Rund 30 000 Filter gehen pro Jahr durch das Feinstaublabor der LUBW. Die Mitarbeiterinnen Alexandra Brennfleck (links) und Helena Klein bereiten sie vor und dokumentieren die Belastung, wenn die Filter von den Messstationen zurückkommen.
Rund 30 000 Filter gehen pro Jahr durch das Feinstaublabor der LUBW. Die Mitarbeiterinnen Alexandra Brennfleck (links) und Helena Klein bereiten sie vor und dokumentieren die Belastung, wenn die Filter von den Messstationen zurückkommen. | Foto: Anne Weiss

LUBW liefert exakte Messwerte

Hier kommt dicke Luft auf die Waage

Reinweiß, grau, fast schwarz: Es gibt deutliche Schattierungen bei den runden Filtern, die Alexandra Brennfleck mit einer Pinzette vorsichtig aus einem Drahtständer nimmt und prüfend mustert. Brennfleck arbeitet in einem rund 20 Quadratmeter kleinen Raum voller Computer, Koffer, Wagen und anderer Messgeräte. Oder, wie sie selbst sagt, „im Herzen der LUBW“. In dem Labor der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) in Karlsruhe wird untersucht, was spätestens seit dem Beginn des in Stuttgart eingeführten Alarms immer wieder Thema ist: Die Feinstaubbelastung. „Hier werden alle Filter vorbereitet und sie kommen alle wieder zurück“, sagt die Diplom-Ingenieurin mit Fachrichtung Umwelttechnik. Rund 60 Messstationen gibt es aktuell in Baden-Württemberg.

Im Labor herrschen stets die gleichen Bedingungen

Durch stetes Rauschen kündigt sich beim Betreten des Labors die riesige Klimaanlage an. Das in einem angrenzenden Raum untergebrachte Gerät sorgt dafür, dass im Reich der Feinstaubfilter stets die gleichen Bedingungen herrschen: „20 Grad Celsius plusminus ein Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 45 bis 50 Prozent“, erklärt Harald Creutznacher, Leiter des Labors für Luftmessungen und stofflichen Verbraucherschutz. Denn die Feinstaubfänger – Glasfaser- oder Quarzfilter – sind hygroskopisch, binden also Feuchtigkeit. Über 48 Stunden wird jeder einzelne in der immer gleichen Umgebung des Labors equilibriert und gewogen. Schließlich werden die Filter von Mitarbeitern in kleinen silbernen Koffern, die aufgereiht und mit ihrem Ziel beschriftet in einem Regal bereitstehen, an die Messstationen gebracht.

An die EU gehen nur die gravimetrischen Werte

Jeder Messstation ihr Köfferchen: 14 Feinstaubfilter passen in einen der Metallbehälter, alle 14 Tage werden die Filter in den Stationen gewechselt.
Jeder Messstation ihr Köfferchen: 14 Feinstaubfilter passen in einen der Metallbehälter, alle 14 Tage werden die Filter in den Stationen gewechselt. | Foto: Weiss

Kommen die Filter zurück, dauert es noch einmal weitere 48 Stunden, bis sie ausgewertet werden können. Dass dennoch stündliche, aktuelle Werte gemeldet werden, liegt an zusätzlichen Online-Messgeräten an den Stationen. Sie messen die Belastung durch das komplexe Gemisch aus festen und flüssigen Partikeln  kontinuierlich, sind aber weniger genau als die sogenannten gravimetrischen Werte aus dem Feinstaublabor. „An die EU gehen nur die gravimetrischen Werte“, betont Laborchef Creutznacher. Es geht hier um Werte im Mikrogramm-Bereich, doch auf den Filtern hinterlassen die Schadstoffe häufig deutlich sichtbare Spuren: Brennfleck hält ein besonders dunkles Exemplar in die Luft: „Konstanz in der Silvesternacht“, sagt sie und lacht.

