Mit vereinten Kräften wird Lebensraum für das Auerhuhn geschaffen. Auch Bürgermeister Werner Hirth (Mitte) packte zu.
Mit vereinten Kräften wird Lebensraum für das Auerhuhn geschaffen. Auch Bürgermeister Werner Hirth (Mitte) packte zu. | Foto: Georg Keller

Stadtwald Baden-Baden

„Herzenssache Natur“ fürs Auerhuhn

Sonnencreme und Insektenschutzmittel „AntiBrumm“ waren heute Morgen bei der „Herzenssache Natur“-Aktion des Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord gefragt: Zum mittlerweile sechsten Mal waren rund 50 freiwillige Helfer im Einsatz, um die Lebensbedingungen für das scheue Auerhuhn im Stadtwald Baden-Baden zu verbessern. Bei der Habitatpflege packten neben Bürgermeister Werner Hirth und den Schülerinnen und Schülern der Klasse 8b des Gymnasiums Hohenbaden auch neun Flüchtlinge aus der Gemeinschaftsunterkunft auf dem Waldseeplatz tatkräftig mit an. Organisiert hatte deren Einsatz Billy Uber, Vorsitzender des Baden-Badener Schwarzwaldvereins.

Auerhuhn liebt Heidelbeeren

„Viele der ehrenamtlichen Helfer sind schon seit Jahren dabei und betreiben nicht nur praktischen Naturschutz, sondern genießen dabei auch ein echtes Naturerlebnis“, betonte Bürgermeister Werner Hirth bei der Begrüßung. Besonders erfreut zeigte er sich über das Engagement der Flüchtlinge: „Das ist der beste Weg zur Integration“. Und: Baden-Baden sei ohne ehrenamtliches Engagement nicht denkbar.
„Das Auerwild ist der Charaktervogel des Schwarzwaldes“, hob der stellvertretende Leiter des Städtischen Forstamtes, Robert Lang, hervor. „Es gibt fast keinen Ort, in dem es nicht ein Gasthaus Auerhahn gibt.“ Durch Orkan Lothar, der am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 große Fichtenbestände im Schwarzwald umlegte, wurden die Lebensbedingungen der bedrohten Tierart verbessert: Die bis zu fünf Kilogramm schweren und bis zu einem Meter großen Vögel brauchen offene, mit Heidelbeeren bewachsene Flächen. Mittlerweile wachsen diese Kahlflächen wieder zu.

Fichten müssen weichen

An diesem Punkt setzte der Einsatz der „Herzenssache Natur“-Helfer im Bereich Bernsteinrück im Revier Scherrhof, auf knapp 900 Meter Höhe, an: „Wir richten hier die Bewirtschaftung nach dem Auerwild aus“, erläuterte Robert Lang weiter. Schnellwachsende junge Fichten werden herausgesägt, damit offene Flächen entstehen, auf denen Heidelbeeren wachsen.

Biologielehrer Christoph Polack nutzte derweil die kurze Wartezeit bis zum Arbeitseinsatz, um seinen Schülern am Wegesrand das echte Johanniskraut zu zeigen und dessen Einsatzbereiche als Heilpflanze zu erläutern. Nachdem die Arbeitshandschuhe verteilt waren, konnte es los gehen: „Wir sollen den Wald aufräumen für das Auerwild“, erklärte Anne Pflügler (14 Jahre) den Auftrag. Die Waldarbeiter des Forstamtes hatten bereits zahlreiche Fichten mit der Motorsäge abgesägt, die mit vereinten Einsatz aus dem Wald gezogen werden mussten.

„Wir waren schon beim ersten Mal dabei, es macht Spaß in der Natur zu arbeiten, ohne Ehrenamt geht es nicht“, betonte Konny Raab, pensionierter Lehrer aus Baden-Baden. „Es ist schon anstrengend“, räumen Raab und sein Mitstreiter Gunnar Rohloff ein. „Ich wandere hier viel und das Thema interessiert mich“, hat sich der Varnhalter Werner Eiselt, der zum ersten Mal dabei war, bereits im Vorfeld eingelesen in die Auerhuhn-Thematik.

Autor: Georg Keller