttofläche von rund 5,5 Hektar sowie das ehemaligen Süwag/Syna-Gelände, das einschließlich des des ehemaligen Eichamts rund 2,5 Hektar groß ist. Auf der Gemarkung Oberachern befindet sich mit dem ehemaligen Betriebsareal der Firma Lott eine weitere innerörtliche Brachfläche, deren städtebauliche Reaktivierung durch eine einer wohnbauliche Nutzung als sinnvoll erachtet wird. Die Bruttofläche dieses Gebiets beträgt rund zwei Hektar. mm

Welche Art von Wohnnutzung auf den Illenauwiesen entstehen wird, ist derzeit noch offen. Es gibt allerdings Aussagen von Oberbürgermeister Klaus Muttach, dass man hier insbesondere auch preisgünstigen Wohnraum schaffen möchte. Entsprechende Konzepte werden derzeit in dem vom Gemeinderat gebildeten beratenden Ausschuss besprochen. Erste Ergebnisse will die Stadtverwaltung dem Bau- und Umweltausschuss voraussichtlich am 19. September in der ersten Sitzung nach der Sommerpause vorlegen. Dabei wird es, so Muttach, dann auch um die grundsätzliche Frage gehen, ob und in welchen Baugebieten den Investoren über das Baurecht und mit Hilfe eines städtebaulichen Vertrags Vorgaben für eine Mindestzahl preisgünstiger Wohnungen gemacht werden.