Hand in Hand arbeiten Studierende aus Karlsruhe und Einheimische an verschiedenen Bauwerken in Afrika, Asien und Südamerika. | Foto: Engineers Without Borders

KIT-Studenten bauen Kraftwerk

Hilfe für ein Dorf im Ostkongo

Der Dschungel im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist – aus der westlichen Perspektive betrachtet – ein unbekanntes Terrain (siehe Hintergrund). Noch heute sind zahlreiche Dörfer von der staatlichen Stromversorgung abgeschnitten. Studenten der Karlsruher KIT-Hochschulgruppe Engineers Without Borders (Ingenieure ohne Grenzen, EWB) werden in der kongolesischen Region Kivu für eine Dorfgemeinschaft ein Wasserkraftwerk mit einem Stromverteilungsnetz bauen.

Preis für Projektidee im Ostkongo

Für das Vorhaben hat die Stiftung „Wissen plus Kompetenzen“ die Studierenden für „vorbildliche Teamprojekte“ ausgezeichnet. „Bei dem Konzept unseres Projekt geht es weniger um technische Aspekte“, erklärt Willy Kästner, einer der Initiatoren. Vielmehr sei der Umgang mit einer fremden Kultur ausschlaggebend. „Wir wollen die Teilnehmer im interkulturellen Dialog sensibilisieren, damit sie mögliche Vorurteile gegenüber afrikanischer Länder abbauen“, so Kästner. Derzeit zählt EWB 350 Mitglieder. Sie ist die größte Hochschulgruppe am KIT und existiert seit zwölf Jahren. Die Studierenden sind alle ehrenamtlich aktiv. Sie sind am KIT und an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft sowie in Pforzheim eingeschrieben.

Studierende kooperieren mit christlicher Institution

EWB finanziert sich aus Spenden von Firmen, Banken und Privatpersonen. Die Hochschulgruppe realisierte bereits mehrere Projekte auf verschiedenen Kontinenten. So zum Beispiel eine Hängebrücke auf Sri Lanka sowie ein Bäckereigebäude, ein Waisenhaus in Haiti oder ein Solarkraftwerk in Uganda. „Das Wissen kommt von uns, die Materialien kaufen wir vor Ort, um die dortige Wirtschaft zu unterstützen“, ergänzt Marcel Mott, der sich ebenfalls bei EWB engagiert. Die Studierenden arbeiten mit Projektpartnern zusammen, die aus den jeweiligen Gebieten kommen und die Probleme der Bevölkerung vor Ort kennen. Die angehenden Karlsruher Ingenieure haben teilweise vor dem Studium in der Entwicklungshilfe gearbeitet. Sie stellen den Kontakt zu den Organisationen her, so auch zu der evangelischen „Coordination Provinciale des Écoles Conventionnées Protestantes“, die im Ostkongo Schulen betreibt. Sie ist zugleich Bauherr des Wasserkraftwerks.

Vorerst geringe Stromleistung

Nur 20 Kilowatt Elektrizität wird es erzeugen. Zum Vergleich: Zehn Toaster verbrauchen bis zu zehn Kilowatt. „Unsere Idee ist nicht vorrangig flächendeckend elektrisches Licht zu ermöglichen, sondern Strom für betriebliche Zwecke“, stellt Kästner klar. So müsse ein Kioskbetreiber den Kühlschrank nicht mehr mit einem Dieselgenerator betreiben. „Wenn die Menschen vor Ort bereit sind, Geld für den persönlichen Strombedarf auszugeben, könnten wir das Wasserkraftwerk ausbauen“, so Kästner. Es sei bei der Projektarbeit wichtig, auf die Bedürfnisse der Dorfgemeinschaft einzugehen. „Wir machen keine Vorgaben“, ergänzt Mott.

Wasserkraftwerk spätestens ab Herbst 2018 in Betrieb

Der Projektpartner wird das Kraftwerk in Eigenregie betreiben. Spätestens im Herbst 2018 soll es in Betrieb gehen. Die Anlage wird wie ein Mühlrad das Wasser aufnehmen und mit der Drehbewegung Strom erzeugen. 30 angehende Ingenieure verschiedener Fachrichtungen werden sich am Bau beteiligen, darunter Architekten, Maschinenbauer, Wirtschafts-, Bau- und Elektroingenieure. „Wir werden Theorie in Praxis umsetzen. Jeder Teilnehmer wird zeigen, was er leisten will“, ist Marcel Mott überzeugt.

Wer die Karlsruher Studenten bei ihrer Projektarbeit unterstützen möchte, kann einen Betrag auf folgendes Konto überweisen: Engineers Without Borders, Sparkasse Karlsruhe, IBAN: DE 25 66 05 01 01 01 08 08 56 55, Verwendungszweck „Kongo“.

In Europa hört man nur selten vom Ostkongo. Dort kämpfen mehrere Milizen um die Vorherrschaft, nicht zuletzt wegen der reichen Mineralienvorkommen der Region. Seit der Unabhängigkeit von Belgien im Jahr 1960 ist die Demokratische Republik Kongo, ehemals Zaire, kein funktionierender Staat. Die Bevölkerung ist gegenüber der Polizei und dem Militär misstrauisch. In ländlichen Regionen vertrauen die Menschen daher Stammesführern oder religiösen Einrichtungen. Diese übernehmen staatliche Aufgaben, wie zum Beispiel Bildung. In der Region Kivu, wo sich die Karlsruher Studenten engagieren, gibt es derzeit keine Unruhen.