Weiterbildung als Weg aus der Krise? Den Betrieben in der Ortenau fehlen immer mehr Fachkräfte.
Weiterbildung als Weg aus der Krise? Den Betrieben in der Ortenau fehlen immer mehr Fachkräfte. | Foto: Arno Burgi

Modellprojekt in Oberkirch

Hilft Ausbildung den Betrieben aus der Personalnot?

Von Robert Ullmann
In einem Pilotprojekt bildet der Oberkircher Automobilzulieferer PWO 14 an- und ungelernte Mitarbeiter aus der Produktion zum Stanz- und Umformmechaniker aus. Hintergrund ist zum einen der Fachkräftemangel insbesondere in der Metallbranche. „Zum anderen steigen die Anforderungen an die Arbeitsaufgabe und an den Arbeitsplatz“, erklärte PWO-Personalleiter Ulrich Klose bei der Vorstellung des Projekts. Partner sind die Agentur für Arbeit und die Südwestmetall als Arbeitgeberverband für die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg.

Ausbildung bietet Potenzial

Dessen Geschäftsführer Stephan Wilcken sieht in der Metall- wie in der Elektrobranche einiges an Potenzial für eine Ausbildung von ungelernten Kräften zum Facharbeiter. Es gebe in beiden Branchen einen hohen Anteil an ungelernten Beschäftigten. Wilcken geht davon aus, dass auch andere Industriebereiche das Thema aufgreifen, etwa die kunststoffverarbeitende Industrie. Man habe sich bezüglich des Pilotprojekts für PWO entschieden. „Wir hofften, dass wir hier genügend Fortbildungswillige finden, um eine Ausbildungsklasse zu gründen“.

Zahl der Arbeitskräfte sinkt

Laut Horst Sahrbacher, Leiter der Arbeitsagentur Offenburg, wird aufgrund des demographischen Wandels bis in 20 Jahren das Arbeitskräftepotenzial in der Ortenau um elf Prozent niedrigen sein als heute. Den Unternehmen die notwendigen Fachkräfte zu sichern, sei seit Jahren ein wichtiges Thema. Die Potenziale zu nutzen, die in den Betrieben selbst stecken, nämlich in Form fortbildungswilliger ungelernter Arbeitnehmer, sei notwendig.

Volles Gehalt wird weitergezehlt

Um das möglich zu machen, wurde ein Modul-Modell entwickelt. Die Ausbildung zum Stanz- und Umformmechaniker dauert zwei Jahre. Zwei Jahre raus aus dem Betrieb – das schreckt nicht nur die in Frage kommenden Arbeitnehmer, sondern auch die Betriebe, die auf ihre Leute angewiesen sind. Um dem entgegenzuwirken, wird die Ausbildung auf sieben dreimonatige Module verteilt. Zwischen den Modulen ist der Mitarbeiter immer wieder für drei Monate im Betrieb, teils auch, um das bereits gelernte praktisch zu vertiefen und umzusetzen. Er erhält während der gesamten Fortbildungszeit sein volles Gehalt. Der Arbeitgeber bekommt einen Lohnkostenzuschuss, der bis zu 100 Prozent gehen kann, sowie einen Zuschlag in Höhe von 20 Prozent zu den Sozialversicherungsbeiträgen.

Hat das Projekt Modellcharakter?

Laut PWO hat es für die in Frage kommenden Mitarbeitern innerbetrieblich mehrere Veranstaltungen gegeben, unter Beteiligung des Betriebsrats, der PWO-Führungskräfte, aber auch der IG Metall, der IHK, des Bildungswerks der Baden-Württembergischen Wirtschaft und anderer. Es ging darum, Überzeugungsarbeit zu leisten und Fragen zum Projekt „Teilqualifizierung für An- und Ungelernte“ zu klären. Und es ging auch darum, auf Bedenken einzugehen. Das erste Modul findet in der Ausbildungswerkstatt von PWO statt, es ist angelaufen. Mittlerweile gibt es Klose zufolge weitere Interessenten aus den Reihen der Mitarbeiter. Der PWO-Personalleiter kann sich auch gut vorstellen, Qualifizierungsklassen aus Mitarbeitern verschiedener Betriebe zu bilden. Sahrbacher wünscht sich, dass die Idee in der gesamten Ortenau aufgegriffen wird.
PWO beschäftigt derzeit 1 500 Mitarbeiter, davon etwa 100 Un- und Angelernte in der Produktion.