Die Schadstoffbelastung ist den Filtern teilweise deutlich anzusehen.
Die Schadstoffbelastung in der Luft ist den Filtern teilweise deutlich anzusehen. | Foto: Weiss

Hilfe kommt von einer Maschine

Untersucht werden rund 30 000 Filter pro Jahr. Alleine könnten die Mitarbeiter des Feinstaublabors das niemals schaffen. Einen Großteil der Arbeit übernimmt darum ein außergewöhnliches Gerät, das es außerhalb der LUBW nur noch je einmal in Niedersachsen und Brandenburg, China und Russland gibt: das „Automatische Wägesystem“, kurz AWS. Es wiegt meist über Nacht kleinere Filter, dafür aber bis zu 320 Stück auf einmal und liefert exakte Ergebnisse, die Brennfleck und ihre Kollegen nur noch auf Auffälligkeiten untersuchen müssen.

Neuer Schadstoff Nummer eins in der Luft ist Stickstoffdioxid

Sorge bereiten die Ergebnisse mittlerweile aber im seltensten Fall. Vor allem im BNN-Verbreitungsgebiet könne man grundsätzlich von „guter Luft“ sprechen, erklärt ein Stockwerk unter dem Feinstaublabor Christiane Lutz-Holzhauer, stellvertretende Leiterin des Referats Luftqualität. Hier in der Messzentrale der LUBW werden die Daten gesichert, eingetragen und veröffentlicht, die Messstationen laufend liefern. Verbesserungsbedarf gibt es aber auch bei der Luft in der Region: Denn während die Feinstaubbelastung kontinuierlich sinkt, ist die Luft im Südwesten nach wie vor zu hoch mit Stickstoffdioxid  belastet. Stickstoffoxide gehören dem Umweltbundesamt zufolge zu den reaktiven Stickstoffverbindungen, die zu einer Vielzahl von negativen Umweltwirkungen führen können. Mit flüchtigen Kohlenwasserstoffen sind sie für die sommerliche Ozonbildung verantwortlich. Sie tragen zudem zur Feinstaubbelastung bei. In der Umwelt vorkommende Stickstoffdioxid-Konzentrationen etwa sind vor allem für Asthmatiker ein Problem. Sie wirken laut der LUBW reizend auf Schleimhäute und Atemwege des Menschen und können Pflanzen schädigen. Zum Schutz der Gesundheit wurde europaweit für Stickstoffdioxid der Ein-Stunden-Grenzwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter festgelegt, der nicht öfter als 18-mal im Jahr überschritten werden darf. Der Jahresgrenzwert beträgt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Die Mitarbeiter der LUBW arbeiten mit Stoffen im Mikrogrammbereich mit dem bloßen Auge kaum erkennbar.
Die Mitarbeiter der LUBW arbeiten mit Stoffen im Mikrogrammbereich mit dem bloßen Auge kaum erkennbar. | Foto: Weiss

Grenzwert wird in Karlsruhe regelmäßig überschritten

An den Messstationen in der Karlsruher Reinhold-Frank-Straße und der Karlsruher Straße in Pfinztal etwa lag der Jahresmittelwert in der Vergangenheit regelmäßig über dem Grenzwert – noch. Denn auch diese Messwerte sinken. „Es könnte natürlich noch schneller gehen, wenn sich jeder an die Spielregeln hielte“, sagt Lutz-Holzhauer. Die „Spielregeln“ stehen in der „39. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes“ – oder wie sie Laborleiter Creutznacher kurz bezeichnet: „der Bibel der Luftreinhaltung“. Gerade die von Baustellen geplagte Fächerstadt hat in der Region die höchsten Messwerte. Grund zur Sorge sei das aber nicht, betont Lutz-Holzhauer: „Karlsruhe und beispielsweise auch Mannheim sind geografisch gut gelegen.“
LUBW-Pressesprecherin Tatjana Erkert nimmt indes generell ein gesteigertes Interesse am Thema Luft wahr. „Dabei ist die Luft deutlich besser geworden in den vergangenen 20 Jahren“, betont sie. Sorgen müssten sich Bürger in der Region also nicht machen, könnten aber dennoch ihren Beitrag leisten: „Zum Beispiel das Auto stehen lassen. Und öfter mal das Fahrrad nehmen.“

Aktuelle Werte liefert die LUBW über ihren Datendienst. Beim Umweltbundesamt gibt es weitere Infos und Daten.